Von Gott und der Welt

Der Erklärer

Die Religion lässt niemand kalt. Die eigene bietet Geborgenheit, fremde Religionen strahlen eine exotische Faszination aus oder wecken Ängste.

02.09.2017
Porträtfoto Wolfgang Slapansky
Wolfgang Slapanskys ruhige Stimme der Aufklärung ist viel zu früh verstummt (Foto: ORF)

Die Religion lässt niemand kalt. Die eigene bietet Geborgenheit, fremde Religionen strahlen eine exotische Faszination aus oder wecken Ängste. Religion ist umstritten: Der Religionsunterricht möge aus den Schulen verbannt werden. Religion sei Privatsache. Sie habe ihren Ort im stillen Kämmerlein.

Zum anderen werden Fragen der Religion immer bedeutsamer. Kaum ein Konflikt weltweit – von den Kriegen im Nahen Osten bis zu den Vertreibungen der muslimischen Rohinga in Myanmar durch von buddhistischen Mönchen aufgestachelte Massen – ist ohne das Verständnis der religiösen Dimension und des Missbrauchs von Religion richtig einzuordnen.

Kaum ein Konflikt weltweit ist ohne das Verständnis der religiösen Dimension und des Missbrauchs von Religion richtig einzuordnen.

Die Welt der Religion ist allerdings unübersichtlich, geprägt von Traditionen, von überliefertem Wissen und alten kulturellen Überkommenheiten. Um sich in dieser Welt zurechtzufinden, die richtigen Wege zu finden, braucht es kundige Pfadfinder, die mit nüchternem Blick Traditionen erklären, kulturelle Deutungsmuster in den richtigen Zusammenhang setzen und das so tun, dass es für alle verständlich wird. Einer der sachkundigsten, liebenswertesten und bescheidensten Führer durch den Dschungel der religiösen Welt, der Religionsjournalist von Ö1 Wolfgang Slapansky, ist in dieser Woche gestorben, viel zu früh. Seine besonnene, ruhige Stimme der Aufklärung wird nicht nur denen fehlen, die ihn persönlich kannten.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".