Töpfern lernen von Menschen mit Behinderung

Unser Können geben wir gerne weiter

Ob Schulklassen oder Einzelpersonen – die Werkstätte Meierei der Diakonie de La Tour in Kärnten lädt zum Unterricht. Dabei lehren Menschen mit Behinderungen als ExpertInnen Interessierte neue Fähigkeiten in der Arbeit mit Ton und Keramik.

von Nikolaus Onitsch, Diakonie de La Tour

15.05.2017
Silvia Ladstätter arbeitet an einer Schüssel (Foto: Gerhard Maurer)
Silvia Ladstätter arbeitet an einer Schüssel (Foto: Gerhard Maurer)

Mit einem lauten „Patsch“ landet der große Tonziegel auf dem weißen Brett. Silvia Ladstätter hat ihn kraftvoll drauffallen lassen. "Sieht fast wie ein Leberkäs' aus und ich habe heute noch nicht gefrühstückt." Dem verschmitzten Lächeln folgt gleich die Erklärung: "Man muss das auch so fest machen, damit die Luft rauskommt, erst dann kann die Arbeit beginnen." Ladstätter ist eine von mehreren Klientinnen und Klienten aus der Werkstätte Meierei, einer Einrichtung für Menschen mit Behinderungen, die im Kunsthandwerksbereich arbeiten und ihre Fertigkeiten in Kursen weitergeben. Ihre besondere Leidenschaft gilt der Keramik.

Es freut mich, wenn ich Menschen zeigen kann, wie man verzierte Schüsseln, Töpfe oder Tonkugeln macht. Und die sind immer ganz glücklich, wenn sie selbst etwas geschafft haben.

Bevor sie mit dem Unterricht startet, zeigt sie anhand bereits fertiggestellter Stücke, welches Muster der neue Dekorationsgegenstand haben könnte. Ladstätter empfiehlt Kugeln oder Schnecken. Entsprechend wird dann gerollt oder "gewutzelt" und unter ihrer Anleitung in eine vorgefertigte Gipsform drapiert.

Keramik und Zukunftsträume

Während dieses etwas zeitaufwendigen Vorgangs erzählt sie von ihrer verstorbenen Mutter:  „Von ihr habe ich stricken und abwaschen gelernt.“ Und darüber, wie das Leben mit ihren elf Geschwistern war. Auch, dass sie gerne heiraten würde, da sie ja schon seit 20 Jahren mit einem Klienten in einer Beziehung lebe. Die Zeit vergeht, das Werkstück nimmt Formen an, Ladstätter lobt die Arbeit. Schließlich ist es fertig. Vorsichtig wird es aus der Form geschält und für den finalen Brennvorgang im Ofen vorbereitet …

Bei der Arbeit in der Töpferwerkstatt

Besonderes Gedenken

Einen Raum weiter gibt David Bradatsch, 24 Jahre alt, zum ersten Mal Unterricht. Für seine Schülerin Rosi Kulnik, ist es ebenfalls eine Premiere – und es soll etwas ganz Besonderes entstehen: „David zeigt mir eine Ritz- und Maltechnik für eine Keramikkugel, die, wenn sie fertig ist, über die Urne meines verstorbenes Mannes gestülpt werden soll“, erzählt Kulnik. „Die Idee mit der Urne finde ich auch schön“, bekräftigt Bradatsch ihren Wunsch.

Ursprünglich wollte Rosi Kulnik eine solche Kugel schon am Weihnachtsmarkt der Werkstätte Meierei kaufen, die war jedoch bereits verkauft. Jetzt sei sie umso glücklicher darüber, dass ihr ein Experte zeige, wie sie es auch selber machen könne.

Für mich ist das hier eine richtige Bereicherung und es tut nach dem Tod meines Mannes auch wirklich gut

freut sich die ehemalige Buchhändlerin und promovierte Germanistin.

Vorlieben

Während Bradatsch an seiner eigenen Kugel arbeitet und dabei die Tätigkeit seiner Schülerin beobachtet, lässt sich am Stück von Kulnik schon eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Fußball erkennen. „Meinem Mann würde das sicher gut gefallen, er war ein großer Fußballfan“, so Kulnik. - Bradatsch selbst bevorzuge andere Muster: „Mir gefallen am besten Schnecken“, erzählt er von seiner Vorliebe. Und auch darüber, dass es ihm Freude mache, seinen Geschwistern immer wieder neue Schüsseln zu schenken. Auch für sich selbst ist er gerne kreativ tätig: „Ich habe für mich eine kleine Kugel mit Teelicht und eine Schüssel für Müsli gemacht.“

Ruhe und Geduld

Der junge Mann strahlt eine ansteckende, guttuende Ruhe und Gelassenheit aus, die auch sein Motto wiederspiegelt: „Ich bin geduldig, meine Arbeit mache ich sehr genau, ich habe keinen Stress und lass mir die Zeit, die man braucht.“ - Etwas, das zukünftige Schüler, abgesehen vom hübschen Dekogegenstand, auch mit nach Hause nehmen dürfen.

Workshops

In der Werkstatte ist es möglich, das Töpfern von Tongefäßen, Fliesen und Figuren, sowie die Oberflächengestaltung der gefertigten Tonstücke in diversen Techniken zu lernen. Fachliche Unterstützung und Hilfe gibt es durch die WerkstattmitarbeiterInnen - Termine sind frei wählbar nach vorheriger Absprache.

Kosten: Acht Euro pro Stunde inklusive Material und Tonbrand für ein Werkstück mittlerer Größe. 

Schulklassen: 30 Euro pro Kind für zwei Vormittage inklusive Material und Tonbrand für ein Werkstück mittlerer Größe

Anmeldung und Kontakt: Michael Puck, Werkstätte Meierei, Drassmannweg 1, 9521 Treffen, Tel.: 0664 8477592, E-Mail: michael.puck@diakonie-delatour.at