Von Gott und der Welt

Geburtsort-Lotterie

„Herrschaften! Wir leben an einem der sichersten, reichsten und insgesamt privilegiertesten Plätzen der Welt. Wir haben den Haupttreffer in der Geburtsort-Lotterie gewonnen.“

17.03.2018

Mit diesem Ausruf schlug Andre Heller in seiner Gedenkrede anlässlich des „Anschlusses“ Österreichs an Nazi-Deutschland die Brücke ins Heute.

„Nun müssen wir bereit sein, faire Preise zu bezahlen und permanent etwas abzugeben und mit jenen zu teilen, die etwa von den katastrophalen Umständen in ihren Ländern zur Flucht gezwungen sind.“

Syrische Flüchtlinge im Libanon. Essensverteilung durch eine christliche Gemeinschaftsküche (Foto: Thomas Lohnes/Diakonie Katastrophenhilfe)
Syrische Flüchtlinge im Libanon, Essensverteilung durch eine christliche Gemeinschaftsküche (Foto: Thomas Lohnes/Diakonie Katastrophenhilfe)

Die Privilegien, die uns dieser Zufall, auf der Butterseite der Welt geboren worden zu sein, schenkt, sie bilden auch eine Verpflichtung, so Heller. „Wir müssen dazu beitragen ihnen ein würdevolles Dasein in Frieden, mit gerechtem Einkommen, medizinischer Versorgung, sauberem Wasser und gesunder Nahrung in ihren Heimatregionen zu ermöglichen.“

Gutes zu tun und mit andern zu teilen vergesst nicht; denn solche Opfer gefallen Gott.

Das ist eine einfache Botschaft, wie sie sich auch schon in der Bibel findet: „Gutes zu tun und mit andern zu teilen vergesst nicht; denn solche Opfer gefallen Gott.“

Die Botschaft mag einfach sein, sie zu befolgen ist schwierig. Denn es bedarf der Einsicht, vieles nicht der eigenen Tüchtigkeit zu verdanken, und es bedarf der Bereitschaft zu teilen.

Doch erst diese Einsicht und das Mitgefühl unterscheiden den Menschen vom Untier und schenken Hoffnung, dass das Leben mehr ist als eine Lotterie.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".