Von Gott und der Welt

Wie eine Mutter tröstet

Einer alten evangelischen, aber mittlerweile ökumenischen Tradition entsprechend, steht jeder Tag, jede Woche, jeder Monat und auch jedes Jahr unter einem bestimmten Bibelwort. Es ist eine kleine geistliche Übung, das was einen im Alltag bewegt, einem Vers aus der Bibel begegnen zu lassen, beides miteinander in Dialog treten zu lassen.

02.01.2016
Jahreszahl 2016 bestehend aus vielen Menschen

Die Jahreslosung 2016 klingt erstaunlicherweise wie eine Antwort auf das vergangene Jahr: „Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“

Im vergangenen Jahr haben viele des Trosts bedurft. 2015 war kein unbeschwertes Jahr. Mütter, die selbst der Verzweiflung nahe waren, schenkten ihren Kindern Trost. Wirklichen Trost, der stärkt und Schmerz in Lachen verwandeln kann. Wie wir es kennen, wenn Kinder weinend zur Mutter flüchten, um wenig später wieder zuversichtlich die Welt zu erobern. Der mütterliche Trost ist keine Vertröstung auf bessere Zeiten, sondern die Vergewisserung, dass da noch ein Ort der Zuflucht ist, ein Hort der Geborgenheit, auch wenn die Welt ringsum Angst macht.

Die Losung 2016 trägt durch das Jahr. Die Zukunft ist immer ungewiss. Wer kann schon wissen, was da kommen wird? Doch eines bleibt gewiss: Gott tröstet, wie eine Mutter tröstet. Lass die Zukunft kommen, lass dich ein auf das Wagnis des kommenden Jahres, sagt mir der Vers des Propheten Jesajas. Denn da ist einer, bei dem findest du Zuflucht, Trost und neue Kraft, auch wenn sie dir auszugehen droht.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.