Von Gott und der Welt

Zwei Frauen

Großes kündigt sich im Kleinen an. Kaum hatte Maria von ihrer Schwangerschaft erfahren, machte sie sich auf, um ihrer Verwandten und besten Freundin davon zu berichten.

15.12.2018

Elisabeth war selbst im sechsten Monat schwanger – unerwartet, denn sie hatte nicht mehr mit einem Kind gerechnet. Elisabeth war die Mutter von Johannes dem Täufer, dem wilden Gesellen, der schon im Mutterleib recht lebhaft war. Als Maria Elisabeth zur Begrüßung um die Hals fiel, „hüpfte das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth wurde vom Heiligen Geist erfüllt.“  „Gesegnet bist Du, unter den Frauen,“ brach es aus ihr heraus.

Das Göttliche ist mitten im Alltag und zeigt sich beim Werden eines Kindes. Einst und jetzt und auch in Zukunft.

Elisabeth hatte verstanden, dass etwas Großes beginnt, dass spannende Zeiten anbrechen, dass nichts so bleiben kann, wie es ist. Sie hat es geahnt, sie erhoffte es in einer Zeit der Unterdrückung durch fremde Besatzungsmächte, in einer Zeit des Hungers und der Not. Sie wusste der Advent hat begonnen, die Zeit der Erwartung des Wunderbaren.

Im kleinen Alltäglichen, der Begegnung zweier armer Frauen vor 2000 Jahren in Palästina, nimmt die Jesusbewegung ihren Anfang. Keine konnte wissen, wie sie weitergehen wird, nichts vom Kreuz, nichts vom Christentum, nichts von der Kirche konnten sie ahnen. Eines aber zeigten ihnen die Wunder ihrer Schwangerschaften, mit denen niemand rechnen konnte: Das Göttliche ist mitten im Alltag und zeigt sich beim Werden eines Kindes. Einst und jetzt und auch in Zukunft.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".