Roberta Rastl hat Projekte von Brot für die Welt in Ruanda besucht und berichtet

Ein Sparverein eröffnet ungeahnte Möglichkeiten

Alphonse, Casilda und weitere sechzehn Frauen und Männer bebauen seit einigen Monaten gemeinsam ein Feld, in einem kleinen Dorf am Rande von Muhanga, das brach gelegen hatte.

19.08.2014
Zwei Personen auf einem Feld
Alphonse und Casilda sind Mitglieder einer Versöhungsgruppe, und haben gemeinsam auch einen Sparverein gegründet (Foto: Rastl)

Alphonse, Casilda und weitere sechzehn Frauen und Männer bebauen seit einigen Monaten gemeinsam ein Feld, in einem kleinen Dorf am Rande von Muhanga, das brach gelegen hatte. Langsam beginnt bereits Maniok zu wachsen. Die Bohnenpflanzen zwischen den Maniokbäumchen haben ein paar Blätter. Alphonse, Casilda und die anderen arbeiten langsam aber stetig. Nicht alle von ihnen haben eine Harke. Manche haben schon den ganzen vormittag lang mit ihren Händen gejätet. Jetzt kommen Alphonse, Casilda und die anderen zurück vom Feld und bilden eine lange Reihe.

Sie machen sich auf den Weg ans Ende des Feldes, wo ein Baum angenehmen Schatten spendet. Dort setzen sie sich auf den trockenen Boden, bilden einen Kreis. Sie alle sind müde, es ist Mittag. An ein Mittagessen ist nicht zu denken. Lang ist der Weg zurück zu ihren Häusern. Und heute ist Montag. Es gilt, die wöchentliche Einzahlung in die gemeinsame Sparkasse vorzunehmen.

Menschen sitzen auf der Wiese im Kreis
Die Mitglieder des Sparvereins treffen sich jeden Montag zur Einzahlung ihrer Beiträge (Foto: Rastl)
Ein Mitglied des Sparvereins bekommt seine Harke ausgehändigt
Heute bekommt Alphonse seine lang ersehnte Harke ausgehändigt (Foto: Rastl)
Jetzt in der Trockenzeit treffen wir uns einmal in der Woche, um das gemeinsame Feld zu bearbeiten. Danach machen wir unsere Einzahlung. Das ist wichtig, denn so schaffen wir es, dass jeder von uns sich wichtige Dinge leisten kann. So helfen wir einander, unser Leben zu verbessern

erklärt Casilda das, was hier vor sich geht. - Die Gruppe ist nicht nur als Kooperative organisiert, die gemeinsam Land bewirtschaftet, sondern sie bilden auch einen Spar-Verein. Es geht darum, in den nächsten Monaten gemeinsam Arbeitsgerät zu ersparen. Alphonse hat in der Zwischenzeit kleine Papierschnitzel mit Nummern versehen. Schnell wird klar, dass hier Lose vorbereitet werden. „Wir haben heute nur noch 14 Lose zu ziehen“, erklärt Alphonse. Von den 18 Mitgliedern der Gruppe sind in den letzten Wochen vier bereits ausgelost worden, und haben so ihr Arbeitsgerät, eine Harke, bekommen können.

Wenn es ihnen möglich ist, plant die Gruppe auch weiter zu sparen, wenn alle ihr Arbeitsgerät haben. Es wird als nächstes darum gehen, allen Mitgliedern zu ermöglichen, in die Krankenversicherung für die Familie einzuzahlen. „Danach wollen wir es möglich machen, dass wir kleine Tiere haben können. Lange schon spare ich auf eine Ziege oder ein paar Hühner“, erzählt Casilda, „aber mit dem Sparverein kann ich schon bald eine Ziege bekommen, wenn das Los auf mich fällt“. Mit der Milch oder den Eiern kann sie ihr Haushaltseinkommen wesentlich verbessern.

Wenn ich für meine Kinder Eier kochen kann, werden sie besser lernen können und weniger oft krank sein. Das ist es, was ich mir am meisten wünsche.

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Brot für die Welt heißt Veränderung von sozialen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, damit Menschen in einem gewaltfreien Umfeld selbst für sich sorgen und ein Leben in Recht und Würde führen können.

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