Von Gott und der Welt

"Sieh da, ein Mensch! - Ecce homo!"

Jeder ist seines Glückes Schmied und sich selbst der Nächste. Heute aber ist Karfreitag, der Tag, an dem der Himmel sich verdunkelte.

30.03.2018
Jesus mit der Dornenkrone

Leistung, Eigenverantwortung und Fitness – das macht den idealen Staatsbürger aus. Jeder ist seines Glückes Schmied und sich selbst der Nächste. Heute aber ist Karfreitag, der Tag, an dem der Himmel sich verdunkelte, die Erde still stand im Schmerz und der Trauer über den Tod Jesu am Kreuz, wie uns die Bibel berichtet.

„Sieh da ein Mensch!“, „Ecce homo!“
Pontius Pilatus

so hatte Pontius Pilatus Jesus halb spöttisch, halb bedauernd dem Volk vorgestellt. Der Gedemütigte, der Leidende und dem Tode Geweihte wird zum Sinnbild des Menschen. Der Mensch ist eben nicht nur der Tüchtige, Starke und Fitte. Schon zu Beginn unseres Lebens sind wir auf andere angewiesen, alleine auf uns gestellt sind wir nicht überlebensfähig, auch in Krankheit und Alter brauchen wir Hilfe.

Am Weg nach Golgatha zu seiner Hinrichtung konnte Jesus sein Kreuz nicht mehr tragen, geschwächt vom Spott und der Folter. Da zwangen die Soldaten Simon von Kyrene, der von der Feldarbeit kam, ihm zu helfen. Simon schulterte das Kreuz und half. Selbst Jesus, der göttliche Mensch, ist der Hilfe bedürftig. Uns selbst als stark, tüchtig und hilfsbereit zu sehen, ist einfach. Aber zu erkennen, dass wir selbst schwach sind, auf andere angewiesen und hilfsbedürftig, ist schwer. Doch wenn selbst Gott, der in Jesus Mensch geworden ist, sich am seinem Karfreitag helfen lies – wer sind wir, dass wir uns unserer Hilfsbedürftigkeit schämen müssten?

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".