Nachbarschaft

Vom "Ich" zum "Wir" – für ein aktiv gelebtes Miteinander

Bettina Oschgan ist Sozialraumkoordinatorin - aber was macht man da eigentlich?

26.05.2020
Bettina Oschgan, Sozialraumkoordinatorin im "Wohnprojekt Viktring" der Diakonie de La Tour (Foto: Diakonie de La Tour)
Bettina Oschgan, Sozialraumkoordinatorin im "Wohnprojekt Viktring" der Diakonie de La Tour (Foto: Diakonie de La Tour)

"Schon bevor die Mieterinnen und Mieter in ihre Wohnungen einziehen, können sie sich bei mir über das Konzept des gemeinschaftlichen Wohnens informieren“, sagt Bettina Oschgan. "So erfahren sie, was das Leben in dieser Wohnhausanlage bedeuten kann, wenn sie es möchten."

Gegenseitiges Kennenlernen und nachbarschaftliches Zusammenleben

Alle sind eingeladen, sich einerseits zu überlegen, was sie brauchen, um sich in der Wohnanlage wohlzufühlen und andererseits, was sie selbst aktiv dazu beitragen können, um ein Lebensumfeld mitzugestalten, in dem man sich wohlfühlen kann. "So bekommen die Menschen Unterstützung aus der Nachbarschaft, die ihnen den Alltag erleichtert und können im Gegenzug selbst etwas anbieten", sagt Oschgan. "Es ist schön, zu sehen, wie hier eine Gemeinschaft entsteht. Anfangs ziehen ganz unterschiedliche Menschen ein, die es sich nicht ausgesucht haben, neben wem sie wohnen. Und plötzlich bilden sich erste Netzwerke, zuerst vielleicht nur zwischen zwei oder drei Nachbarn, und dann kommen immer mehr dazu."

Bettina Oschgan: "Wir sind mit unserer Bücherbox gestartet." (Foto: Gerhard Maurer)
Bettina Oschgan: "Wir sind mit unserer Bücherbox gestartet." (Foto: Diakonie de La Tour)

Räume schaffen für Begegnung und Beziehung

Der Bau des "Wohnprojektes Viktring" ist teilweise abgeschlossen, einige Mieterinnen und Mieter sind bereits eingezogen, an manchen Häusern wird noch gebaut. Die Corona-Krise hat nicht nur den Bau zeitlich verzögert, sondern auch den Arbeitsalltag von Bettina Oschgan beeinflusst. "Gemeinsame Aktivitäten, die den Zusammenhalt und das Miteinander fördern, waren nicht möglich. Der geplante Nachbarschafts-Flohmarkt und ein Garten-Workshop mussten abgesagt werden, aber beides wird – sobald möglich – nachgeholt.

Jetzt fangen wir gerade damit an, die Ideen umzusetzen, die im Rahmen der bestehenden Corona-Maßnahmen erlaubt sind. So haben sich beispielsweise ein paar Mieterinnen wieder zu einer kleinen Nordic-Walking-Gruppe zusammengefunden und wir sind mit unserer Bücherbox gestartet." Als Sozialraumkoordinatorin bietet Bettina Oschgan Informationen an und unterstützt die Vorhaben.

"Meine Arbeit ist für mich erfolgreich, wenn ich merke, dass die Menschen die Plattformen, die ich ihnen zur Verfügung stelle, selbstständig und aktiv nutzen. Eine Kommunikationsplattform ist z. B. unser Schwarzes Brett. Bald soll auch eine Nachbarschafts-App das direkte Kommunizieren zwischen den Mieterinnen und Mietern erleichtern."

Bettina Oschgan
Bettina Oschgan: "Wenn die Menschen merken, dass ich da bin, für sie ein offenes Ohr habe und sie ihre Schwierigkeiten deponieren können, ist der Großteil oft schon erledigt." (Foto: Diakonie de La Tour)

Beratung, Vermittlung und Hilfestellung in sozialen Fragen

"Vieles, was ich tue, ist Entlastung", sagt Bettina Oschgan, "wenn die Menschen merken, dass ich da bin, für sie ein offenes Ohr habe und sie ihre Schwierigkeiten deponieren können, ist der Großteil oft schon erledigt. Manchmal geht es um Nachbarschaftskonflikte, meistens um persönliche Themen in schwierigen Lebenssituationen, wie wir es jetzt auch in der Corona-Krise hatten. Da bin ich oft eine erste Kontaktperson, die bei Bedarf dann an die jeweiligen Beratungsstellen weitervermitteln kann."

"Aber ich bin nicht die Expertin, die sagt: 'Aha, du hast dieses Problem. Dann brauchst du dies und das und das erhältst du von mir.'  - Die Menschen wissen selbst, was sie brauchen. Von mir bekommen sie die Unterstützung, sich das zu organisieren – ohne eine vorgefertigte Lösung von mir übergestülpt zu bekommen."

Nachbarschaft

Wir bringen Menschen zusammen, die sich gegenseitig unterstützen. Gute Nachbarschaft heißt, niemanden alleine lassen. Gute Nachbarschaft heißt, miteinander ins Gespräch kommen.

Die Diakonie engagiert sich in Grätzelinitiativen, sozialraumorientierten Projekte, Nachbarschaftshilfe, Quartier- und Community-Arbeit. Im Mittelpunkt stehen Stärkung und Teilhabe: "Tue alles dafür, dass Menschen können, was sie tun wollen."

Wie gute Nachbarschaft entsteht und wirkt, erzählen wir in den Geschichten hier.