Zum Weltalzheimertag am 21. September

Menschen mit Demenz brauchen mehr Freiheit.

Demenz fordert uns in besonderer und vielfältiger Weise heraus. Wie die Betreuung gut gelingen kann, zeigt diese Geschichte.

18.09.2017
Frau mit Demenz, mit ihrem Sohn. Im Kaffeehaus
Gemeinschaft erleben, am „normalen“ Leben anknüpfen, sich wohlfühlen (Foto: Diakoniewerk)

Herr Amann* (Name wurde geändert) aus Wels/OÖ über viele Jahre hinweg seine Mutter (87) zuhause betreut – deren Demenz mit dem Tod ihres Mannes schleichend kam und sehr rapide fortschritt. Für den Sohn bedeutete das eine intensive Zeit des Wachsam-Seins und das Gefühl, seine Mutter ein Stück weit „leider“ auch vor sich selbst beschützen zu müssen.

In der ersten Phase war die Tagesbetreuung eine große Hilfe

Während dieser Zeit besuchte Frau Aman in Wels die Tagesbetreuung für Menschen mit Demenz und es gab auch Hilfe durch mobile Dienste. Dadurch begann sich für Herrn Amann nicht nur die Situation zu entspannen, sondern vor allem für seine Mutter bedeutete dies ein Mehr an Gemeinschaft und Normalität im Alltag.

„Die Aktivitäten in der Tagesbetreuung konzentrierten sich auf die Kompetenzen meiner Mutter und so konnte sie sich ihr Aktivsein bewahren“, erzählt Herr Amann. Das hat auch ihren Selbstwert sehr gestärkt, denn dort werden die Menschen nicht auf ihre Demenz und die Einschränkungen reduziert“, betont er.

In der Hausgemeinschaft gibt es viele Facetten von Freiheit

Seit kurzem lebt Frau Amann nun im Haus für Senioren Wels in einer Hausgemeinschaft des Diakoniewerkes, die ihren besonderen Bedürfnissen sehr entgegenkommt. denn: Demenz bedeutet oft: Diskriminierungen, Einschränkungen, Zurückweisungen

Menschen mit Demenz – unabhängig davon, wo sie leben, ob zuhause oder im institutionellen Kontext – erleben viele Diskriminierungen, Einschränkungen, Zurückweisungen. Die Zahl der Betroffenen nimmt zu, in Pflegeheimen leben vermehrt Menschen mit einer fortgeschrittenen Demenz. Und auch hier gilt es vor allem wieder die Fragen nach der Qualität zu stellen: Wie können wir Menschen mit Demenz heute und morgen gut begleiten?

Wie viele Betroffene bestätigt auch Herr Amann, dass mit der Diagnose Demenz dann endlich eine Erklärung für vieles vorlag, doch das soziale Umfeld stellte sich nur zum Teil darauf ein und so konnten die einen mehr, die anderen weniger mit dem veränderten Verhalten seiner Mutter umgehen. „Viele Bekannte haben sich damals auch zurückgezogen. Und das gerade in einer Lebensphase, die für uns alle sehr herausfordernd war“, erzählt er.

Nachbarn und Bekannte könnten helfen – wenn sie mehr über Demenz wüssten!

Und dabei könnten Menschen mit Demenz in größerer Freiheit leben, wenn sich alle im Lebens-Umfeld gut informiert fühlen würden, was die alltägliche Begleitung von Menschen mit Demenz betrifft.

„Unsere Erfahrung im Diakoniewerk zeigt: Menschen mit Demenz brauchen vor allem mehr Freiheit“. betont Dr. Daniela Palk, Expertin für Seniorenarbeit im Diakoniewerk. „Um ihnen diese Freiheit zusichern zu können, sind andere Konzepte und andere Wohnformen nötig, aber auch andere Personalstrukturen – in qualitativer wie in quantitativer Hinsicht. Und es braucht Unterstützung für die professionell Pflegenden, sowie für die Angehörigen. Und, nicht zuletzt, einen Blick auf den Sozialraum, in dem die Menschen leben“, so Palk.

Das Diakoniewerk trägt auch heuer mit vielfältigen Veranstaltungen zur Auseinandersetzung und Sensibilisierung sowie zum Dialog bei.

Alle Aktionen und Veranstaltungen rund um den Weltalzheimertag finden Sie hier.

10 Punkte-Programm der Diakonie für die Zukunft des Älterwerdens

Im soeben veröffentlichten 10 Punkte-Programm für die Zukunft des Älterwerdens hat die Diakonie ihre Überlegungen zur künftigen Gestaltung einer Gesellschaft des langen Lebens zusammengefasst. Die bedürfnisorientierte Begleitung von Menschen mit Demenz ist darin ein wesentlicher Punkt – gesellschaftlich betrachtet müssen sich die Rahmenbedingungen endlich so ändern, dass Menschen mit Demenz tatsächlich die ihnen zustehende Freiheit leben können. Es geht um die Sensibilisierung der Gesellschaft für Demenz und die Entwicklung von Wohnkonzepten, dort, wo die Menschen leben wollen, in Stadtteilen, Grätzeln, Nachbarschaften oder Wohnquartieren.

HIer finden Sie das ganze Pflege-Programm der Diakonie