Ausbildung mit der Diakonie

"Wege sind nicht immer gerade, und das ist gut so"

Der Architekt Martin Albl begleitet Menschen mit Behinderung

10.02.2020
Selfie in Wien: Eine Klientin wollte zu Helene Fischer nach Wien. Auch das ist natürlich machbar.
Selfie in Wien: Eine Klientin wollte zu Helene Fischer nach Wien. Auch das ist natürlich machbar.

Ein Architekt im Bereich Menschen mit Behinderung? Wie kam es dazu?

Wege sind nicht immer gerade, und das ist gut so. Ich profitiere von der Ausbildung zum Architekten natürlich auch heute noch. Ich bereue nichts. Es geht immer um das Leben. Es geht um lebendige Räume. Es geht um Möglichkeiten. Es geht um Kreativität. Es geht um Beziehungen. Es geht um Kultur. Es geht um Freude. Es geht um Ressourcen. Es geht immer um das Verbessern von scheinbar Vorgegebenem.

Was ist heute Ihre Aufgabe?

Ich arbeite bei den mobilen Begleitdiensten. Das sind Assistenzleistung für Menschen mit Beeinträchtigung, welche entweder selbständig oder im familiären Umfeld leben. Meine Arbeit teilt sich auf in Assistenz und Teamleitung. Als Assistent unterstütze ich Menschen bei ihren individuellen Herausforderungen im Alltag. Es geht um Hilfe bei der Körperpflege, Hilfe im Haushalt oder natürlich auch bei der Freizeitgestaltung. Menschen mit Behinderung haben meist kein ausgeprägtes soziales Netzwerk. Als Teamleitung stehen vor allem Gespräche im Vordergrund. Es sind Gespräche mit Kunden, Angehörigen, Kolleginnen und Kollegen und den Mitarbeiterinnen von Behörden. Da der Bereich Mobile Begleitdienste sehr schnell wächst, muss ich immer wieder neue Mitarbeiter suchen und einschulen. Das ist viel Arbeit.

Was macht den Job besonders?

Durch die 1:1 Begleitung ist so viel am Weg zu einer inklusiven Gesellschaft möglich. Als Assistent kann ich mich sehr gut auf die speziellen Situationen einstellen. Es gibt meist eine unmittelbare Rückmeldung vom Kunden. Durch den im Aufbau befindlichen Bereich ist viel Gestaltungsmöglichkeit vorhanden. Immer wieder probieren wir Neues aus.

Warum haben Sie die Ausbildung an der Schule für Sozialbetreuungsberufe gemacht?

Die Schule wurde mir von mehreren Seiten empfohlen. Die SOB steht für mich für praxisorientierte Wissensvermittlung. Im Vordergrund ist immer die innere Haltung. Die Ausbildung war eine gute Vorbereitung auf die Anforderungen meiner täglichen Arbeit.

Was ist von der "Schulzeit" - Ausbildungszeit an der SOB geblieben?

Mir ist die Erinnerung an viele schöne Gespräche mit Lehrern und Mitschülern geblieben. Den Austausch habe ich immer als etwas Bereicherndes empfunden. Geblieben ist mir selbstverständlich auch das Wissen über die vielfältigen Methoden der sozialen Arbeit. Von meinen Praktikumszeiten in sehr unterschiedlichen Bereichen habe ich viel profitiert. Ich habe die Gelegenheit genutzt, viele Betriebe kennenzulernen. So konnte ich mir von überall das Beste mitnehmen.

Von welchen Ausbildungsschritten (Inhalten) profitiert man im Beruf?

Es sind die pädagogischen Konzepte. Es ist der personenzentrierte Ansatz. Es ist das Wissen, das es für vieles Spezialisten gibt, die ich um Rat und Hilfe fragen kann.

Wem würden Sie die Schule empfehlen?

Die Ausbildung kann ich jedem neugierigen, offenen Menschen empfehlen. Da die Schule berufsbegleitend für Erwachsene ist, ist es möglich, aus diversen Berufen quer einzusteigen. Ich halte es für wichtig, genug eigene Lebenserfahrung gemacht zu haben, bevor man anderen Menschen hilft. Dies bringt möglichst viel Normalität und Vielfalt in den Bereich der sozialen Arbeit. Im Team der mobilen Begleitdienste arbeiten ehemalige Baggerfahrer, Elektriker, Stewardessen, Physiker, Fotografinnen und Verkäufer.

Würden Sie die Schule wieder machen?

Für mich ist die Rechnung voll aufgegangen. Ich habe im unmittelbaren Anschluss an meine Schulzeit eine tolle Arbeitsstelle gefunden. Aus diesem Grund würde ich die Schule sofort wieder besuchen.

Text: Hansjörg Szepannek

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