Mit dem positiven Asylbescheid beginnt die Suche nach den eigenen vier Wänden

Plötzlich auf Wohnungssuche

Mira Darzi* ist 25 Jahre alt, ihr Asylantrag wurde vor Kurzem bewilligt. Sie muss deshalb aus der Grundversorgungswohnung ausziehen. Auch, wenn sie lieber bei ihrer Familie bleiben würde.

19.06.2020
Familie Darzi mit den erwachsenen Kindern, die nun nach der Reihe selbständig leben (Foto: Diakonie Flüchtlingsdienst)
Familie Darzi mit den erwachsenen Kindern, die nun nach der Reihe selbständig leben (Foto: Diakonie Flüchtlingsdienst)

Es ist ein heißer Vormittag im Juni, als wir Familie Darzi besuchen. Die Vorhänge sind zugezogen, so bleibt es in der Wohnung etwas kühler und der Straßenlärm draußen. Mira, die zweitälteste Tochter der Familie, packt gerade für ihren Umzug, der bald bevorsteht.

Seit 2016 wohnt die Familie in einer von LARES Wien betreuten Wohnung am Gürtel in Wien. Viel hat sich seither im Leben der Familie getan. Die Asylverfahren von drei der vier erwachsenen Kinder wurden positiv abgeschlossen. Nach langer Zeit des Wartens waren das zum einen gute Nachrichten. Andererseits heißt es auch, dass sie ausziehen mussten, denn der Anspruch auf einen Platz in der Grundversorgungswohnung fällt mit dem Erhalt des positiven Asylbescheids. So wie für den Sohn Amir vor knapp einem Jahr und jetzt aktuell für Mira.

Berglandschaft statt urbane Welt – Miras Bruder Amir zieht für die Lehre nach Tirol

Amir ist zufällig in Wien zu Besuch, denn er lebt und arbeitet eigentlich in Tirol. Er erzählt uns von seiner schwierigen Arbeitssuche in Wien, hier hat er nur Absagen bekommen. Nach der ersten Bewerbung in Tirol erhielt er dagegen prompt die Zusage zu einer Elektriker-Lehrstelle. In Tirol wohnt er in einem Schulheim – aufgrund der Corona-Bestimmungen hat er im Moment sogar ein Zimmer für sich. Bis sich Amir eingelebt und neue FreundInnen gefunden hat, hat es ein wenig gedauert, wie er uns erzählt:

„Am Anfang war es schwer, ich war alleine und habe die Stadt vermisst!“

Auf die Frage, wie es ihm mit dem Dialekt geht, antwortet er lachend: „Jetzt schon besser, am Anfang hab‘ ich immer gefragt: ‚Entschuldigung, was heißt das?‘“

Mira zieht nur ungern aus

Als Mira den Asylbescheid bekommt, ist die Freude groß. Endlich hatte das Warten auf die Frage, ob sie in Österreich bleiben kann, ein Ende. Der positive Asylbescheid geht aber auch mit der Tatsache einher, dass sie aus der Grundversorgungswohnung ausziehen muss. Und das stellt sie vor einige Probleme.

Mira hat in Afghanistan als Volksschullehrerin gearbeitet. Hier hat sie sich hier für die Ausbildung zur Kindergartenpädagogin beworben. Sie verfügt also noch über kein eigenes Einkommen, um sich eine Wohnung leisten zu können. Ihre Eltern warten noch auf den Asylbescheid und können Mira kaum finanziell unterstützen. Mira weiß, dass es fast unmöglich ist, in ihrer Situation eine Wohnung zu finden. Sie freut sich daher sehr, dass sie bei einer Freundin gegen eine niedrige Miete einziehen kann – auch wenn sie sich dort ein Zimmer mit zwei kleinen Kindern teilen muss.

Mittlerweile ist Mira schon umgezogen und wird ihre Familie so oft wie möglich besuchen. Dazu muss sie zumindest nicht aus Tirol, sondern „nur“ aus dem 19. Wiener Gemeindebezirk anreisen.

So wie Mira müssen viele geflüchtete Menschen nach dem Auszug aus dem Grundversorgungsquartier erstmal bei FreundInnen oder Bekannten unterkommen. Denn am Wohnungsmarkt haben sie kaum eine Chance auf die eigenen vier Wände. Unzureichende finanzielle Rücklagen und Diskriminierungen führen oft dazu, dass sie in betrügerische Hände geraten. Deshalb unterstützt sie die Diakonie bei der erfolgreichen Wohnungssuche und vermittelt leistbaren Wohnraum an geflüchtete Menschen.

*Namen der Personen wurden von der Redaktion geändert

Factbox LARES WIEN

Familie Darzi* wird vom multidisziplinären Team der Einrichtung LARES Wien mobil betreut. Hier wohnen die grundversorgten Menschen in eigenen Wohnungen und erhalten adäquate, hochwertige und regelmäßige Betreuung und Beratung. Es ist die „ideale und würdigste Wohnform für grundversorgte Menschen“, so Alexandra Gröller, Geschäftsführerin Diakonie Flüchtlingsdienst, die es ermöglicht, den „BewohnerInnen so viel Selbstverantwortung und Entscheidungshoheit über ihren Alltag bietet, wie sonst kaum in der Grundversorgung.“

LARES Wien bietet für über 370 Menschen im Asylverfahren ein Zuhause „auf Zeit“ (Jahresbericht 2019). 40 Wohnplätze sind LGBTIQ*-Personen vorbehalten. 

Lares Wien wird vom FSW gefördert.

Würdevolles Wohnen

Bis geflüchtete Menschen nach Österreich kommen, haben sie oft großes Leid erfahren. In den Unterkünften der Diakonie finden sie nach langer Zeit wieder einen sicheren Ort zum Ankommen.