Eine stabile, sichere Bindung ist ein Schutzfaktor für eine gesunde Entwicklung in der frühen Kindheit

Die Signale von Babys verstehen lernen

Die Mum&Baby-Treffs in Linz und Wels sind Orte der Hoffnung. Warum, das beschreiben Sabine und Julia, zwei Mütter, die regelmäßig zu den Treffen kommen.

24.12.2017
Eine Spielrunde im Diakonie Zentrum Spattstraße
Beim Mum&Baby-Talk lernen die Mütter, die Signale ihrer Kinder wahrzunehmen, zu deuten und darauf angemessen zu reagieren.

Sabine ist jung Mama geworden. Ihr quirliger, 11 Monate alter Sohn Markus rutscht gerade von ihrem Schoß auf den Boden, um mit den anderen Kindern zu spielen. Vom roten Teppich aus holt er sich eine Perlenschnur und krabbelt dann schnell wieder zu seiner Mama. Markus hat einen großen Bewegungsdrang, was Sabine als „lästig“ empfindet. Außerdem will er „alles haben und angreifen“.

Beim Baby-Watching wird Sabine mit den anderen Müttern angeleitet, die Kinder aufmerksam und ohne einzugreifen beim Spielen zu beobachten. Beim letzten Treffen wurde das Baby-Watching gefilmt und beim heutigen Treffen wurden diese Videos für jedes Kind einzeln reflektiert. Sabine ist erleichtert, nachdem sie gehört hat, was Kinder in diesem Alter gerne machen. „Ich wusste gar nicht, dass dieses alles haben und angreifen wollen zu einer normalen und gesunden Entwicklung dazugehört. Jetzt bin ich beruhigt. Außerdem habe ich gesehen, dass ich eh viel richtig mache. Der Austausch und die Rückmeldung tun mir gut. Ich fühle mich sehr wohl hier.“ erzählt Sabine.

Viele wissen einfach nicht, was ein Baby oder Kleinkind braucht.
Elisabeth Stumptner und Andrea Brunhofer

Elisabeth Stumptner und Andrea Brunhofer, haben den Mum&Baby-Treff ins Leben gerufen. Sie beschreiben die Situation der Mütter: „Was viele gemeinsam haben, ist das Fehlen eines sozialen Netzes. Das führt zu großer Verunsicherung, weil es keine Gesprächspartner oder Vorbilder gibt. Viele wissen einfach nicht, was ein Baby oder Kleinkind braucht. Nicht wenige der Mütter sind außerdem mit großen Belastungen konfrontiert, weil sie alleinerziehend sind, finanzielle Probleme haben oder Schwierigkeiten in der Partnerschaft viel Energie rauben.“

Mitarbeiterinnen des Diakonie Zentrum Spattstraße
Julia ist eine der Mütter, die bei Mum&Baby-Treff teilnehmen: Ich lerne jedes Mal etwas. "Seit ich hier bin, geht es mir viel besser, und Luisa auch.“

Julia ist eine der alleinerziehenden Frauen hier. Ihre Tochter Luisa ist zweieinhalb Jahre alt und weicht ihrer Mama nicht von der Seite. „Es ist unseren Betreuerinnen nicht egal, wie es uns und unserem Kind geht, wie wir uns fühlen und wie sich unser Kind entwickelt. Deshalb komme ich so gerne. Es tut mir einfach gut hier, weil ich fragen und erzählen kann. Hier hört mir immer jemand zu. Ich lerne jedes Mal etwas. Seit ich hier bin, geht es mir viel besser, und Luisa auch.“

Hier lernen die Mütter, die Signale ihrer Kinder wahrzunehmen, zu deuten und darauf angemessen zu reagieren.

Elisabeth und Andrea sind Expertinnen, wenn es um gelingende Elternschaft geht. Ihren begeisterten Erzählungen ist anzuhören, wie sehr ihnen diese Arbeit am Herzen liegt. „Wir bemuttern die Mütter hier ganz bewusst. Sie bekommen ein gutes Frühstück. Wir gehen auf ihre brennenden Fragen ein. Denn jede Mama will eine gute Mama sein. Die Mütter wollen wissen, was sie machen können, wenn ihr Kind nicht isst oder nicht schläft. Sie wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen, wenn ihr Kind grantig ist oder viel schreit. Hier lernen die Mütter, die Signale ihrer Kinder wahrzunehmen, zu deuten und darauf angemessen zu reagieren. Wir stehen Rede und Antwort und wir stehen gerne auch als Modelle und Vorbilder zur Verfügung.“

Eine stabile, sichere Bindung ist ein Schutzfaktor für eine gesunde Entwicklung in der frühen Kindheit

Gesicherte Rahmenbedingungen für eine gesunde Entwicklung zu schaffen, gelingt nicht immer von alleine. Viele Familien benötigen dabei Unterstützung dabei. Bei den Mum&Baby-Treffs begleiten wir Mütter dabei, die Bedürfnisse und Signale ihrer Kinder von den ersten Lebensmonaten bis zum 3. Lebensjahr zu erkennen, zu verstehen und angemessen darauf zu reagieren. Das Interventionsprogramm baut auf wissenschaftlichen Erkenntnissen der Bindungstheorien auf. Es dient der Entwicklung von Feinfühligkeit und der Stärkung der Eltern-Kind-Bindung von der Schwangerschaft bis zum zweiten/dritten Lebensjahr.

Finanziert werden diese Treffen durch eine Unternehmenskooperation mit der HOFER KG im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitsinitiative „Projekt 2020“.  

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Über die Serie #OrtDerHoffnung

Angst, Neid, Wut und Misstrauen sind die Schlüsselbegriffe, die die derzeitigen öffentlichen Debatten regieren. Wir brauchen eine gesellschaftliche Kraftanstrengung, die den Zusammenhalt in den Vordergrund stellt und nicht den Neid und das gegenseitige Ausspielen von ohnehin benachteiligten Gruppen in der Gesellschaft.

Die Arbeit der Diakonie besteht darin, Angst zu nehmen und Hoffnung zu geben; der Abwertung von Menschen entgegen zu treten und ihre Würde zu bewahren. Mit der Social-Media-Serie #OrtDerHoffnung macht die Diakonie auf Menschen und Projekte aufmerksam, die Lebensqualität, sozialen Zusammenhalt und Solidarität fördern und weiterentwickeln.