Neue Studie mit konkreten Empfehlungen

Pflegende Angehörige müssen endlich gehört werden!

1,5 Millionen Menschen in Österreich sind vom Thema Pflege und Betreuung direkt betroffen, sei es weil sie pflegebedürftig sind, oder weil sie selbst ihre Angehörigen pflegen und betreuen. Das hat eine neue Studie im Auftrag des Sozialministeriums aufgezeigt.

08.09.2018
Eine Alltagsmanagerin steht mit zwei Seniorinnen in der Küche

JedeR Fünfte hat in Österreich mit Pflege zu tun. Es gibt etwa 455.000 PflegegeldbezieherInnen, etwa 43.000 Kinder, die ihre chronisch kranken Eltern pflegen, und etwa 950.000 erwachsene Personen, die Pflege- und Betreuungsleistungen für ihre Angehörigen übernehmen.

Die Universität Wien hat im Auftrag des Sozialministeriums diese Zahlen erhoben, und hat festgestellt – Angehörigenpflege ist weiblich. Der Anteil der Frauen in der häuslichen Pflege beträgt 73 %.

Meist sind es die Kinder (ebenso Stief- und Schwiegerkinder), die die Betreuungstätigkeiten übernehmen. Mehr als die Hälfte der betreuenden Personen ist bereits selbst in Pension.

Interessant ist auch, dass etwa 46 % der pflegenden Angehörigen Unterstützung durch formelle Dienste bekommen. Das ist weniger als die Hälfte, und zeigt, dass Angehörige nach wie vor auf die Unterstützung des eigenen sozialen Netzes angewiesen sind, bzw. die psychischen und physischen Anforderungen der informellen Pflege alleine meistern müssen.

Angehörige pflegen?

Doch auch pflegende Angehörige müssen gepflegt werden – sie verdienen sich nicht nur Respekt und Anerkennung, sondern ganz konkrete Unterstützung durch Beratung, psychosoziale Begleitung, oder soziale Dienstleistungen wie mobile Dienste.

Ein Ausbau der sozialen Dienste ist dringend geboten, ebenso wie die Vielfältigkeit des Angebots – von mobilen Diensten über Tageszentren bis hin zu Kurzzeit- und Ersatzpflege muss es für Pflegebedürftige und Angehörige Entlastung geben.

Die Studie zur Angehörigenpflege hat ganz konkrete Empfehlungen gebündelt, diese sind:

  • Angehörige als zentrale Gruppe wahrnehmen, wertschätzen und stärken
  • Angebotsvielfalt, flexibel, kurzfristig und stundenweise abrufen können
  • Informationen und Beratung problemzentriert, proaktiv und zum richtigen Zeitpunkt anbieten
  • Ressourcenorientiert Beraten und Begleiten
  • Demenz als zentrale Herausforderung und starke Belastung weiter im Blick haben
  • Situation pflegebedürftiger Kinder stärker berücksichtigen
  • Alternative Betreuungsformen ausbauen
  • Vereinbarkeit von Pflege und Beruf weiter fördern
  • Valorisierung des Pflegegeldes und höhere Zuschüsse für vorhandene Dienste und Hilfsmittel
  • Rahmenbedingungen für geteilte und sichtbare Pflegeverantwortung schaffen

Aber auch im aktuellen Regierungsprogramm findet sich ein ganzes Bündel von Maßnahmen, das helfen soll, weiterhin pflegende Angehörige zu motivieren. Vermehrt soll Unterstützung angeboten werden, durch Ausbau der Angebote für Erholung, psychologische Unterstützung oder Unterweisung in pflegerische Tätigkeiten.

Ein mit-sorgendes Netz

Ein mitsorgendes Netz statt einem ausschließlich versorgenden Netz ist aus Sicht der Diakonie einer der Schlüssel. Unser Blick muss sich stärker auf den Raum zwischen der Privatheit der Familie und den Institutionen mit ihren Kompetenzen der professionellen Pflege und Betreuung richten.

Es geht um Gemeinwesenarbeit, um Sozialräume, die dazwischen entstehen, und um Nachbarschaft. Diese gehört ebenfalls koordiniert und gestaltet, doch der Blick auf den Sozialraum, wo man wohnt, arbeitet, feiert und lebt, lohnt sich.