Obdachlosenhilfe

"Wir sind weiter da"

Hilfe für Menschen, die von Armut betroffen sind - auch in Zeiten von Corona.

30.04.2020
Alexander Huber ist Sozialarbeiter im Of(f)'n-Stüberl der Diakonie in Linz.
Alexander Huber: "Es ist wichtig, Perspektiven und Fixpunkte zu schaffen."

Alexander Huber leitet die Sozialarbeit im Of(f)'n-Stüberl* der Diakonie in Linz, einem Zufluchtsort für Menschen in Not. Im Interview erzählt er, wie sich seine Arbeit durch Corona verändert hat, wie er und seine KollegInnen weiter helfen – und warum er mit Skepsis in die Zukunft blickt

 

Wie helft ihr in Zeiten von Corona?

Wir unterstützen nach wie vor Menschen, die von akuter Wohnungslosigkeit betroffen sind. Aber wir mussten unser Angebot etwas einschränken. Menschen, die in einer eigenen Wohnung leben, sollen nur mehr zu uns kommen, um sich Essen oder Spenden zu holen – und dann wieder gehen. Nur so können wir die Vorgaben zum räumlichen Abstandhalten einhalten. Leider.

 

Das Of(f)'n Stüberl ist normalerweise auch ein Ort, an dem man zusammensitzen kann, plaudert, entspannen kann…

Genau. Manche, die zu uns kommen, haben sonst keine sozialen Kontakte. In den ersten Tagen der Corona-Krise war es deswegen nicht nur wichtig, viel zu telefonieren, sondern auch beim Aufbauen von Netzwerken zu helfen. Also: Telefonnummern weitergeben. Damit man sich nicht nur vom Of(f)'n Stüberl kennt, sondern sich auch anrufen kann.

 

Wie ist das jetzt?

Mein Eindruck ist, dass sich manche in der neuen Situation zurechtgefunden haben. Für viele ist es auch wichtig, zu wissen: Sie können uns anrufen und wir werden auch morgen noch da sein und auch in zwei Wochen. Aber Einsamkeit ist weiterhin ein großes Thema.

 

Was bedeute das konkret?

Durch die Einsamkeit tritt bei vielen die psychosoziale Komponente in den Vordergrund. Unsere Gäste sind es gewohnt, bei uns Ansprache und Zuspruch zu bekommen. Wenn du eine psychische Erkrankung hast, und plötzlich diese wichtige Struktur wegbricht, ist das eine große Herausforderung. 

 

Wie helft ihr hier?

Es ist wichtig, Perspektiven und Fixpunkte zu schaffen: Wir telefonieren heute, und morgen kannst du mich auch wieder anrufen. Und wenn es gar nicht mehr geht, dann kannst du auch vorbeikommen. Du kannst nicht mehr einfach so kommen. Aber wir sind weiter da. – Das entlastet oft schon sehr.

 

Hat sich Ihre Aufgabe verändert?

Nicht grundsätzlich. Aber vor Corona war die Verantwortung eine geteilte Verantwortung: Es gab mehrere Anlaufstellen im Großraum Linz, vor allem auch, was psychiatrische Beratung betrifft. Viele Angebote wurden hier quasi komplett eingestellt. Wir arbeiten aber auch gut mit anderen Einrichtungen in der Wohnungslosenhilfe zusammen. Das bedeutet allerdings auch, dass wir sehr flexibel bleiben müssen. Wenn die Notschlafstelle nicht mehr 24 Stunden geöffnet ist, wird es bei uns wieder mehr Anfragen geben - das würde das Abstandhalten wieder erschweren. Deshalb werden wir den Zugang weiterhin einschränken müssen. Kriterien, die sozialarbeiterisch und gesundheitspräventiv Sinn machen, entwickeln wir dafür gerade. Wir müssen also seit Wochen und weiterhin ständig evaluieren, anpassen, umplanen.

 

Wie blicken Sie in die kommenden Wochen?

Ich mache mir Sorgen. Es werden gerade viele Milliarden an staatlichen Hilfen ausgegeben. Das bedeutet auch: Das Geld muss irgendwie zurückgezahlt werden. Und ich vermute, dass das wieder jene Menschen treffen wird, die gerade von der Krise am stärksten betroffen sind. Ich befürchte, dass es Einsparungen im Sozialbereich geben wird. Irgendwann wird es darum gehen, wer für den Schaden aufkommen muss. Dann dürfen wir nicht wieder auf die Menschen vergessen, die auch jetzt besonders belastet sind.

 

* Das Of(f)'n-Stüberl der Diakonie in Linz bietet einen geschützten, warmen Raum ohne Konsumationszwang, wo Menschen angenommen werden, wie sie sind und bietet unter anderem Frühstück für jeden.

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