Wie Begegnung am besten klappt

Mittendrin in Schladming

Offenheit und Inklusion sind in Schladming nicht nur leere Wörter, sondern gelebte Realität: Das Diakoniewerk Steiermark konnte im letzten Jahr in Schladming viele Partner gewinnen, die Menschen mit Behinderung Teilhabe am Arbeits- und sozialen Leben ermöglichen.

15.12.2017

Von Saskia Dyk und Velimir Pantic

Das Arbeitsleben von Menschen mit Behinderung ist im Wandel: Praktikums- und begleitete Arbeitsmöglichkeiten außerhalb der Werkstätten sind mehr denn je gefragt. Sowohl UN-Behindertenrechtskonvention als auch das Steiermärkische Behindertengesetz sehen die Öffnung der Werkstätten in Richtung Arbeitsmarkt vor. Schladming bietet dafür ideale Möglichkeiten.

Die Liste der Kooperationspartner ist lang: Die Schladminger Brau GmbH., die Stadtgemeinde, das Stadtmuseum, die Neuen Mittelschulen, die Klinik Diakonissen Schladming, der katholische Kindergarten, die Firma Liebstöckl und das Bezirksaltenheim zählen zu den Partnern des Diakoniewerks. Alle bieten vielfältige und abwechslungsreiche Praktikums- und Arbeitsplätze. Eine tolle Arbeitsmöglichkeit ist die Schladminger Brauerei: Regelmäßig krempeln Mitarbeiter mit Behinderung hier die Ärmel hoch, zum Beispiel beim Konfektionieren der 6er-Träger, und das „zu unserer vollsten Zufriedenheit!“ meint Braumeister Rudolf Schaflinger anerkennend.

  • Das Schulbuffet-Team des Diakoniewerks (Foto: TOM Foto Design)
    Das Schulbuffet-Team des Diakoniewerks (Foto: TOM Foto Design)
  • Großer SchülerInnen beim Schulbuffet in der NMS 1 in Schladming (Foto: TOM Foto Design)
    Großer Andrang vor dem Schulbuffet in der NMS 1 (Foto: TOM Foto Design)

Seit Herbst kümmern sich die MitarbeiterInnen des Diakoniewerks um das Schulbuffet in der NMS I in Schladming. Rund 80 Stück Gebäck wandern täglich über den Ladentisch. Schulleiter Hans Rettenbacher: „Ziel ist, dass die Jugendlichen durch den Kontakt zu Menschen mit Behinderungen sehen, was diese leisten“. Aber auch andere Schladminger warten einmal wöchentlich auf einen Snack, der direkt an den Schreibtisch geliefert wird: Angestellte von Stadtgemeinde und Maschinenring freuen sich auf eine köstliche Jause, die von MitarbeiterInnen der Werkstätte und SchülerInnen vorbereitet und geliefert wird. Die kreativen Snacks entstehen in der NMS II - Schulküche, die die Stadtgemeinde zur Verfügung stellt.

Saubere Gehwege rund um das Rathaus und den Hauptplatz sind im Tourismusort Schladming besonders wichtig. Täglich sind MitarbeiterInnen mit Behinderungen in Sachen Umweltschutz unterwegs und klauben Weggeworfenes auf. Die Stadtgemeinde, allen voran Bürgermeister Winter, war mit diesem Service so zufrieden, dass das Einsatzgebiet der Truppe letztes Jahr sogar um einige Straßenzüge in der Innenstadt erweitert wurde.

Das Highlight: Special Olympics World Winter Games

2017 stand Schladming ganz im Zeichen der Special Olympics World Winter Games. Nicht nur für die rund 3000 AthletInnen aus über 100 Nationen, sondern auch für drei Männer aus der Werkstätte in Schladming ein großes Ereignis: Sie waren als Volunteers bei den Preisverleihungen in Schladming und Ramsau hautnah auf der Bühne dabei. Menschen mit Behinderung wirkten an der Sonderausstellung „Heart rocks“ zur Geschichte der Special Olympics im Stadtmuseum Schladming mit. Zu sehen war ein Film über das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung und wie die zwischenmenschliche Begegnung am besten klappt.

Die Gestaltung der Sonderschau war innovativ und inklusiv: Durch die Ausstellung führte ein Leitsystem aus Piktogrammen der Unterstützten Kommunikation. So konnten sich auch Menschen mit schwerer Beeinträchtigung in der Ausstellung gut zurecht finden. Verantwortlich dafür: Die MitarbeiterInnen mit Behinderung der Werkstätte, die die passenden Symbole auswählten und in den Räumen des Museums anbrachten.

Menschen mit Behinderung sind in Schladming präsent und ihre Fähigkeiten auch bei den Entscheidungsträgern von Politik und Wirtschaft im Bewusstsein. Eine Delegation aus Schladming besuchte heuer die Partnerstadt Wetzlar (D). Mit dabei im offiziellen Schladminger Team: Vertreter der Werkstätte Schladming, die beim sog. Ochsenfest ihre Heimatstadt würdig repräsentierten! Der Tourismusverband, die Schladminger Kaufmannschaft, die Schladming 2030 GmbH, Betriebe wie das Hotel Schütterhof in Schladming-Rohrmoos oder das Büro der Special Olympics Österreich haben das produktive Potential der Werkstätte des Diakoniewerks ebenso erkannt. Laufend werden kreative Serien (Produkte aus Naturmaterial wie Holz oder Stein) zum Beispiel für Gastgeschenke in Auftrag gegeben.

Auch im Bereich Freizeit und Sport bietet Schladming ein ideales Umfeld für inklusive Aktivitäten: Einmal in der Woche nützen die MitarbeiterInnen mit Behinderungen das Schwimmbad, zusammen mit der evangelischen Gemeinde und den örtlichen Schulen werden kulturelle Angebote der Stadt genutzt. Ein weiteres sportliches Highlight steht an: Special Olympics Österreich plant für die MitarbeiterInnen mit Behinderungen des Diakoniewerks Schnuppertage für verschiedenste Winter-Sportarten in örtlichen Vereinen.

Was macht Schladming zu einem Ort der Hoffnung? „Der Tourismus- und Wirtschaftsstandort Schladming macht es möglich, dass Menschen mit Behinderung ihre Fertigkeiten entwickeln und einbringen können. Die Menschen in Schladming, egal ob mit oder ohne Behinderung, begegnen einander gleichberechtigt und auf Augenhöhe“ so Velimir Pantic´, Leiter der Behindertenarbeit des Diakoniewerks.

Logo für die Serie #OrtDerHoffnung

Über die Serie #OrtDerHoffnung

Angst, Neid, Wut und Misstrauen sind die Schlüsselbegriffe, die die derzeitigen öffentlichen Debatten regieren. Wir brauchen eine gesellschaftliche Kraftanstrengung, die den Zusammenhalt in den Vordergrund stellt und nicht den Neid und das gegenseitige Ausspielen von ohnehin benachteiligten Gruppen in der Gesellschaft.

Die Arbeit der Diakonie besteht darin, Angst zu nehmen und Hoffnung zu geben; der Abwertung von Menschen entgegen zu treten und ihre Würde zu bewahren. Mit der Social-Media-Serie #OrtDerHoffnung macht die Diakonie auf Menschen und Projekte aufmerksam, die Lebensqualität, sozialen Zusammenhalt und Solidarität fördern und weiterentwickeln.