Wie nehmen Menschen mit Behinderung Abschied vom Leben?

„Wer schenkt heute schon Zeit?“

Gerhild Kapeller ist Mitarbeiterin im Pflegeheim Elim. 2018 hat sie den Lehrgang zur "Hospizbegleitung für Menschen mit Behinderungen" abgeschlossen und engagiert sich seitdem neben ihrer hauptberuflichen Tätigkeit als ehrenamtliche Hospizbegleiterin.

26.10.2019
Zwei Frauen sitzen auf einem Bett im Krankenhaus und umarmen einander.
Da sein, Nähe zulassen, ein Gespür für Menschen haben: darum geht es nicht nur, aber besonders in der Zusammenarbeit mit Menschen mit Behinderung.

Wie nehmen Menschen mit Behinderung Abschied vom Leben?

„Sie haben keine oder wenig Sprache, können sich oft nicht oder nur wenig verbal ausdrücken“, meint Gerhild Kapeller. Da sein, Nähe zulassen, ein Gespür für Menschen haben: darum geht es nicht nur, aber besonders in der Zusammenarbeit mit Menschen mit Behinderung.

"Ich kann mir als ehrenamtliche mehr Zeit lassen"

Auf dem zweiten Bildungsweg hat sich Kapeller zu einer Ausbildung im Bereich Behindertenarbeit entschlossen. Heute arbeitet Kapeller schon seit einigen Jahren in Kärntens erstem Pflegeheim speziell für Menschen im Alter mit geistiger Behinderung. Konzipiert für all jene, die in ihrem bisherigen Lebensumfeld aufgrund gestiegener Pflegebedürftigkeit nicht mehr betreut werden können. Dort ist sie in zweifacher Mission unterwegs. Einerseits als Mitarbeiterin, andererseits als ehrenamtliche Hospizmitbegleiterin. Worin liegen die Unterschiede? „Ich kann mir als Ehrenamtliche mehr Zeit lassen, die Begegnungen in meinem Tempo ablaufen lassen.“

Gibt es ein Rezept, das es einem leichter macht mit schwierigen Situationen umzugehen?

„Ein fixes Rezept im Umgang gibt es nicht. Es ist jedes Mal ein sich Einlassen auf die Situation, ein Vorwagen. Wer schenkt heute schon Zeit? Jedes Mal gilt es neu zu entscheiden: Geht es dieses Mal nur darum, die Hand zu halten, ist es ein Vorhänge wegziehen, um die Sonne hereinfallen zu lassen? Die heute 57Jährige hatte keine Berührungsängste, als sie die ersten BewohnerInnen besucht hat. Trotzdem machen Erfahrung und auch persönliche Nähe die Arbeit mit der Zeit einfacher.

Durch ihre Ausbildung hat sich die Kärntnerin intensiv mit dem eigenen Tod und Leben auseinandergesetzt. „Es war sehr intensiv, mit sich selber zu arbeiten. Heute kann ich offener mit meiner eigenen Endlichkeit umgehen.“ Genauso wichtig wie das Dasein ist aber auch der Rückzug: „Gut auf sich achten ist vor allem bei Ehrenamtlichen wichtig. Diese Möglichkeit, auch einmal Nein zu sagen, habe ich immer und ich nehme sie auch immer wieder wahr, um mit meinen Energien gut Haus zu halten.“