Menschen aus Einrichtungen der Diakonie erzählen darüber, was ihnen ihre Wohnung bedeutet

Was mir beim Wohnen wichtig ist

Menschen aus Einrichtungen der Diakonie erzählen darüber, was ihnen ihre Wohnung bedeutet

02.08.2017
Jalil wohnt mit seinen Brüdern in einer kleinen Wohnung in Wien.
Jalil wohnt mit seinen Brüdern in einer kleinen Wohnung in Wien.

Ich bin Jalil, 25 Jahre alt und aus Afghanistan. Ich bin seit neun Monaten in Österreich und wohne zusammen mit meinen drei Brüdern und meinem kleinen Neffen in einer Wohnung in Wien.

Ich bin sehr dankbar, dass ich wieder bei meinen Brüdern sein kann. Obwohl die Zeit mit meiner Familie sehr wichtig für mich ist, wünsche ich mir auch eines Tages, alleine wohnen zu können. Wir haben nicht viel Platz und nur Matratzen anstatt Betten und es ist immer viel los bei uns. Das ist oft schwierig, besonders, weil ich mehr Zeit und Ruhe brauche, um besser Deutsch lernen zu können. Wohnen in Österreich bedeutet für mich also auch, viele Möglichkeiten zu verwirklichen. Aber es ist schwierig eine Wohnung zu finden, weil mir das Geld für eine eigene Wohnung fehlt, und weil viele Menschen in Österreich Flüchtlingen keine Wohnung geben, weil sie uns nicht trauen. (…)Jetzt ist meine Wohnsituation noch okay für mich, weil ich ganz fest an meinen Traum glaube. Ich werde irgendwann in Österreich studieren und spätestens dann eine eigene Wohnung oder zumindest ein eigenes Zimmer haben, um in Ruhe lernen und Schlafen zu können.

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Karin Eckart wohnt in einer Hausgemeinschaft der Diakonie. Hier sieht man sie beim Zeitunglesen.
Karin Eckart liest gerne und braucht oft "Nachschub"

Die Grazerin Karin Eckhardt ist 80 Jahre alt. Die zweifache Mutter und dreifache Großmutter lebt seit zwei Jahren im Haus am Ruckerlberg des Diakoniewerks Steiermark. Ihre Leidenschaft gehört dem Malen, früher mit Öl, jetzt überwiegend mit Acryl. An den Wänden ihres Zimmers hängen einige Kostproben ihres Schaffens: Venezianische Ansichten.

„Ich verstehe mich mit meinen Mitbewohnern auf der Hausgemeinschaft zwar sehr gut, aber mir ist wichtig, dass ich meinen Rückzug habe. Deswegen wohne ich im Einzelzimmer. Ich brauche viel Ruhe für das Malen und Radiohören, am liebsten klassische Musik und die Nachrichten auf Ö1, gleich in der Früh. Danach gehe ich Frühstücken und genieße es, wenn ich mich nachher noch einmal gemütlich hinlegen kann. Radiohören ist für mich viel unmittelbarer als Lesen. Ich lese aber immer noch viel, Literatur und Zeitschriften. Mein Sohn, der in Graz wohnt, muss mir immer Nachschub bringen.“

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Frau Urban lebt in einer Hausgemeinschaft der Diakonie in Graz.
Frau Urban lebt mit ihrem kleinen Kater Momo gemeinsam in einer Hausgemeinschaft der Diakonie in Graz.

Else Urban (90), ist dreifache Mutter und ehemalige Büroangestellte. Aufgrund einer Gehbeeinträchtigung fiel es ihr zunehmend schwer, die Stufen zu ihrer Wohnung in den dritten Stock zu bewältigen. Nach einer größeren Operation übersiedelte sie in die Hausgemeinschaft des Diakoniewerks in Graz, im Haus am Ruckerlberg.

