Gesundheitsprojekt für syrische Flüchtlinge im Libanon

Gesunde Frauen, gesunde Kinder - trotz schwierigster Bedingungen

Im Libanon sind rund 1 Million syrische Flüchtlinge registriert. Die meisten von ihnen leben unter katastrophalen hygienischen Bedingungen. Die Diakonie Katastrophenhilfe hilft.

14.03.2018

Der fehlende Zugang zu Untersuchungen in der Schwangerschaft und die mangelnde Information über Mutter-Kind-Gesundheit haben fatale Folgen für schwangere Frauen und junge Mütter. Menschen auf der Flucht sind davon besonders betroffen.

Aus diesem Grund startete die Diakonie Katastrophenhilfe vor 2 Jahren ein Mutter-Kind Projekt im Libanon.

Mutter-Kind-Gruppe im Flüchtlingslager nahe der syrischen Grenze (Foto: Ben Nausner/Diakonie Katastrophenhilfe)
Mütter erwerben Wissen über Mutter-Kind-Gesundheit und Familienplanung und teilen es mit anderen. (Foto: Ben Nausner/Diakonie Katastrophenhilfe)

Beratung für schwangere Frauen und Mütter

In sogenannten Basisgesundheitszentren und Krankenhäusern, beraten Spezialistinnen schwangere Frauen und junge Mütter mit Neugeborenen. Gleichzeitig stehen diese Expertinnen dem Personal in den Krankenhäusern unterstützend zur Seite.

Ein Blick in das Erfolgsprojekt.

Sarah* freute sich über die Nachricht ihrer Schwangerschaft kurz nach ihrer Heirat im Mai 2017. Die junge Syrerin lebte zu diesem Zeitpunkt bereits seit sieben Jahren im Ort Sawiri im libanesischen West-Bekaa-Gebiet. Doch dann kam Sarahs Baby mit Fehlbildungen zur Welt, und schwere Komplikationen führten nur einen Tag später zum Tod des Kindes. Die junge Frau aufzufangen war nur mithilfe des Netzwerkes möglich, das hier zwischen den Müttern und Expertinnen entstanden war.

Müttergruppe im Lager für syrische Flüchtlinge Foto Ben Nausner/Diakonie Katastrophenhilfe
Die schwierige Situation, in der sich die schwangeren Frauen und jungen Mütter wiederfinden, kann mit einfachen Vorsorge-Maßnahmen verbessert werden. (Foto: Ben Nausner/Diakonie Katastrophenhilfe)

Frauen aus der Gemeinschaft geben ihr Wissen untereinander weiter

In Zusammenarbeit mit der lokalen Partnerorganisation International Orthodox Christian Charities (IOCC) werden Frauen aus der Community zu den Themen Mutter-Kind-Gesundheit und Familienplanung geschult.

Die Mütter organisieren sich in Gruppen und geben ihr neu gewonnenes Wissen an andere betroffene Frauen weiter.

Hilfe für Sarah in ihrem großen Leid

Nachdem Sarah ihr Kind verloren hatte, bekam sie Hilfe von Batoul, sie ist Gesundheitsberaterin bei  IOCC. Mit Hilfe vieler Gespräche, in denen sie n icht nur Trost bekam, sondern auch vieles über ihre Gesundheit lernen konnte, konnte sich Sarah mental und körperlich auf eine neuerliche Schwangerschaft vorbereiten.

“Frauen sollen wissen, was ihr Körper im Fall einer Schwangerschaft braucht. Indem sie Folsäure zu sich nehmen, können sie etwa die Entwicklung von Wirbelsäule und Gehirn des Babys positiv beeinflussen. Vielen geflüchteten Frauen fehlt das Wissen in diesem Bereich. Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe”, erzählt Batoul.

Hilfe zur Selbsthilfe in der Müttergruppe (Foto Ben Nausner/Diakonie Katastrophenhilfe)
Die IOCC-Gesundheitsberaterin gibt Hilfe zur Selbsthilfe (Foto: Ben Nausner/Diakonie Katastrophenhilfe)
Gesundheitskontrolle bei einem Neugeborenen im FLüchtlingslager Sawiri nahe der syrischen Grenze (Foto:Ben Nausner/Diakonie Katastrophenhilfe)
Bei einem Neugeborenen werden Gewicht und Gesundheitszustand kontrolliert (Foto: Ben Nausner/Diakonie Katastrophenhilfe)

Große Wirkung mit einfachen Mitteln

Durch die Zusammenarbeit mit der lokalen Community erzielt das Projekt große Wirkung mit einfachen Mitteln. Unterstützt von einem Team professioneller Hebammen und Gesundheitsexpertinnen wurden vierzehn ortsansässige Frauen ausgewählt und umfangreich geschult. Heute leitet jede von ihnen eine eigene Müttergruppe, in der sie das Wissen weitergeben.

Sarah, die mittlerweile erneut schwanger ist, ist eine von 140 Frauen, die diese Müttergruppen besucht. Ihre Gruppenleiterin Amaa hat einige Schulungen von IOCC besucht und ist jetzt bereit, ihr Wissen mit anderen zu teilen:

“Ich weiß jetzt nicht nur, wie ich die Kolik meines Kindes behandle [...] oder wie ich das Risiko von Komplikationen während und nach der Schwangerschaft verringern kann. Und was ich auch gelernt habe: Ich kann dieses Wissen jetzt auch viel besser weitergeben, und weiß, wie ich das, was ich gelernt habe, nun mit meinen Nachbarn und meiner Familie teilen kann".

*Name auf Wunsch geändert

Wie hilft die Diakonie Katastrophenhilfe im Libanon?

Wie überall auf der Welt arbeitet die Diakonie Katastrophenhilfe auch in Syrien mit lokalen Partnerorganisationen zusammen. Diese kennen das Land, die Sprache und die Kultur und können sich viel besser an ein sich täglich änderndes Konfliktfeld anpassen, als aus dem Ausland entsandte Mitarbeiter*innen.

Unser Partnernetzwerk in Syrien und den Nachbarländern

Unsere beiden Partnerorganisationen* arbeiten seit sieben Jahren vor Ort zusammen. So konnten wichtige fachliche Kompetenzen aufgebaut werden.
Im Syrien-Konflikt ist das besonders wichtig, da es unzählige Konfliktparteien und ständig wechselnde Konfliktlinien gibt. Das führt dazu, dass Menschen teilweise mehrfach vertrieben werden.
Über das Partnernetzwerk ist die Diakonie Katastrophenhilfe in der Lage, die Arbeit täglich an neue Bedingungen und Herausforderungen anzupassen.
(* IOCC (International Orthodox Christian Charity) und GOPA (Greek Orthodox Patriarchate of Antioch and all the East))

Helfen Sie uns helfen!

Um noch mehr Menschen zu erreichen, ist die Diakonie Katastrophenhilfe auf Spenden angewiesen.

Jetzt online spenden!