Armut im Alter

Wenn das Mindeste nicht gesichert ist

Jede 10 Person in Österreich ist im Alter armutsgefährdet. Frauen sind davon dreimal häufiger betroffen als Männer. Viele der Betroffenen haben nur eine Mindestpension. 

16.12.2019
Die Reife einer Demokratie erkennt man daran, wie sie mit ihren hilfsbedürftigen und älteren Menschen umgeht." Foto: Ben Nausner
Die Reife einer Demokratie erkennt man daran, wie sie mit ihren hilfsbedürftigen und älteren Menschen umgeht." Foto: Ben Nausner

Monika ist Ende 60. Im Gespräch hat sie ihre Erfahrungen mit uns geteilt. Sie weiß auch, was es an Umdenken braucht, damit alle Menschen am guten Leben teilhaben können. 

"Ich habe keine Kinder, fühle mich ausreichend gebildet, hab lange studiert, habe niemanden zu pflegen und bin heute trotzdem Mindestpensionistin mit Ausgleichszulage", erzählt Monika. "Es wird über Frauenarmut oder Altersarmut oft so geredet, als ob die Ursachen in der mangelnden Bildung, in der Betreuung von Kindern oder der Pflege von Angehörigen lägen. Auf mich trifft das aber alles nicht zu. Und trotzdem trifft es mich."

Monika kommt aus einer Arbeiterfamilie, hat als erstes Familienmitglied einen Maturaabschluss und später ein Studium begonnen. Sie war einige Jahre verheiratet und hatte einen Job als Heimhelferin. Dann musste sie aufhören. Heute nennt sich es "Burn-Out". Das wusste sie aber nicht, als sie aus Erschöpfung kündigte.
"Ich bin dann einige Jahre zu Hause geblieben. Und mit 40 war dann die Trennung. Danach habe ich nur mehr Teilzeitstellen oder befristete Verträge bekommen."

Auf Unterhaltszahlung hat sie verzichtet, weil sie wieder unabhängig sein, und auf eigenen Beinen stehen wollte: „Das hat damals für mich alles gut gepasst. Aber jetzt ist es halt so, dass ich einfach zu wenige Versicherungsjahre habe."

Sie muss mit einem Einkommen von € 885,- auskommen. "Das reicht zum Überleben", sagt Monika, "aber ich muss bei allem sparen". Die Lebensmittel kaufe ich mir in Sozialmärkten. Für Möbel, dringende Reparaturen oder gar einen Urlaub bleibt nichts übrig.“

Armut bedeutet auch: nicht dabei sein können 

"Arm sein" drückt sich nicht nur finanziell aus. Auch die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist dadurch eingeschränkt.

"Ja, mein Freundeskreis hat sich mit der Zeit aufgelöst. Einfach mal so in die Therme fahren oder andere Aktivitäten sind für mich einfach nicht drin. Auch in meine Wohnung will ich niemand mehr einladen, weil ich mich einfach schäme", erzählt Monika.

Dabei kann Armut jede und jeden treffen, und das Risiko, durch das soziale Netz zu fallen, ist in der heutigen Zeit bittere Realität für immer mehr Menschen.

Am Beispiel von armutsgefährdeten Kindern wird dieser Umstand besonders sichtbar: So können Kinder in der Mindestsicherung 22 mal weniger an Sport und Freizeitaktivitäten teilnehmen, 4 mal weniger Feste feiern, 10 mal weniger Einladungen an Freunde stellen, 19 mal weniger an Schulaktivitäten teilnehmen.

Es braucht ein Mindestmaß um angstfrei zu leben

"Dabei ist es ja gar nicht so schwer", meint Monika. "Es wird ja eh so viel Geld für Unsinniges ausgegeben".

"Warum können wir Menschen im Alter nicht ein Mindestmaß an Einkommen ermöglichen, um wirklich angstfrei leben zu können?" - Diese Frage richtet Monika an die Politik.  "Aber irgendwie bin ich desillusioniert. Da passiert ja eh nix."

Dennoch - Mit Menschen darüber zu reden was es heißt von Armut betroffen zu sein will Monika weiterhin. Sie wirkt in zahlreichen Theatergruppen mit und ist vernetzt in verschiedene Arbeitskreise. Ihr nächster Auftritt ist bei einer theatralischen Intervention bei einer Veranstaltung der Wirtschaftskammer: "Das wird sehr spannend. Eigentlich sage ich ja nur einen Satz:

Die Reife einer Demokratie erkennt man daran, wie sie mit ihren hilfsbedürftigen und älteren Menschen umgeht."

Beratung und Soforthilfe in Wien

Die Beratungsstelle der Stadtdiakonie Wien unterstützt Menschen wie Monika, wenn es gar nicht mehr weitergeht. Dafür ist sie aber auf Spenden angewiesen.

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