Von Gott und der Welt

Der Pfingstgeist

Es gibt die Sehnsucht nach dem starken Mann – nach dem, der weiß, wo es langgeht und es einem sagt; nach dem, der auf alle Fragen eine Antwort weiß und auf den man sich verlassen kann.

03.06.2017

Für die Jünger und Jüngerinnen Jesu war es ihr Meister – der, der ihnen vorausging, dem sie bereit waren zu folgen.

Doch auf einmal hielt Jesus eine Abschiedsrede, wie sie im Evangelium des Johannes überliefert ist, und er sagte zu ihnen: „Es ist gut für euch, dass ich weggehe!“ Ich weiß schon, ihr werdet traurig sein. Ihr werdet mich vermissen. Ihr werdet um mich weinen. Aber es ist gut, dass ich weggehe. Dann könnt ihr erwachsen werden, euer Leben und das Leben der Kirche in die eigenen Hände nehmen.

Das ist die Botschaft von Pfingsten.

Jesus Freske (Foto: Pixabay)
Jesus tut das, was der „starke Mann“ nie tun würde: Er befreit seine Jünger von der Abhängigkeit von ihm selbst. (Foto: Pixabay)

Jesu Jünger sollen erwachsen werden und selbst ihr Leben in die Hände nehmen. Doch Jesus lässt sie nicht allein. Er sendet ihnen den Heiligen Geist, die Kraft des Geistes, die sie befähigt, selbst in Freiheit zu leben und Verantwortung in der Welt zu übernehmen. Er befähigt sie Verantwortung für einander zu übernehmen und die befreiende Botschaft Jesu in die Welt hinauszutragen.

Jesus tut das, was der „starke Mann“ nie tun würde: Er befreit seine Jünger von der Abhängigkeit von ihm selbst. Auch wenn es oft einfacher erscheint, sich vom starken Mann die Lösung aller Probleme zu erhoffen – die Freiheit ist ein hohes Gut, für das es sich lohnt, sich begeistert einzusetzen.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".