Von Gott und der Welt

Den Teufel zurück in die Hölle beten!

Alles begann am Fischmarkt in Monrovia, der Hauptstadt von Liberia. Mitten im Bürgerkrieg (2002) versammelten sich dort Frauen, um für den Frieden zu beten. Zuerst waren es wenige, doch immer mehr schlossen sich ihnen an, leicht erkennbar an ihren weißen T-Shirts und weißen Kopftüchern, die zum Symbol ihrer Bewegung wurden.

09.09.2017
Porträt von Leymah Gbowee
Am 30. September kommt Leymah Gbowee nach Wien und wird bei der zentralen Feier des Reformationsjahrs der Evangelischen Kirchen auf dem Rathausplatz sprechen.

Christinnen und Musliminnen beteten gemeinsam. Ihr Wahlspruch: „Pray the devil back to hell!“ „Den Teufel zurück in die Hölle beten!“

Ihr Widerstand war mitten in einem grausamsten Kriege, in dem Morde an der Zivilbevölkerung und Vergewaltigungen an der Tagesordnung waren, gewaltlos aber nicht wirkungslos. Charles Taylor, der damalige Präsident und Kriegstreiber Liberias, wurde letztendlich verhaftet und von einem internationalen Tribunal wegen Kriegsverbrechen zu 50 Jahren Haft verurteilt.

Leymah Gbowee hat diese Gebete der Frauen und ihren Widerstand organisiert. Wie einst Lysistrate im antiken Griechenland, hat sie die Frauen zum Sexstreik aufgerufen, um ihren Männer ins Bewusstsein zu rufen, dass es wichtigeres gibt als Kampf und Zerstörung. Sie hatte Erfolg und erhielt dafür 2011 den Friedensnobelpreis.

Nicht die Angst, nur der Mut bewegt die Welt.

Am 30. September kommt Leymah Gbowee nach Wien und wird bei der zentralen Feier des Reformationsjahrs der Evangelischen Kirchen auf dem Rathausplatz sprechen. Sie wurde als Mutmacherin eingeladen. Denn nicht die Angst, - nur der Mut bewegt die Welt.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".