Zukunftsperspektiven für Kinder in Nairobi

Kick in ein besseres Leben

Die Acakoro Football Academy gehört zu den erfolgreichsten Fußball-Akademien in Kenia. Doch neben dem sportlichen Erfolg geht es vor allem darum, Slum-Kindern eine Perspektive für ein besseres Leben zu geben.

22.08.2016
Zwei Kinder in einem Slum in Nairobi (Foto © Ursula Watzek)
Das Projekt Hope for Future schafft lebenswerte Perspektiven für Slum-Kinder in Nairobi (Foto © Ursula Watzek)

Läge Korogocho in Österreich, wäre es mit 200.000 Menschen die viertgrößte Stadt des Landes. Korogocho ist aber keine Stadt, sondern ein Slum in Kenias Hauptstadt Nairobi, der sich um die größte Müllkippe der 4 Millionen Einwohner Metropole herum gebildet hat. Hier leben die Ärmsten der Armen – in Wellblechhüten auf engstem Raum. Die genaue Zahl an Menschen, die auf dem nur 1,5 Quadratkilometer großen Gebiet leben, weiß man nicht. Sicher ist, dass mehr als 60 Prozent davon Kinder sind. Viele gehen täglich auf die Müllkippe von Dandora, um dort etwas zu essen zu finden, und suchen nach verwertbarem Schrott oder Plastik, das sie dann verkaufen. Die Lebensbedingungen sind sehr schlecht.

„Hope for Future“, ein Projektpartner von Brot für die Welt, einer Schwesterorganisation der Diakonie, versucht die Lebensbedingungen der dort lebenden Familien und der Kinder zu verbessern. Was vor einigen Jahren klein begonnen hat, ist mittlerweile Anlaufstelle für viele Tausende Menschen, vor allem Kinder im Slum geworden: In zwei Schulen, einem Gesundheits- und Sozialzentrum, einer Bäckerei mit Lehrlingsausbildung und einer Fußball-Akademie, der Acakoro Football Academy, wird Hilfe zur Selbsthilfe geleistet.

Ein Porträt von Stefan König, Fußballtrainer an der Acakoro Football Academy in Nairobi
Stefan Köglberger hat "Acakoro Football" mitaufgebaut und war bis Mitte 2016 auch ihr sportlicher Leiter (Foto © Georg Huttora)

„Nicht jeder wird Profi, aber jeder profitiert!“

Die Fußball-Akademie ist Ende 2013 ins Leben gerufen worden. 100 Kinder, Mädchen und Burschen zwischen 7 und 17 Jahren, werden hier von einem zehnköpfigen österreich-kenianischen Team betreut. „Nicht alle sind aufgrund ihres fußballerischen Talents hier“, erklärt Stefan Köglberger. Der AHS-Lehrer war Nachwuchstrainer in Österreich, hat die Akademie aufgebaut und ist jetzt sportlicher Leiter von „Acakoro Football“. „Etwa ein Drittel sind Kinder, die unter besonders schweren Umständen leben, etwa Straßenkinder oder Waisen. Das Talent ist in diesen Fällen nicht so entscheidend. Dieser soziale Aspekt ist uns sehr wichtig.“

Die Kinder werden in der Akademie aber nicht nur trainiert. In Kooperation mit den zwei Schulen des Projektes, der Makao- und der Damascus-School wird ihnen auch eine schulische Ausbildung ermöglicht – und das über die Schulpflicht, die in Kenia bis zur 8. Schulstufe geht, hinaus.

Ein Porträt von Aldona Dzierzgowska
Aldona Dzierzgowska kümmert sich um alle organisatorischen Belange der Akademie (Foto © Georg Huttora)

„Die schulische Ausbildung ist ebenso wichtig, wie die sportliche“, betont Aldona Dzierzgowska. „Damit haben die Kinder später eine viel höhere Chance der Armut zu entkommen und Arbeit zu finden – auch abseits des Fußballs.“ Die österreichische Soziologin leitet nicht nur das projekteigene Gesundheits- und Sozialzentrum sondern ist auch die gute Seele der Akademie.

