Von Gott und der Welt

Der Name der Mutter

Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit. - Daran denken die Evangelischen am kommenden Ewigkeitssonntag.

25.11.2017
Gräber auf einem Alpenfriedhof

„Ein Jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde“, so steht es im Alten Testament. „Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit.“  Morgen, am Ewigkeitssonntag, ist für uns Evangelische die Zeit des Gedenkens: Wir erinnern uns im Gottesdienst an die Verstorbenen und lesen die Namen der Gemeindemitglieder, die im letzten Jahr gegangen sind.

Auch der Name der Mutter von Julia wird gelesen werden. Und Julia wird wohl auch an die letzten Lebenstage ihrer Mutter denken. „Mama wollte nichts mehr essen. Sie ist immer weniger geworden“, hat mir meine Bekannte erzählt. „Ich hab ihr alles mitgebracht, was sie immer so gern gegessen hat. Iss doch, hab ich zu ihr gesagt. Aber sie wollte einfach nicht mehr. Das war so schwer mit anzusehen. Sie hat gefunden, es ist genug. Mir blieb nur, das zu akzeptieren.“

In einem Gebet, das wahrscheinlich von dem evangelischen Theologen Reinhold Niebuhr stammt, heißt es:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Ich glaube, Gott hat Julias Mutter diese Weisheit geschenkt. Sie hat gewusst, dass das Sterben jetzt seine Zeit hat. Ich hoffe, Gott schenkt Julia die Gelassenheit, das hinzunehmen, wenn sie am Sonntag den Namen ihrer Mutter im Gottesdienst hört.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".