ZIARA schließt Versorgungslücken und verhindert Betreuungsabbrüche

ZIARA – individuelle Betreuung zu Hause

Durch individuelle Betreuung schafft ZIARA die Grundlage für ein selbstbestimmtes und würdevolles Wohnen und Leben für geflüchtete Menschen.

18.06.2020
"Ohne ZIARA wären unsere Klienten wahrscheinlich obdachlos. Sie haben keine Familie oder FreundInnen auf die sie zählen können." Lucia Patusova über ZIARA (Foto: privat).
"Ohne ZIARA wären unsere Klienten wahrscheinlich obdachlos. Sie haben keine Familie oder FreundInnen auf die sie zählen können." Lucia Patusova über ZIARA (Foto: privat).

ZIARA bietet individuelle, sozialpädagogische, medizinische und psychosoziale Betreuung für Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund, die an psychischen Erkrankungen leiden und aufgrund ihres Aufenthaltsstatus keinen Anspruch mehr auf einen Grundversorgungsplatz haben. Wie ZIARA dabei Versorgungslücken schließt und Betreuungsabbrüche verhindert, erzählt Lucia Patusova.

 

Lucia, du arbeitest seit Anfang 2020 bei ZIARA. Kannst du uns einen kurzen Einblick in deine Tätigkeit geben?

Einerseits begleite ich unsere Klienten sozialarbeiterisch. Das heißt, ich helfe ihnen bei Anträgen und bei der Suche von Ausbildungs- oder Arbeitsplätzen. Als ausgebildete Psychologin berate ich sie aber auch psychologisch bzw. vermittle zu psychotherapeutischen Angeboten. Und drittens organisieren wir bei ZIARA das Medikamentenmanagement für die Klienten.

 

Wie nehmen die Bewohner das Angebot an?

Sehr gut. Die Bewohner nehmen alle Termine wahr, was uns zeigt, dass wir die richtigen Angebote setzen. Sie sind nach einer langen Zeit in Quartieren natürlich froh über die eigenen vier Wände. ZIARA kommt aus dem arabischen und heißt übersetzt unter anderem Besuch. Und das machen wir. Wir besuchen 1-2 Mal wöchentlich die Klienten in ihrer eigenen Wohnung. Mittlerweile haben wir auch ein gutes Vertrauensverhältnis zu den Bewohnern aufgebaut.

 

Wie viele Klienten betreut ihr bei ZIARA und wie sind sie untergebracht?

Meine Kollegin und ich betreuen aktuell 5 Bewohner. Sie wohnen in eigenständigen Wohnungen, für die sie Miete bezahlen. Die Wohnungen werden mit einer Grundausstattung für eine befristete Zeit vermietet.

 

Ihr betreut Menschen, die an psychischen Erkrankungen leiden. Kannst du uns den Fall eines Bewohners schildern?

Kassijan* ist Ende 20. Er ist noch ein Teenager, als seine Mutter verstirbt und er alleine mit seinem Vater nach Österreich kommt. Dieser hat hier ein zweites Mal geheiratet. Mit der neuen Frau verstand sich Kassijan nicht besonders gut und auch das Verhältnis zu seinem Vater wurde immer schwieriger. Kurz vor der Matura hat Kassijan das Gymnasium verlassen und ist von Zuhause rausgeflogen. Zu dieser Zeit etwa zeigen sich auch die ersten Symptome seiner psychischen Erkrankung. Er ist immer wieder obdachlos, schläft in Notquartieren. Seit Anfang dieses Jahres wird er von uns betreut. Wir sorgen dafür, dass Kassjians Krankheit gut behandelt wird und er an seinem Ausbildungsprogramm teilnimmt.

 

*Der Name des Bewohners sowie sozio-demografische Daten wurden zum Schutze der Person und ihrer Privatsphäre geändert.