Zivildienst mit der Diakonie

"Schön und herausfordernd"

Zivildienst in einer Kinder- und Jugend-Wohngemeinschaft der Diakonie.

31.05.2020
"Die Kinder und ich, wir reparieren gemeinsam viel. In vielerlei Hinsicht"
"Die Kinder und ich, wir richten gemeinsam viel. In vielerlei Hinsicht"

"Ich arbeite in der WG future, das ist eine Kinder- und Jugend-Wohngemeinschaft der Diakonie in Kärnten. Ich kann mich noch gut an meinen ersten Tag im Zivildienst erinnern. Es war ein schöner Spätsommertag und wir sind in den Tierpark gefahren. Ich war ein wenig unsicher – manche der Kinder sind sehr jung, mussten aber schon viel Schlimmes erleben. Der Kleinste war damals gerade einmal 2 ½. Ich saß im Bus und wusste nicht recht, wie ich mich verhalten soll.

Ein erster Einblick

Dann sind wir angekommen, und kurz nachdem wir ausgestiegen sind, haben mich die Kinder belagert! Ein Kind an meiner rechten Hand, eines an meiner linken, ein anderes ist mir den Rücken hinaufgeklettert… Wir haben dann den ganzen Tag gemeinsam verbracht und hatten sehr viel Spaß.

Als wir zurückgefahren sind, hat sich bei einem der Kinder das viele Ringelspielfahren bemerkbar gemacht: Dem Bub ist so richtig schlecht geworden... Irgendwie hat mir da gleich der erste Tag gezeigt, wie schön und gleichzeitig herausfordernd diese Arbeit ist.

Aus dem Tischlereibereich in die Kinder-WG

Die Arbeit mit Kindern ist für mich neu gewesen – ich komme eigentlich aus dem Tischlerei-Bereich. Ich habe mich bewusst nach etwas Anderem umgesehen, nach einer Ausbildung mit Zukunft. Ehrlich gesagt war meine Entscheidung, hier meinen Zivildienst zu machen, anfangs eher eine praktische.

Die Arbeit in der WG ist ganz anders und schwer mit dem zu vergleichen, was ich früher gemacht habe. Aber ich kann mir vieles von früher zunutze machen. Der Sessel ist kaputt? Kein Problem, das lockere Bein leimen wir. Der Lenker vom Fahrrad ist verdreht? Biegen wir wieder gerade. Die Kette ist rausgerutscht? Kleinigkeit. Die Bremse verstellt? Ich zeig dir, wie wir sie wieder einstellen.

Die Kinder und ich, wir richten gemeinsam viel. In vielerlei Hinsicht.

Hinsetzen und zuhören

Wenn wir dann zusammen basteln, reden wir auch viel miteinander. Das war etwas, was ich schon in meiner Zivi-Zeit gelernt habe: Du kannst vieles mit Reden regeln. Und manchmal braucht es nicht mal das. Hinsetzen und zuhören – oft genügt das schon.

In meinem Arbeitsbereich sind Männer Mangelware. Ich glaube, die Burschen sehen mich auch ein bisschen als Kumpel. Oder sagen wir so: sie erzählen mir andere Dinge als meinen Arbeitskolleginnen. Ich finde es deswegen auch wichtig, dass sich mehr Männer diesen Beruf anschauen.

In den Wald gehen, mit Holz arbeiten, etwas bauen und basteln – all das sind auch gute Möglichkeiten für die Kinder, um mit Wut und Aggressionen umzugehen. Dass ich meine Erfahrung als Tischler einmal so brauchen kann, hätte ich nie gedacht.

Man kann nicht immer alles richtig machen

Ich bin jetzt ehrlich: Manches habe ich mir erst nach einigen Wochen getraut. Das sind vielleicht Kleinigkeiten, aber für mich war es zum Beispiel eine Herausforderung, Windeln zu wechseln. Damit hatte ich davor nie zu tun. Ich hatte irgendwie Angst, etwas falsch zu machen.

Was ich auch gelernt habe, ist, dass man nicht immer alles sofort richtig machen kann, dass man manches einfach nicht gut kann, dass das in Ordnung ist. Und, dass du dich nicht zu ernst nehmen darfst. Ich bin zum Beispiel eine Niete im Kochen. Einmal sollte ich als Zivi mit einem der Buben einen Salat machen. Wir waren beide überfordert damit, aber dann haben wir uns einen Spaß daraus gemacht. Die Blätter haben wir irgendwie gerupft, beim Salatwaschen ist alles nass geworden und die Tomaten haben wir in alle möglichen Formen geschnitten, nur nicht in Würfel. Aber es war lustig! Und der Salat hat uns trotzdem geschmeckt. Oder wahrscheinlich gerade deswegen!

Aus der Unsicherheit in die Begeisterung

Mit Zeit wird aus Unsicherheit manchmal Neugier und Begeisterung. In unserer WG gibt es Rauchmelder. Einmal im Monat piepsen diese laut, zur Kontrolle. Am Anfang waren die Kinder erschrocken. Irgendwann sind sie neugierig geworden: Wo im Gebäude sind eigentlich überall Rauchmelder angebracht? Wann piepsen sie? Und warum eigentlich? Mittlerweile wollen sie die Batterien selber tauschen.

Ich habe nach dem Zivildienst gleich noch ein Freiwilliges Sozialjahr in der WG future gemacht und jetzt mache ich eine Fachausbildung und arbeite hier regulär. Aber auch, wenn man einen anderen beruflichen Weg einschlägt, ist der Zivildienst im Sozialbereich eine gute Sache, weil er dir hilft, herauszufinden, ob dieser Beruf etwas für dich ist."

Patrik Pluch hat seinen Zivildienst mit der Diakonie gemacht.

 

Zivildienst bei der Diakonie

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