Es ist eine böse Zeit

Erstellt von Michael Chalupka, am 8. Oktober 2016.
Tags: Syrien, Kolumne - Von Gott und der Welt
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„Darum muss der Kluge zu dieser Zeit schweigen; denn es ist eine böse Zeit“, sagt der Prophet Amos im Alten Testament, als er Klage führt gegen die Mächtigen seiner Zeit, die die Gerechtigkeit mit Füßen getreten, Arme ausgeplündert und Kriege angezettelt haben um ihres vermeintlichen Vorteil wegen.
Porträtfoto Diakonie Direktor Michael Chalupka
Diakonie-Direktor Michael Chalupka (Foto: Luiza Puiu)
Porträtfoto Diakonie Direktor Michael Chalupka
Diakonie-Direktor Michael Chalupka (Foto: Luiza Puiu)
„Darum muss der Kluge zu dieser Zeit schweigen; denn es ist eine böse Zeit“, sagt der Prophet Amos im Alten Testament, als er Klage führt gegen die Mächtigen seiner Zeit, die die Gerechtigkeit mit Füßen getreten, Arme ausgeplündert und Kriege angezettelt haben um ihres vermeintlichen Vorteil wegen.

Es ist Zeit zu schweigen, denn es ist eine böse Zeit. Das hat sich gestern auch die Redaktion des deutschen online-Magazins stern.de gedacht. Einen Tag lang haben sie geschwiegen, keine Meldungen und keine Kommentare gebracht, nur Bilder. Bilder aus Aleppo. Keine sensationsheischenden und blutigen Bilder, sondern Bilder, die den tristen Alltag in der zerbombten Stadt zeigen. Spielende Kinder auf den Resten eines Ringelspiels mitten in den Trümmern. Oder Väter, die mit ihren Kindern auf dem Arm versuchen, vor den Bomben zu fliehen. Angesichts der Ohnmacht, die einen packt, sieht man diese Bilder, kann es einem die Sprache verschlagen und den Atem rauben.

Der Prophet Amos, der in einer ähnlichen Situation gelebt hat, schreibt aber weiter: „Suchet das Gute und nicht das Böse, auf dass ihr leben könnt. Hasst das Böse und liebt das Gute, setzt euch für das Recht ein.“

Suchet das Gute und nicht das Böse, auf dass ihr leben könnt. Hasst das Böse und liebt das Gute, setzt euch für das Recht ein.

Das Schweigen der stern.de-Redaktion ist ein dröhnendes Schweigen. In Wahrheit ein lautloser Aufschrei, der es nicht mehr hinnehmen will, dass die ganze Welt einmal mehr einem Völkermord zusieht und ihn einfach hinnimmt und verstummt angesichts des Dröhnens der Waffen.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".