„Ich habe so viele Interessen, Politik zum Beispiel. Ich möchte immer am Laufenden bleiben. Ich lese täglich Zeitung, borge mir Bücher aus und bekomme gerne Besuch. Viele Gesprächspartner zu haben ist mir sehr wichtig. Daher nehme ich an allen Gesprächsrunden im Haus teil. Auch mein Kater Momo ist mir eine große Stütze. Den haben mir die Mitarbeiterinnen des Hauses besorgt, als es mir einmal nicht besonders gut ging. Er ist noch sehr jung und verspielt. Untertags ist er bei mir im Zimmer, in der Nacht lasse ich ihn in die Hausgemeinschaft, damit ich schlafen kann.“

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Herr Votres wohnt in einer Seniorenresidenz der Johanniter in Wien
Herr Votres wohnt in einer Seniorenresidenz der Johanniter in Wien

Herr Votres wohnt in der Johanniter Senioren-Residenz Schichtgründe in Wien. "Mir sind vor allem die Gemütlichkeit und die Geborgenheit beim Wohnen wichtig. Ich habe immer hohe Ansprüche an das Wohnen gestellt und auf hohe Qualität geachtet. Diesen hohen Qualitätsanspruch habe ich generell an das Leben und ich habe mir die Latte bei allen Dingen sehr hoch gelegt. Sei es bei der Auswahl meiner Einrichtung, meiner Kleidung, aber auch bei der Auswahl meiner Freunde. Qualität hat dabei nicht immer mit Geld zu tun. Ich lege besonderen Wert darauf, dass die Umgebung, in der ich wohne, zu mir passt. Der Lebensraum begrenzt sich ja nicht nur auf die vier Wände, in denen ich wohne, sondern er beinhaltet weit mehr. Dazu gehören einerseits eine Straßenbahn in der Nähe, andererseits naturbelassene Grünflächen und die Nähe der Alten Donau."

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Zara in der Wohngemeinschaft beim Kochen
Zara ist 19 Jahre alt und lacht gerne.

Zara (19) wohnt in der Wohngemeinschaft "Jump" in Linz. einer Sozialpädagogischen Wohngruppe des Diakonie Zentrums Spattstraße. Die WG Jump bietet Platz für Mädchen im Alter von 12 – 18 Jahren. Für Zara wurde die Betreuungszeit von der Kinder- und Jugendhilfe ausnahmsweise verlängert. Bald wird sie in die Selbständigkeit entlassen.

 „Ich habe es gerne sauber in meiner Wohnung und schaue selber darauf, dass alles ordentlich ist. Was mir auch wichtig ist, sind leise Nachbarn. Mir ist wichtig, dass die Betreuerinnen Zeit haben für mich. Das trägt alles dazu bei, dass ich mich in meiner Wohnung wohlfühle. Seit 4 Jahren lebe ich nun schon in der WG Jump, davon ein Jahr in einer Übergangswohnung außerhalb der Wohngruppe. Danke an alle, die mich hier unterstützen."

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Raimund im Garten der Wohngemeinschaft
Raimund wohnt in einer Wohngemeinschaft und ist dort auch BewohnerInnen-Vertreter

Ich heiße Raimund und wohne seit Oktober 2016 im Köraus der Diakonie in Kärnten. Da bin ich auch der Bewohnervertreter. Am Wochenende bin ich gerne bei meiner Mama. Ich bin sehr fröhlich und freundlich. Ich mag Unkraut jäten, Rasen mähen, Vogelhäuschen bauen, Puzzeln und Fernsehen. Am liebsten schaue ich Sport. Vor allem Eishockey, Fussball und Formel 1. Kärnten heute schau ich jeden Tag. Ich mag es sehr, wenn die Sonne scheint. Aber den Wind mag ich gar nicht, und auch kein Gewitter.

Beim Wohnen ist mir wichtig, dass es schön ist und ich ein eigenes Zimmer habe. Beim Frühstück mag ich die Marmelade. Gut finde ich, dass wir selber kochen, weil es gut schmeckt. Bei uns ist gut, dass jemand schaut, dass immer genug Gewand im Zimmer ist. Und Taschentücher, und Süßes. Radl fahr ich auch gern. Der Siggi und die Barbara sind immer lieb und der Christian im Rollstuhl auch“.