Nachbarschaftsnetzwerk

"Wenn das alles vorbei ist, gehen wir auf einen Kaffee"

Gabriele Huber baut mit KollegInnen "Salzburg gehört zusammen" auf.

03.04.2020
Gabriele Huber auf ihrem Fahrrad
Die freiwilligen HelferInnen machen vor allem Einkäufe, Postwege und Besorgungen von der Apotheke.

Wie ist die Idee zum Nachbarschaftsnetzwerk "Salzburg gehört zusammen" entstanden?

Uns war schon am Donnerstag, den 12. März, klar: Wir müssen da etwas machen, und zwar schnell. Freitagfrüh haben wir uns mit der Stadt Salzburg abgestimmt – die Stadt war auf der Suche nach einem Partner für eine Hotline für SeniorInnen. Im Laufe des Tages hab ich den Projektentwurf geschrieben, am Abend standen die Strukturen fest. Noch am Wochenende war unser Anmeldeportal online. Am Montag hatten wir schon über 300 Freiwillige.

 

Was mussten Sie dabei berücksichtigen?

Schnelligkeit darf nicht auf Kosten von Datenschutz oder Sicherheit gehen. Das bedeutet: Wir mussten sicherstellen, dass wir eine gute Datenschutzvereinbarung haben, dass wir Checklisten haben für die Menschen, die mitmachen. Wir mussten Hygienestandards festlegen. Wir durften auch nicht vergessen, Sozialversicherungsnummer oder Passnummer abzufragen – es ist ja auch wichtig, dass wir die Menschen gegebenenfalls identifizieren können.

 

Welche Herausforderung war das "Matching", also die Vermittlung zwischen Hilfesuchenden und HelferInnen?

Grundsätzlich haben wir viel Erfahrung in der Freiwilligenarbeit. Aber die Dimension ist hier schon eine andere, deswegen haben wir unsere Arbeit schnell in zwei Bereiche geteilt: Es gibt jetzt eine Matching-Abteilung und eine Abteilung für Freiwilligen-Management.

 

Was macht die Matching-Abteilung?

Menschen, die helfen wollen und Menschen, die Hilfe brauchen, zusammenbringen.

 

Was passiert im Freiwilligen-Management?

Hier werden Freiwilligen-Pools verwaltet und neue Bereiche berücksichtigt, für die wir Freiwillige benötigen. Also zum Beispiel: Wenn mehrere Freiwillige für eine ganz bestimmte Tätigkeiten in der Nachbarschaftshilfe gebraucht werden, dann wählt das Freiwilligen-management eine Gruppe an Leuten aus, die bereit sind, diese Aufgabe zu übernehmen.

 

Was sind die meisten Anfragen?

Einkäufe, Postwege und Besorgungen von der Apotheke.

 

Welche Anfragen werden jetzt häufiger?

Insgesamt werden die Anfragen mehr. Menschen, die vor ein paar Tagen noch selbst einkaufen gegangen sind, tun das jetzt nicht mehr. Dabei geht es nicht nur um ältere Menschen, sondern auch Menschen, die selbst in Bereichen arbeiten, in denen sie viel mit gefährdeten Menschen zu tun haben. Wir merken auch, dass Einsamkeit jetzt stärker zum Thema wird: Es rufen immer mehr Menschen an, die jemanden zum Reden suchen.

 

Was bedeutet das für Ihre Arbeit?

Vor allem, dass wir flexibel sein müssen. Wir sind sehr gut vernetzt, auch mit anderen Hilfsstellen, und haben mittlerweile an die 1.000 Freiwillige, die wir kontaktieren können. Ein Beispiel: Jetzt wird es immer wichtiger werden, dass wir genügend HelferInnen haben, die auch am Wochenende in die Apotheke gehen können – also gehen wir hier aktiv auf unsere Freiwilligen zu. Wir müssen auch damit rechnen, dass es in Zukunft mehr spezielle Anfragen geben wird – etwa dann, wenn mehr und mehr Familien in Quarantäne leben müssen. Hier bereiten wir einen Pool an Freiwilligen vor, die speziell geschult sind.

 

Sie bieten auch Lernbegleitung an…

Ja, das macht unsere Kooperationspartnerin, die Österreichische Hochschülerschaft. Hier haben wir bereits über 100 Lernbegleiter, die beim Lernen zu Hause unterstützen wollen. Es geht eben nicht "nur" darum, Besorgungen zu erledigen.

 

Sie haben Einsamkeit angesprochen. Wie helfen Sie hier?

Mit einem telefonischen Besuchsdienst. Meist läuft das so ab: Jemand ruft an und sagt, dass er oder sie jemanden für einen Einkauf braucht. Wir stellen den Kontakt er. Der Helfer oder die Helferin macht das dann nicht nur einmal, sondern regelmäßig. Nach ein paar Tagen sind wir mit dem Anrufer wieder in Kontakt und merken, dass er oder sie einsam ist. Wir fragen nach und schlagen vor, dass Hilfesuchende/r und HelferIn auch miteinander telefonieren.

 

Es entstehen also auch längerfristige Beziehungen?

Ja! Die HelferInnen und die Hilfesuchenden bleiben häufig in Kontakt. Man geht nicht ein Mal Einkaufen und das war‘s – sondern immer wieder. Manchmal unterhält man sich auch am Telefon. Es entstehen Freundschaften. Ganz ehrlich, damit habe ich in diesem Ausmaß nicht gerechnet. Das macht auch Mut für die Zukunft. Eine ältere Frau hat mir am Telefon erzählt: "Wissen Sie, das ist so schön, wie freundlich die jungen Menschen sind. Wenn das alles vorbei ist, werden wir uns auf alle Fälle treffen. Dann gehen wir auf einen Kaffee."

Gabriele Huber

Gabriele Huber leitet die Stabstelle Freiwilligenarbeit des Diakoniewerks in Salzburg.

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