Von Gott und der Welt

Die Seele des Roboters

Haben Dinge eine Seele? Angeblich ist es für Japaner leichter, mit Robotern zu kommunizieren. Denn im Shintoismus sind alle Dinge, seien es Blumen, Steine oder Tiere, beseelt.

25.05.2018
Plüschrobbe mit Schnuller (Foto: Ars Electronica Center)
„Paro“ ist ein Tierroboter, der seit 2003 in Japan und Europa in der Therapie, etwa von AlzheimerpatientInnen, eingesetzt wird. (Foto: Ars Electronica Center)

Deshalb ist die Roboter-Robbe Paro, die, wenn man sie streichelt, freudige Laute von sich gibt, den Kopf hebt und verzückt die Augen schließt, in Japan der letzte Hit in der Betreuung von Demenzkranken.

In der christlichen Tradition verbinden wir den Seelenbegriff mit dem Menschen.

In der Bibel ist die Seele so etwas wie der innerste Ausdruck des Menschen. Die Seele freut sich, sie singt, sie ist ermattet oder erquickt. Die Seele ist der Sitz des Gefühls.

So können auch Dinge beseelt sein, mit denen sich ein Gefühl, eine Atmosphäre verbindet. Häuser können beseelt sein, denn Häuser erzählen Geschichten, erzählen das, was Frauen, Männer und Kinder in diesen Häusern erlebt haben.  Sie erzählen Geschichten der Freude und tieftraurige voller Gewalt.

Vielleicht gelingt es den Menschen in Japan besser, die Geschichten, die in einem Gegenstand schlummern, zu imaginieren, um die Seele zu spüren. Auch ein steinerner Zen-Garten erzählt mehr vom Leben des Meisters, der ihn erschuf, als vom Leben der einzelnen Steine. Die Seele der Roboter-Robe Paro wird erst dann zu erahnen sein, wenn sie etwas aus dem Leben ihres Programmierers zu erzählen weiß. Erst dann können wir auch wissen, ob sie uns zur Seelenverwandten werden kann.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".