Tagesbetreuung

Selbstbestimmt leben mit Demenz

2016 erhielt Erwin Brandstätter die Diagnose Parkinson und Demenz. Seit Herbst letzten Jahres findet das Ehepaar Brandstätter Unterstützung in einer Tagesbetreuung der Diakonie. Wir haben mit Theresia Brandstätter über ihre wertvolle Rolle als pflegende Angehörige, über die Krankheit ihres Mannes und die Wichtigkeit der Tagesbetreuung gesprochen.

17.09.2021
"Die Tagesbetreuung bedeutet für meinen Mann Freundschaften, Routine und Betreuung mit viel Gespür." (Foto: Diakoiewerk)
"Die Tagesbetreuung bedeutet für meinen Mann Freundschaften, Routine und Betreuung mit viel Gespür." (Foto: Diakoiewerk)

Text: Verena Schwarzinger

Frau Brandstätter, wie wurde die Demenzerkrankung Ihres Mannes in Ihrem Alltag sichtbar?

Theresia Brandstätter: Es gab erste Anzeichen. Dennoch trifft es einen hart. Man weiß ja nicht, was auf einen zukommt. Zunächst waren Probleme nur beim Gehen, dann nutzten wir Stöcke und jetzt den Rollator. Die Demenz kam dann noch dazu. Bis März 2020 führte mein Mann noch ein sehr selbstständiges Leben. Wir waren im Urlaub, lagen am Pool und mein Mann wollte ins Zimmer, um auf die Toilette zu gehen. Als er nicht wieder kam, machte ich mir Sorgen. Als ich nachsehen ging, wusste ich warum: er fand den Weg nicht mehr zurück.

Wie haben Sie die Betreuung zu Hause neben Ihrem Berufsleben eingeteilt?

Während ich zur Arbeit ging, war die Pflege zu Hause sehr herausfordernd. Mein Mann war in der ersten Zeit noch selbstständig, später war eine Freundin bei ihm. Während der Pandemie wurde ich freigestellt oder arbeitete im Home Office. Doch dann kam der Punkt, an dem ich es allein nicht mehr schaffte. Unterstützung fanden wir in der Tagesbetreuungseinrichtung Wels. Bereits mein erster Anruf war für mich besonders. Meine Sorgen wurden ernst genommen, Bedenken zerstreut. Mit wurde Hoffnung gemacht.

Ihr Mann besucht die Tagesbetreuung, wie wichtig ist diese für Sie beide?

Seit Herbst 2020 ist mein Mann zwei Tage die Woche in der Tagesbetreuung. Das ist eine enorme Unterstützung, da auch die Krankheit weiter fortschreitet. Erwin braucht auch viel Förderung, man muss sich immer mit ihm beschäftigen. Die Tagesbetreuung bedeutet für meinen Mann Freundschaften, Routine und Betreuung mit viel Gespür. Ich kann in dieser Zeit auf mich achten und meine Batterien aufladen, da ich auch gesundheitlich angeschlagen bin und nachts eine Dialyse zu Hause mache. Ich möchte das Angebot der Tagesbetreuung nicht mehr missen in unserem Alltag.

Meine Sorgen wurden ernst genommen, Bedenken zerstreut. Mit wurde Hoffnung gemacht.
Theresia Brandstätter

Wie verbringt Ihr Mann den Tag in der Tagesbetreuung?

Er wird morgens um 8:15 Uhr von zu Hause mit dem Taxi abgeholt, dann wird in der Einrichtung gemeinsam gefrühstückt. Ein:e Musikpädagog:in singt sehr viel mit der Gruppe, lernt den Klient:innen neue Lieder, das unterstützt die geistigen Fähigkeiten und die Erinnerungen. Auch wird Bewegung in den Alltag integriert. Zu Weihnachten oder zu Ostern wurden kleine Geschenke gebastelt. Auch werden Spiele gespielt. Mein Mann ist ein leidenschaftlicher Kartenspieler. Oftmals "hängt" er der Betreuerin ein "Bummerl" an. Dann am Nachmittag, um 16 Uhr, kommt er mit dem Taxi wieder heim. 

Wie verbringen Sie die Zeit zu Hause?

Wir haben unsere Rituale wie zum Beispiel samstags, da gehen wir vormittags in Bad Hall ins Kaffeehaus und dann gemeinsam einkaufen. Wenn ich koche, hilft Erwin beim Gemüse schneiden. Wir spielen auch viel, vor allem "Mensch ärgere dich nicht", "Fuchs und Henne" oder auch andere Karten- und Geschicklichkeitsspiele. Wir treffen Familie und Freunde und unternehmen etwas. Auch haben wir die Tablettendosierung zu einem Ritual gemacht, das immer mittwochs stattfindet. Sonntags gehen wir auch gerne gemütlich essen ins Wirtshaus. Ich finde es wichtig, dass wir uns nicht zu Hause einsperren, sondern am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.

Die Tagesbetreuung bedeutet für meinen Mann Freundschaften, Routine und Betreuung mit viel Gespür. Ich kann in dieser Zeit auf mich achten und meine Batterien aufladen.
Theresia Brandstätter