Wie Psychologie im Sonderkrankenhaus gelebt wird

Von Diagnostik bis Einzelbehandlung

Seit mittlerweile zwei Jahren ist Carina Zweiner als Klinische Psychologin im Sonderkrankenhaus für Kinder- und Jugendpsychiatrie (SKH) im Diakonie Zentrum Spattstrasse tätig. Hier stellt sie ihre Aufgaben vor.

25.10.2018
  • Der Zirkuswagen wurde eigens für die Arbeit mit den Kindern umgebaut (Foto Diakonie Zentrum Spattstraße)
    Der Zirkuswagen wurde eigens für die Arbeit mit den Kindern umgebaut (Foto Diakonie Zentrum Spattstraße)
  • Der umgebaute Zirkuswagen im Garten des Sonderkrankenhauses (Foto Diakonie Zentrum Spattstraße)
    Der Zirkuswagen im Garten des Sonderkrankenhauses (Foto Diakonie Zentrum Spattstraße)

Das Diakonie Zentrum Spattstraße, oder kurz gesagt: die Spatti ,war mir zu Beginn meiner Tätigkeit im Sonderkrankenhaus (SKH) nicht neu, denn im Rahmen meines Psychologie-Studiums habe ich Praktika in verschiedenen Bereichen der Spatti (Wàki, Flexible Hilfen, Kaya) absolviert.

Im August 2016 bin ich dann im SKH gelandet. Bis Jänner 2018 absolvierte ich meine praktische Ausbildung zur Klinischen Psychologin unter der fachlichen Anleitung von Andreas Franzwa. Seitdem bin ich als Klinische Psychologin für alle psychologischen Aufgaben im SKH und bei Bedarf auch für die Tagesgruppe im Sinne eines psychologischen Konsiliardienstes für Fragestellungen und diagnostische Abklärungen zuständig.

Carina Zweiner arbeitet als Klinische Psychologin im Sonderkrankenhaus desDiakoniezentrums Spattstraße (Foto privat)
Carina Zweiner arbeitet als Klinische Psychologin am Sonderkrankenhaus des Diakonie Zentrums Spattstraße (Foto privat)

Diagnostik und Evaluation

Meine Aufgaben im SKH sind vielfältig und sehr abwechslungsreich. Grundsätzlich bin ich für alle achtzehn Kinder im Haus zuständig. Innerhalb der klinisch-psychologischen Diagnostik werden die Sichtweisen der Eltern, die Einschätzungen und Beobachtungen des multiprofessionellen Teams und weitere diagnostische Verfahren als Grundlage für eine differenzierte Diagnose herangezogen. Während des Aufenthalts werden die diagnostischen Ergebnisse in regelmäßigen Abständen evaluiert, auch bevor die Kinder ausziehen.

Dass die Diagnostik nicht immer nach Lehrbuch verläuft, sondern individuell an das Kind angepasste Rahmenbedingungen braucht, lässt sich mit einem Beispiel am besten darstellen: Der kleine Moritz soll in einer Diagnostik zur Feststellung der kognitiven Leistungsfähigkeit zehn Rätselaufgaben lösen. Seine großen Unsicherheiten und Ängste stehen ihm dabei aber im Weg und die Diagnostik scheint zum Scheitern verurteilt, weil er verweigert. Erst als sich Moritz im SKH sicher aufgehoben, kindgerecht behandelt und herzlich angenommen fühlt, ist er bereit, seine Fähigkeiten zu zeigen. Dass Moritz für die zehn Rätselaufgaben anstelle von einem Termin dann insgesamt fünf Termine benötigt hat, ist irrelevant, wenn man seinen Stolz und seine Freude über die geschafften Aufgaben sieht.

Bindungsmuster erkennen

Einen weiteren wichtigen diagnostischen Baustein bildet die Erfassung des Bindungsmusters mittels Separation Anxiety Test (SAT). Dieses Verfahren habe ich im Rahmen einer Bildungsreise an die Universität Rostock erlernen und durch supervisorische Begleitung über ein Jahr lang in der praktischen Anwendung professionalisieren dürfen, sodass ich – mittlerweile zertifiziert durch die Universität Rostock – das Bindungsmuster eines Kindes im Grundschulalter korrekt erfassen kann.

Supervision und Beratung

Der SAT bildet eine Grundlage für die Bindungsgeleiteten Interventionen nach Prof. Dr. Henri Julius. Die SozialpädagogInnen des SKH führen diese Interventionen mit Symbolischem Interaktionsspiel mit unseren Kindern im eigens dafür gebauten Zirkuswagen im Garten durch. Dabei stehe ich ihnen supervisorisch zur Seite und werde in weiterer Folge von Prof. Dr. Henri Julius in den regelmäßigen Terminen in der Spatti bei der Supervision der Videos angeleitet.

Psychologische Einzelbehandlung

Neben der Diagnostik und der Beratung der SozialpädagogInnen in den regelmäßigen Teamsitzungen stehe ich je nach Bedarf auch für eine begleitende psychologische Einzelbehandlung der Kinder zur Verfügung. Dieses Angebot ermöglicht es, flexibel auf die Alltagsprobleme und Krisen der Kinder einzugehen.

Ein Beispiel zum Abschluss

Unsere Lernförderin kommt an einem Nachmittag zu mir und bittet mich um Hilfe, da Lena große Angst vor der in zwei Tagen anstehenden Mathematikschularbeit hat. Durch die rasche Vernetzung mit der Lernförderung und der Kindergruppe war es möglich, dass Lena sogar noch am selben und am nächsten Tag zu Einzelgesprächen zu mir kommen konnte, wo wir gemeinsam Strategien erarbeiteten, mit denen sie ihre Angst vor der Schularbeit zumindest kurzfristig etwas verringern konnte.

Die Strategien, die Lena geholfen haben, waren z.B. die Visualisierung eines „Angstmonsters“ sowie die Imagination eines „inneren Helfers“, der ihr bei der Vorstellung des genauen Ablaufs der Schularbeit mit positivem Zuspruch zur Seite stand. Lena war am Ende dieser beiden Stunden sichtlich erleichtert und ging mit einem Lächeln im Gesicht in die Kindergruppe zurück.

Das Lächeln der Kinder bereitet mir viel Freude und macht meine Tätigkeit im SKH zu einer ganz besonderen Aufgabe, bei der mir mit Sicherheit nicht langweilig wird.

Heilpädagogische Kindergruppen im Sonderkrankenhaus für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Diakonie Zentrums Spattstraße

In 3 stationären Heilpädagogischen Kindergruppen betreuen wir jeweils 6 Kinder mit psychosozialen Entwicklungsauffälligkeiten im Alter von 5 - 13 Jahren.

Diese therapeutischen Kleingruppen sind ein soziales und emotionales Lernfeld und ermöglichen es den Kindern, Entwicklungsrückstände aufzuholen.

Zum Alltag und dem Zusammenleben in den Heilpädagogischen Kindergruppen gehören Schule, Lernen, gemeinsame Mahlzeiten, Therapien, Haushaltstätigkeiten und Freizeitgestaltung.

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