Die „Slum-Mama“, wie sie liebevoll von den Kindern genannt wird, kümmert sich um alle administrativen und organisatorischen Angelegenheiten und ist ihre erste Ansprechperson. „Viele Kinder haben keine Papiere, wissen nicht genau, wann sie geboren sind. Für uns Europäer ist so etwas schwer vorstellbar.“

Besonders wichtig sei, dass die Kinder einen geregelten Tagesablauf haben: Schule, Training, Regeneration, Essen, Lernen. „Die Kinder bekommen eine Tagesstruktur, fernab von Gewalt und Hunger. Für viele sind die Mahlzeiten in der Akademie die einzigen, die sie bekommen“, erzählt Aldona.

Auf die Vermittlung von Werten wird ebenfalls großen Wert gelegt: Fairness, Respekt, Toleranz, Team-Geist sind nicht nur am Spielfeld gefragt. Die pädagogischen Ansätze zeigen positive Wirkung. „Früher wurde jeder Konflikt mit Gewalt gelöst. Jetzt sind die Kinder viel aufgeschlossener, sie gehen auf einen zu, sie öffnen sich, sie spielen miteinander, sie teilen die Sachen, sie streiten nicht mehr so viel und lösen ihre Konflikte gewaltfrei“, freut sich Stefan Köglberger.  

  • Die Jugendgruppe Acakoro Football Academy sitzt im Rasen gemeinsam mit dem Trainer
    Stefan Köglberger beim Training mit jungen Nachwuchstalenten (Foto © Ursula Watzek)
  • Training der Jugendgruppe der Acakoro Football Academy
    Zwei Mal täglich wird trainiert - einmal auf einem Erdplatz und einmal am Rasen (Foto © Dagmar Lassman)

Auch sportlich ist das Projekt erfolgreich. Trotz ihres kurzen Bestehens gehören die Mannschaften von Acakoro, eine U10, U11, U13, U15, und U17, schon jetzt zu den erfolgreichsten Nachwuchs-Klubs in Kenia. Und auch international kann man mithalten. Beim österreichischen Donauauencup, einem der größten Nachwuchsturniere Europas, konnte die U11 im letzten Jahr den Sieg davon tragen – vor Mannschaften wie FC Barcelona oder Juventus Turin. Anfang 2016 gab es erneut Grund zur Freude. Acakoro-Trainer Stanley Okumbi wurde zum Head-Coach der kenianischen Fußball-Nationalmannschaft ernannt. Gleichzeitig wurde ihm die sportliche Leitung bei Acakoro Football von Stefan Köglberger übergeben, der das Team noch bis Ende 2016 unterstützt. Stanley Okumbi soll den erfolgreichen Weg fortsetzen und wird auch weiterhin Nachwuchstalente bei Acakoro trainieren.

Porträt von Benard Ouma
Der 17-jährige Benard Ouma träumt von einer Karriere als Fußball-Profi (Foto © Georg Huttora)

Eines davon ist Benard Ouma. Der 17-Jährige kam vor 2,5 Jahren zu Acakoro. „Ich bin froh und dankbar bei Acakoro zu sein. Das Leben in Korogocho ist sehr hart. Die Menschen hier haben nichts,“ erzählt Benard. Die Kinder und Jugendlichen wissen um die Möglichkeiten, die ihnen die Akademie bietet. „Wenn ich hart trainiere, kann ich vielleicht eines Tages Korogocho verlassen. Mein Traum ist es, Profifußballer zu werden und damit mein Geld zu verdienen. Vielleicht spiele ich auch eines Tages in Österreich“.

Zukunft sichern

„Die Akademie ist momentan auf Unterstützung von Partnern, wie Brot für die Welt, angewiesen. Unser Ziel ist es, die Akademie langfristig unabhängig zu machen – sie soll sich selbst tragen und die anderen Bereiche des Projektes, die Schulen und das Gesundheitszentrum, finanziell unterstützen“, erklärt Stefan Köglberger. Das soll in wenigen Jahren, wenn die ersten Kinder alle Stufen der Akademie durchlaufen haben, mit Verkäufen von Spielern an andere Vereine gelingen. Das Interesse von kenianischen Fussballvereinen an gut ausgebildeten Acakoro-Spielern wächst.

 „Am idealsten wäre es natürlich, wenn wir eine dauerhafte Kooperation mit einem europäischen Klub eingehen könnten. Damit wäre die Zukunft der Akademie und vor allem der Kinder gesichert – und das ist das Wichtigste. Erste Kontakte sind schon geknüpft. Aber es ist noch viel zu tun.“

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