Auf die Kälte vorbereitet zu sein, ist überlebensnotwendig

Republik Moldau: Wie alte Menschen den bitterkalten Winter überstehen

Viele ältere Menschen in der Republik Moldau sind auf sich allein gestellt und führen ein sehr hartes Leben in Armut. Auf die kalte Jahreszeit vorbereitet zu sein, ist überlebensnotwendig, denn die Temperaturen fallen im Winter auf minus 20 oder gar minus 30 Grad.

Text: Martina Mathe, Brot für die Welt

18.12.2019
Teodor bekommt Hilfe beim Wäschewaschen, Aufräumen, Putzen, und Holz tragen. Und einen Gesundheitscheck.
Theodor bekommt Hilfe beim Wäschewaschen, Aufräumen, Putzen, und Holz tragen. Und einen Gesundheitscheck. (Foto: Brot für die Welt)

Theodor hat in den letzten Wochen im nahegelegenen Wald Feuerholz gesammelt. Aber das Holz, das der 82-jährige pensionierte Landwirt sammeln konnte, wird nicht annähernd ausreichen, um über den Winter zu kommen. Wer Theodor eine wichtige Hilfe ist, ist das mobile Heimhilfeteam von Neoumanist. Die lokale Hilfsorganisation ist PartnerIn von Brot für die Welt in der Republik Moldau.

Jede Woche besuchen Andrej und Veronica den alten Mann in seinem Haus.

Als diesmal der wöchentliche Besuch mit einer großen Holzlieferung kommt, ist Theodor zu Tränen gerührt. Denn erst jetzt steht für ihn fest: Er wird den ganzen Winter über ein warmes Feuer schüren können.

Mehr als die Hälfte aller Haushalte am Land haben in Moldau nur einen einzigen Holzofen zum Heizen, Teodors Haus zählt auch dazu.

Theodor beim Holzmachen
Theodor beim Holzmachen (Foto: Brot für die Welt)

Trotz aller Schwierigkeiten hat Teodor seinen Sinn für Humor nie verloren – er ist ein fröhlicher und freundlicher Mann. Die Besuche von Krankenpfleger Andrej und der Sozialarbeiterin Veronica sind das wöchentliche Highlight in seinem Alltag. Aus diesen Besuchen schöpft er Kraft und Energie. Hilfe bekommt er beim Wäschewaschen, Aufräumen, Putzen, Holz tragen und einheizen. Sein Blutdruck wird gemessen und ein Essenspaket für die ganze Woche geliefert.

Es geht auch sehr stark um Nähe

Heute schneidet Andrej ihm die Haare und die Fingernägel und hilft bei der Körperhygiene. Theodor scherzt mit ihm, die Nähe zwischen den beiden ist stark spürbar. „Du bist mein Ersatzkind“, sagt er zu Andrej. Seine sechs leiblichen Kinder hat er seit mehr als zehn Jahren nicht mehr gesehen. Sie sind, wie viele andere, auf der Suche nach Wegen aus der Armut ins Ausland gegangen. Ein Drittel der Bevölkerung Moldawiens ist innerhalb der letzten 15 Jahre ausgewandert.

Die Heimhilfe ist neben der konkreten Hilfe vor allem eines: Soziale Beziehung
Die Heimhilfe ist neben der konkreten Hilfe vor allem eines: Soziale Beziehung (Foto: Brot für die Welt)

Die Heimhilfe bietet neben der konkreten Hilfe vor allem eines: Beziehung und Nähe. - Dass sich jemand sorgt und kümmert, lässt die älteren Menschen jeden Tag aufs Neue die Kraft schöpfen, um aufzustehen, sich selbst zu motivieren und an sich zu glauben.

So bringt Teodor die Energie auf, sich trotz gesundheitlicher Probleme so gut er kann um sein kleines Haus und den Garten zu kümmern. Wenn das Wetter und die Gesundheit es zulassen, ist er im Garten anzutreffen, bei seinen Weinstöcken, Pfirsich-, Birnen- und Nussbäumen. Sobald der Winter überstanden ist, will er wieder seiner Leidenschaft nachgehen: In seinem Garten wird er viele bunte Blumen setzen.  

Zum Lebensstandard in der Republik Moldau

Die Republik Moldau ist seit 1991 ein unabhängiger Staat und gilt als das ärmste Land Europas. - Die Pensionen reichen mit 25 € bis 60 € nicht zum Überleben. Auch die Löhne sind sehr niedrig. Sie sanken in den letzten Jahrzehnten stetig und betragen heute nur noch 25% der Löhne der  90er Jahre. Ein Drittel der Bevölkerung lebt im Ausland. Mangels Einzahlungen wird das Pensionssystem in Zukunft noch schwieriger finanzierbar sein.

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