Das Of(f)'n-Stüberl der Stadtdiakonie Linz

Im Warmen

Von Claudia Rinne

„Seit unserem letzten Umbau haben wir keinen Schranken mehr. Wir haben diese dicke orangefarbene Linie am Boden“, sagt Miguèl. Er ist Sozialarbeiter im Of(f)‘n-Stüberl der Linzer Stadtdiakonie, einem #OrtDerHoffnung, an dem sommers wie winters jede und jeder zu einem Gratis-Frühstück willkommen ist. „Grenzen wahrnehmen und einhalten ist wichtig für unser tägliches Miteinander. Und wenn das einmal geht, können wir auch über sie verhandeln.“

16.12.2018
  • Willkommen im Of(f)'n-Stüberl! Foto Nadja Meister/Diakonie Österreich
    Willkommen im Of(f)'n-Stüberl! Foto Nadja Meister/Diakonie Österreich
  • Das Of(f)'n-Stüberl in Linz. Foto Nadja Meister/Diakonie Österreich
    Um 8 Uhr ist alles für den ersten Ansturm bereit. Foto Nadja Meister/Diakonie Österreich
  • Hauptraum des Of(f)'n-Stüberl in Linz. Foto Nadja Meister/Diakonie Österreich
    DasOf(f)'n-Stüberl füllt sich. Foto Nadja Meister/Diakonie Österreich
  • Sachspenden für das Of(f)'n-Stüberl in Linz. Foto Nadja Meister/Diakonie Österreich
    Wenn die Sachspenden persönlich vorbeigebracht werden, stärkt das die Verbundenheit mit dem Of(f)'n-Stüberl. Foto Nadja Meister/Diakonie Österreich
  • Bücher zur freien Entnahme beim Eingang des Of(f)'n-Stüberl Linz. Foto Nadja Meister/Diakonie Österreich
    Bücher stehen gleich beim Eingang bereit. Foto Nadja Meister/Diakonie Österreich
  • Im Gastraum des Of(f)'n-Stüberl in Linz. Foto Nadja Meister/Diakonie Österreich
    Kaffee, Buch und Zeitung gehören zusammen. Foto Nadja Meister/Diakonie Österreich
  • Ruheräume und Duschen können nach einer unkomplizierten Anmeldung  benutzt werden. Foto Nadja Meister/Diakonie Österreich
    Ruheräume und Duschen können nach einer unkomplizierten Anmeldung benutzt werden. Foto Nadja Meister/Diakonie Österreich
  • Noch mehr Spenden! Foto Nadja Meister/Diakonie Österreich
    Noch mehr Sachspenden, wunderbar! Foto Nadja Meister/Diakonie Österreich
  • So dick ist sie gar nicht, die orange markierte Trennlinie am Boden. Foto Nadja Meister/Diakonie Österreich
    So dick ist sie gar nicht, die orange markierte Trennlinie am Boden. Foto Nadja Meister/Diakonie Österreich

Schon steht er auf, unter den Gästen ist Unruhe aufgekommen. „Wir achten darauf, wie die Stimmung ist. Wer Streit sucht, kann ihn mit mir austragen, ich werd‘ dafür bezahlt“, erklärt Miguèl mir und seine Kollegin Maria, erst seit wenigen Wochen dabei, lächelt: „Den Spruch merk ich mir.“

Die orangefarbene Linie trennt den Gastraum vom Arbeitsbereich. Hier werken zwei Ehrenamtliche, jeden Tag andere. Sie kochen Kaffee und Tee, sie waschen Geschirr und richten die Speisen auf dem Buffet im Gastraum an. Fast alles ist großzügig gespendet, oft werden die Sachen persönlich vorbeigebracht und stärken die Verbundenheit.

Nur montags wird Brot gekauft, unter der Woche auch Topfen und Butter. Diese Aufgabe übernehmen bisweilen Gäste, auch beim Aufräumen helfen sie gerne, nach Absprache. Wenn ein Gast ein Anliegen hat, weisen die Ehrenamtlichen freundlich auf die beiden Sozialarbeiter hin. Ein Handy soll aufgeladen, ein Arztbrief soll kopiert werden? Geht alles. Ein Bett zum Ausruhen? Im Obergeschoß gibt es zwei Ruheräume, nach Anmeldung kann man hinauf. Auch Duschen stehen dort zur Verfügung, und im Keller gibt es Waschmaschinen.

Katharina kommt herein. „Ich bin kaputt!“ ruft sie und schlägt mit der flachen Hand auf den Tresen. „Ist man denn kein Mensch mehr? Ich bin fertig, ich bin kaputt!“ Sie schimpft halblaut weiter, während sie sich am Buffet ein Frühstück zusammenstellt. „Könnt ich heißes Wasser bekommen, bitte?“ wendet sie sich wieder an die beiden Ehrenamtlichen. „Gerne“, sagt Caro und gießt es ihr in das hingehaltene Schüsserl, auch wenn die Thermoskanne griffbereit zur Selbstbedienung dasteht.

Katharina setzt sich zum Essen, die Spannung fällt von ihr ab. Sie bleibt bis ganz zum Schluss, die meisten Gäste haben schon das Of(f)‘n Stüberl verlassen. Katharina weiß zu fast jedem Vornamen ein Lied, und wenn ihr keins einfällt, hat sie bis zum nächsten Mal eines gefunden, ganz sicher. Als sie, kurz nach 12, als letzter Gast geht, sagt sie: „Es geht mir nicht besser. Es geht mir jetzt super!“

Das Of(f)‘n-Stüberl der Linzer Stadtdiakonie ist ein soziales Tageszentrum mit kostenlosem Frühstücksangebot. Ein konsumfreier, gut erreichbarer Ort in der Stadt, der Menschen ohne Wohnung auch als Postannahmestelle dienen kann.

Es gibt Wasch- und Ruhemöglichkeiten, Kleidung, Zeitschriften, Spiele und Bücher, Ausflüge und gemeinsame Kinobesuche. In Gesprächen mit den hauptamtlichen SozialarbeiterInnen können Ideen für Problemlösungen entwickelt werden, die Gäste können aber immer „auch einfach so“ ins Of(f)‘n-Stüberl kommen.

Das niederschwellige Angebot hat schon oft Verbesserungen aus Situationen heraus ermöglicht, die festgefahren schienen.

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Über die Serie #OrtDerHoffnung

Angst, Neid, Wut und Misstrauen sind die Schlüsselbegriffe, die die derzeitigen öffentlichen Debatten regieren. Wir brauchen eine gesellschaftliche Kraftanstrengung, die den Zusammenhalt in den Vordergrund stellt und nicht den Neid und das gegenseitige Ausspielen von ohnehin benachteiligten Gruppen in der Gesellschaft.

Die Arbeit der Diakonie besteht darin, Angst zu nehmen und Hoffnung zu geben; der Abwertung von Menschen entgegen zu treten und ihre Würde zu bewahren. Mit der Social-Media-Serie #OrtDerHoffnung macht die Diakonie auf Menschen und Projekte aufmerksam, die Lebensqualität, sozialen Zusammenhalt und Solidarität fördern und weiterentwickeln.