Von Gott und der Welt

Wurst und Freiheit

Es geht um die Wurst! Besser gesagt: um das Wurstessen in der Fastenzeit. Dieser Disput wird derzeit in der seriösen Zürcher Zeitung, der NZZ, geführt.

04.03.2017
Eine Wurststange, die auf einem Jausenbrett liegt (Foto: Pixabay)
Mit Blick auf das Wurstessen hielt Zwingli fest: „Summa, dass ich's kurz mach: Willst du gern fasten, tu es; willst du gern kein Fleisch essen, iss es nicht, lass aber mir dabei den Christenmenschen frei!“

Die Evangelische Kirche in Zürich solle doch am ersten Sonntag in der Fastenzeit im Gedenken an das berühmte Wurstessen des Reformators Ulrich Zwingli diesen Brauch wieder einführen.

Und wirklich begann 1522 in Zürich die Reformation mit der Wurst. Im Haus des Buchdruckers Christoph Froschauer fand ein demonstratives Wurstessen statt. Am Anfang der Fastenzeit. Ein veritabler Skandal, der sogar gerichtsanhängig wurde.

Der Priester und spätere Reformator Ulrich Zwingli war beim Wurstessen dabei, aß aber selber nichts. Doch in seiner Predigt verteidigte er die Wurstesser. Zu fasten sei kein biblisches Gebot, vielmehr eines, das sich die Menschen selbst gegeben hätten.

Willst du gern fasten, tu es; willst du gern kein Fleisch essen, iss es nicht, lass aber mir dabei den Christenmenschen frei!
Ulrich Zwingli

Mit Blick auf das Wurstessen hielt Zwingli fest: „Summa, dass ich's kurz mach: Willst du gern fasten, tu es; willst du gern kein Fleisch essen, iss es nicht, lass aber mir dabei den Christenmenschen frei!“

Dem Reformator ging es also gar nicht um die Wurst, vielleicht hat sie ihm gar nicht besonders geschmeckt. Oder, was wahrscheinlicher ist, er hielt für sich persönlich die Fastenregeln ein. Zwingli ging es um die Freiheit. Einen Freiheitssonntag einzuführen, an dem jeder das zum Essen mitbringt, was ihm schmeckt, und auch die anderen davon kosten lässt, ja das wäre ein wahrhaft evangelischer Brauch in der Fastenzeit.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".

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