Was brauchen Kinder, damit das neue Schuljahr gelingt?

Schulstart - Zeit der Veränderung

Ein Schulwechsel bringt immer die Chance für Entfaltung, aber es besteht auch die Gefahr, dass was schief geht, und die Lernmotivation schwindet. Johanna Pisecky beschreibt, was am Schulanfang wichtig ist.

02.09.2021
(Foto: Nadja Meister / Diakonie)
(Foto: Nadja Meister / Diakonie)

Der Schulstart steht vor der Tür. Viele werden sich noch an das Gefühl der Aufregung und Vorfreude erinnern. Vielleicht auch an Sorge und Wehmut, wenn ein neues Schuljahr beginnt. Der Wiedereinstieg nach den Sommerferien bedeutet für Kinder und Jugendliche jedes Jahr eine Umstellung. Wenn dann noch ein Schulwechsel hinzukommt, stehen besonders große Veränderungen an.

Und an solchen Übergängen entscheidet sich auch vieles. Die Frage ist: Gelingt es, den neuen Anforderungen gerecht zu werden? Wird man in der neuen Gruppe neuer Mitschüler:innen gut aufgenommen?

In Österreich steht alle 4 Jahre ein Schulwechsel am Programm

Da in Österreich die gemeinsame Pflichtschule bereits nach der 4. Schulstufe endet und Kinder schon mit 10 Jahren vor der Entscheidung: Mittelschule oder Gymnasium stehen, steht damit schon bald nach dem Übergang vom Kindergarten in die Volksschule der nächste Wechsel an. Diese frühe, weitreichende Entscheidung ist, was die Chancengerechtigkeit betrifft, ungünstig.

Früher Schulabbruch ist in Österreich häufig

In Österreich gibt es einen Anteil von 12,7% früher Bildungsabbrecher:innen. Das ist ein Fachbegriff für Jugendliche, die die Schule nach dem 9. Schuljahr abbrechen, keinen Abschluss über die Pflichtschule hinaus haben und sich auch nicht mehr in Ausbildung befinden. In der Oberstufe, also zwischen der 9. und der 12. Schulstufe, verlassen rund ein Drittel der Schüler:innen die Schule, noch bevor sie einen Abschluss haben. Sie beginnen auch keine neue Ausbildung. Besonders oft geschieht das in kaufmännischen Schulen.

Und besonders oft trifft es Jugendliche mit Migrationshintergrund, für die die häufigen Übergänge und Schulentscheidungen besonders schwierig sind. Jeder Bildungsübergang birgt nämlich (neben allen Chancen für Entfaltung und Weiterentwicklung,) immer auch das Risiko für den Verlust von Lernmotivation.

Die Corona-Zeit - besondere Jahre

Die Corona-Pandemie hatte auch auf den Bildungsweg der Kinder und Jugendlichen großen Einfluss. Für rund 3.800 Jugendliche ist zum Beispiel der Übergang von Pflichtschule zur betrieblichen Lehre nicht geglückt. Ein Teil dieser jungen Menschen wurde in der überbetrieblichen Lehre aufgefangen, bei vielen besteht jedoch die Gefahr eines frühen Bildungsabbruchs.

Und dieses Risiko erhöht sich noch einmal, zum Beispiel durch die Unsicherheiten der Corona Pandemie und dem Wechsel von Distance-Learning zum Lernen in der Schule.

Wie können Schulwechsel gelingen?

Kindergärten und Schulen können viel tun, damit die Übergänge gut gelingen. Was hilft, sind sanfte Übergänge zwischen Schultypen oder ein langsamer Schuleintritt. Dafür braucht es die enge Zusammenarbeit der Bildungsinstitutionen, also z.B. Absprachen zwischen Kindergärten und Volksschulen. Auch durch die Einbindung von Organisationen aus der Nachbarschaft, wie der Bücherei, dem Jugendzentrum etc. bekommen Schüler:innen Orientierung im Bildungssystem.

Was den Kleinsten beim Schulstart hilft

Gerade wenn Kinder in den Kindergarten oder in die Volksschule kommen, spielen die Eltern eine wichtige Rolle. Sie können im Idealfall die Aufregung der Kinder abfangen. Statt zu sagen: „Der Ernst des Lebens beginnt“, können Eltern mit ihren Kindern darüber sprechen, auf was sie sich im neuen Kindergarten- oder Schuljahr freuen: zum Beispiel Freund:innen und Lehrer:innen. Kindern macht das Lernen meistens Spaß, auch, wenn es manchmal anstrengend ist, zu üben, Schreiben zu lernen oder ähnliches. Wenn die Freude am Neuen im Mittelpunkt stehen, steht dem gelingenden Schulstart nichts entgegen.

Elternarbeit - Im Zentrum steht das Kind

Ganz wichtig ist auch: Wenn Eltern selbst Vertrauen in die Pädagog:innen und die Institution Kindergarten oder Schule haben, fällt es normalerweise auch den Kindern leichter, dort gut anzukommen. Hier braucht es also Gespräche mit den Eltern und Angebote, in denen sie in ihrer Rolle als Eltern eines Kindergarten- oder Schulkindes gestärkt werden.

Ein Beispiel dafür ist SESAM. SESAM ist ein Projekt der Diakonie, in dem Eltern von Schulanfänger:innen begleitet werden. Dabei werden an Volksschulen Möglichkeiten aufgebaut, damit Eltern miteinander in Kontakt kommen können und die Zusammenarbeit zwischen Schule und Eltern gut gelingt. Alles mit dem Ziel, dass die Kinder gut in der Schule ankommen.

Jugendliche helfen sich gegenseitig

Je älter Kinder und Jugendliche werden, desto wichtiger werden Gleichaltrige oder Freund:innen. Statt bei den Eltern anzusetzen wird es deshalb bei Übergängen nach der Volksschule immer wichtiger, dass sich Jugendliche untereinander austauschen können.

Im englischsprachigen Raum weit verbreitet ist dabei die Methode des „Peer Mentoring“. Dabei unterstützen zum Beispiel Schüler:innen aus der 4. Klasse der Mittelschule als „Buddies“ die neuen Schüler:innen aus der 1. Klasse der Mittelschule im ersten Schuljahr. In regelmäßigen Treffen können die Älteren über ihren Schulwechsel erzählen und so den Schulneulingen beiseite stehen.

Die jüngeren Schüler:innen bekommen dabei die Möglichkeit, einander kennen zu lernen und können sich über ihre Erfahrungen austauschen.

Ein gutes Beispiel sind auch die „de La Tour-Schulen“ der Diakonie in Seiersberg/Steiermark. Hier wird Gemeinschaft groß geschrieben: „Das Assembly“, die Versammlung, bildet den gemeinsamen Start in den Tag. Hier steht das Soziale im Fokus, Geburtstage werden gemeinsam gefeiert, Lieder gesungen oder Denkanstöße angeboten. So ein Rahmen ermöglicht gemeinsames, soziales und emotionales Lernen und erleichtert den Einstieg für neue Schüler und für alle den Wiedereinstieg nach dem Sommer.

Hier gibt´s Tipps

für leichteres Lernen: https://blog.diakonie.at/tipps-fuer-leichteres-lernen