Kurzportraits von Flüchtlingen

Überfüllte Notunterkünfte in Serbien

In Serbien sind 7.700 Flüchtlinge auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die Diakonie unterstützt lokale Partnerorganisationen vor Ort dabei, zu helfen.

06.04.2017

In der Hoffnung auf Asyl und eine Zukunft in Europa begeben sich Menschen trotz der Gefahren in die Obhut von Schlepperbanden. Und diese haben längst neue Routen über Bulgarien und Albanien gefunden. Missbrauch, Ausbeutung und skrupelloser Umgang mit der Notsituation der Menschen sind die Folge. Für einen Großteil der Flüchtlinge, die es nach der gefährlichen Flucht bis an die Außengrenze der europäischen Union schaffen, bleibt Serbien die vorläufige Endstation ihrer Reise.

Vier Personen sind im Bild zu sehen
Mit der Familie seiner Schwester lebt Fawad seit sechs Monaten im Flüchtlingscamp Principovac. (Foto: Ben Nausner)

Auf den ersten Blick erkennt man nicht, das Fawad vor ein paar Monaten noch in Kabul, Afghanistan gelebt hat. Ganz im Gegenteil - so wie er sich kleidet mit Sweatshirt, Beanie Haube und einer modischen Brille könnte man ihn auch mit einem jungen serbischen Freiwilligen verwechseln, der im Camp mitarbeitet. Mit seinem kleinen Bruder und der Familie seiner Schwester lebt er nur seit sechs Monaten im Flüchtlingscamp Principovac. Die Unsicherheit mit der sie tagtäglich in ihrer Heimat konfrontiert waren und die anhaltende Gewalt hat sie schlussendlich zur Flucht gezwungen. „Kabul ist keine sicherer Ort zum Leben“, berichtet er. Sein älterer Bruder lebt seit ein paar Jahren in England. Mit ihm sind sie in Kontakt und hoffen, in den nächsten Wochen dort um Asyl ansuchen zu können.

Zusammenleben auf engstem Raum

Ein junger Mann schaut in die Kamera
Ali ist 20 Jahre alt und lebt in einem Großraumzelt, da es keinen Platz in den Notunterkünften gibt. (Foto: Ben Nausner)

Die Notunterkünfte für Flüchtlinge in Serbien sind überfüllt. Dort wo der Platz nicht mehr ausreicht, werden aus der Not heraus beheizte Großraumzelte aufgebaut und mit Stockbetten ausgestattet. Ein Zelt bietet Platz für bis zu hundert junge Männer, die dicht aneinander gedrängt leben. Um ein wenig Privatsphäre zu schaffen, sind die Stockbetten mit dicken Wolldecken eingehüllt. Ali ist 20 Jahre alt und lebt in einem der Zelte. Er ist aus Afghanistan über das Mittelmeer bis nach Serbien geflohen. Nachdem einer seiner besten Freunde, der in der politischen Opposition in seiner Heimat engagiert war, getötet wurde, musste er fliehen, um sein eigenes Leben zu schützen. „Hier im Camp gibt es immer wieder Konflikte untereinander. Kein Wunder, wir leben hier schon seit Monaten auf engstem Raum zusammen“, berichtet Ali über die Situation. Wie er sich seine Zukunft vorstellt weiß er noch nicht so recht: „Ich mag Serbien. Die Leute hier waren freundlich zu mir und haben mich respektvoll behandelt. Ich glaube, ich will aber doch nach Deutschland. Mein Onkel und ein paar Freunde leben dort und ich möchte bei ihnen sein“.  

Beschwerliche Flucht

Frau steht vor einem Stockbett
Solmaz lebt seit vier Monaten in Serbien und teilt ein Zimmer im Flüchtlingscamp mit zwei Familien aus Afghanistan. (Foto: Ben Nausner)

Solmaz ist aus Teheran. Sie ist seit ungefähr vier Monaten in Serbien und teilt ein Zimmer im Flüchtlingscamp mit zwei Familien aus Afghanistan. Um die kalte und trockene Luft im Raum ein wenig zu befeuchten, hat sie einen Wasserkocher im Zimmer aufgestellt, den sie behutsam auffüllt. Ihre Flucht bis nach Serbien war beschwerlich. Als Christin fürchtete sie um ihr Leben und entschied sich schweren Herzens, ihre Heimat zu verlassen. Angesprochen auf ihre Flucht über Bulgarien schüttelt sie nur den Kopf: „Die Polizei hat mich schlecht behandelt und war korrupt. Jeder wollte Geld machen und ich war wie eine Ware für sie“, erzählt Solmaz. Ihr großer Wunsch ist zu ihrem kleineren Bruder nach Belgien zu kommen und dort um Asyl anzusuchen. 

Unterstützen Sie die Arbeit der Diakonie Katastrophenhilfe

Wir arbeiten eng mit lokalen Partnerorganisationen in Serbien zusammen und unterstützen so die neuankommenden Flüchtlinge. Dabei geht es in erster Linie um die Not-Versorgung in den Flüchtlingscamps. In den kommenden Wochen sind noch weitere Hilfsmaßnahmen geplant.

Spenden für warme Mahlzeiten und Hygienepakete sind dringend gebraucht!