Das deutsche Modell als Vorbild für Österreich

#Recht auf Kommunikation: Nehmen wir uns ein Beispiel!

In Österreich sind etwa 63.000 Menschen in ihrer Kommunikation eingeschränkt und brauchen, um sich verständlich machen zu können, technische Hilfsmittel.

24.11.2021

Doch bis heute gibt es keinen Rechtsanspruch auf diese  sogenannten Assistierenden Technologien. - Das bedeutet auch, dass es unzureichende und oft auch gar keine finanzielle Unterstützung von der Krankenkasse oder anderen öffentlichen Stellen gibt, um technische Kommunikations-Hilfen anzuschaffen. Dies stellt Betroffene vor große Herausforderungen, denn Hilfsmittel sind teuer.

Seit 2009 erhalten Betroffene Unterstützung beim VERBUND-Empowerment Fund der Diakonie, der in einzelnen Fällen mit Finanzierungshilfen einspringen kann.

Seit schon über 10 Jahren fordern Diakonie und VERBUND gemeinsam aber auch die Politik auf, diese Finanzierungslücke zu schließen.

Ein Blick in unser Nachbarland Deutschland zeigt, wie es gehen könnte:

So funktioniert es in Deutschland

In Deutschland gibt es – anders als in Österreich – einen im Sozialgesetzbuch verankerten Anspruch auf Assistierende Technologien und Kommunikationsgeräte. Auch der Weg zum benötigten Hilfsmittel ist für die Betroffenen transparent und verständlich geregelt.

Untenstehende Grafik zeigt, wie der Weg von den ersten Gesprächen über den Bedarf bis hin zur Versorgung mit dem Hilfsmittel aussieht.

Wie funktioniert die Versorgung mit Kommunikationshilfen in Deutschland
Wie funktioniert die Versorgung mit Kommunikationshilfen in Deutschland
  • Zuerst wird der Bedarf ermittelt. Die Betroffenen werden von Expert:innen beraten und können verschiedene Kommunikations-Hilfen ausprobieren.
  • Sobald sie das richtige Gerät gefunden haben, erhalten sie eine ärztliche Verordnung und die Kosten werden transparent aufgeschlüsselt. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten je nach Hilfsmittelrichtlinie.
  • Dann bekommt die betroffene Person das Hilfsmittel und kann es verwenden.
  • Der letzte Schritt ist eine Evaluation. Hier wird überprüft, ob das Hilfsmittel den Bedarf erfüllt oder noch einmal angepasst werden muss,. Denn welches Hilfsmittel für wen funktioniert ist sehr individuell!

Und die Kosten sind überschaubar

Oft wird befürchtet, dass mit dem Rechtsanspruch auf die Versorgung mit Hilfsmitteln für die Kommunikation eine Kostenexplosion einhergehen würde. Doch diese Befürchtung hat sich in Deutschland nicht bewahrheitet. Die Kosten für unterstützte Kommunikation machen dort jährlich nur 0,01% der gesamten Gesundheitsausgaben aus.

Wie wäre es in Österreich?

Für Österreich gibt es keine genauen Zahlen. Doch legt man den Anteil an den Gesundheitsausgaben, die in Deutschland anfallen, auf Österreich um, würde ein vergleichbares, flächendeckendes System nur rund 4,42 Millionen Euro ausmachen. 

Im Vergleich dazu:  47 Millionen Euro machten 2020 die Kosten für die Regierungsinserate aus, insgesamt 130 Milliarden Euro machen das Sozialbudget (2020) in Österreich aus.