Von Gott und der Welt

Die Saat der Tränen

Moderatoren im Fernsehen sind es gewohnt ihre Gefühle draußen vor dem Studio zu lassen. US-Moderatorin Rachel Maddow aber brach in Tränen aus, als sie versuchte, eine Meldung über Babys, die von ihren Familien an der Grenze getrennt wurden, vorzulesen. Ihre Gefühle hatten sie übermannt.

23.06.2018
Eine Welt ohne Mitgefühl wäre ein unwirtlicher Ort

Der US-Präsident hatte zuvor angeordnet, Einwanderer, die irregulär die Grenze der USA überschritten hatten, in Haft zunehmen und ihre Kinder in vergitterte Aufnahmelager zu stecken. Donald Trump der Meister der Gefühle, der es versteht wie kaum ein anderer, Gefühle wie Neid, Wut, Frustration oder Ohnmacht zu schüren und für sich zu nutzen, hatte sich mit dieser Maßnahme verschätzt.

Denn ein Gefühl ist stärker als alle Empörung, das Mitgefühl. Gefühle wie Neid oder Wut, sie mögen Schaum vor dem Mund produzieren, aber sie treiben uns nicht die Tränen in die Augen. Das Mitgefühl lässt uns das Leiden anderer spüren.

Wer mit Tränen sät, wird Freuden ernten

Wenn Babys weinen und Kleinkinder nach ihrer Mutter schreien, dann lässt das niemand kalt.

Das Mitgefühl drängt uns dazu zu helfen. Wer das Weinen hört, will trösten und beruhigen. „Wer mit Tränen sät, wird Freuden ernten.“, heißt es im Psalter.

Rachel Maddow hat mit Tränen gesät. Ihr Mitgefühl war stärker als ihre Professionalität. Donald Trump musste sein grausames Dekret zurücknehmen. Noch kein Grund zur Freude, aber zur Hoffnung. Denn eine Welt ohne Mitgefühl wäre ein unwirtlicher Ort.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".