Von Gott und der Welt

Der Teufel als Engel

Das Böse auf einen Blick zu erkennen, das wäre gut. Hätte das Böse zwei Hörner auf dem Kopf und einen Huf, der Teufel wäre jederzeit identifizierbar und bekämpfbar.

05.07.2014
Drei rote Birnen mit aufgemalten Grimassen
Im Alltag ist es nicht so leicht, das Böse gleich zu erkennen.

Es gibt Menschen, die kennen ihre Teufel. Der Reformator Martin Luther hat ja bekanntlich auf der Wartburg in Eisenach mit einem Tintenfass nach ihm geworfen und ihn ansonsten in seinem Gedärm lokalisiert.

Die rund 200 Exorzisten der Vereinigung, die der Vatikan nunmehr offiziell anerkannt hat, werden wohl auch wissen, wo genau der Teufel sich versteckt, wenn sie ihm zu Leibe rücken.

Doch im Alltag ist es nicht so leicht, das Böse gleich zu erkennen. Das wusste schon der Apostel Paulus, wenn er schrieb:

Denn er selbst, der Satan, verstellt sich als Engel des Lichts. Darum ist es nichts Besonderes, wenn sich auch seine Diener verstellen als Diener der Gerechtigkeit
Apostel Paulus

Wenn das Böse und Niederträchtige, das Menschenverachtende und Erniedrigende als Lichtgestalt daherkommt und von Gerechtigkeit und Liebe spricht, dann ist es schwer zu erkennen. Wenn das Böse ohne Hörner und Hufe, sondern im schicken Designeranzug daherkommt, dann muss man genauer auf das schauen, was die glitzernden Worte bewirken, ob sie Menschen erniedrigen und gegeneinander ausspielen, oder ob sie dazu verhelfen, dass Menschen miteinander besser auskommen. Dabei zwischen Gut und Böse unterscheiden zu lernen, das ist die Aufgabe, die sich uns stellt. Da helfen auch die besten Exorzisten wenig.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.