Offener Brief

Niederösterreichischer Landesverband für Psychotherapie: Streichung der Fördermittel überdenken!

Der niederösterreichische Landesrat hat der Psychotherapieeinrichtung JEFIRA für Menschen mit Fluchterfahrung die lebenswichtige Förderung entzogen. Der Niederösterreichische Landesverband für Psychotherapie fordert: Die geplanten Kürzung bzw. Streichung der Fördermittel überdenken und wieder rückgängig machen. "Dem Land NÖ und seiner Bevölkerung wird es letztendlich zu Gute kommen!"

26.02.2021

Himberg, am 25.2.2021

Sehr geehrte Frau Landeshauptfrau Mikl-Leitner!

Sehr geehrter Herr LR Waldhäusl!

 

"JEFIRA ist das griechische Wort für Brücke. Die TherapeutInnen der Diakonie Einrichtung haben in den letzten 15 Jahren fast 1800 Personen – davon fast 400 Kindern – mit traumatischen Erfahrungen mit 33.000 Stunden Einzelpsychotherapie, Gruppenpsychotherapie und Erstgesprächen geholfen!"

Mit großer Überraschung und Irritation haben wir über die Medien erfahren, dass das Land NÖ gedenkt seine Förderung für den Verein Jefira einzustellen.

 

Wir gehen davon aus, dass sich sämtliche politische VertreterInnen des Landes NÖ für einen effizienten und guten Einsatz der zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen, schließlich sind es öffentliche Steuergelder.

 

Im konkreten Fall der Einrichtung Jefira, die dolmetschgestützte Psychotherapie für Flüchtlinge anbietet, halten wir die finanzielle Unterstützung durch die öffentliche Hand für ganz wesentlich. Diese Einrichtung leistet einen wichtigen und unersetzbaren Beitrag zur Integration von Flüchtlingen. Menschen, die ihren Platz in ihrem Heimatland mit seiner Kultur und seinen Traditionen verlieren, und die in einem fremden Land mit anderer Sprache und anderen Kulturen landen, sind per se schon vulnernabel, erst recht, wenn sie aus einem Land mit Kriegsgeschehnissen flüchten mussten und traumatisierende Erfahrungen gemacht haben. Diese Menschen, insbesondere Kinder und Jugendliche, in ihrem neuen Heimatland allein zu lassen ist aus unserer Sicht der falsche Weg.

 

Sämtliche Traumaforschungen belegen, dass sich schreckliche Erlebnisse in unserem Gehirn einbrennen und nicht einfach von selbst verschwinden, ganz im Gegenteil, dass sie sich festsetzen und chronifizieren. Das bedeutet das Fortbestehen von Unruhezuständen, Ängsten, Panik, Intrusionen (Flashbacks), Schlafstörungen, die sich unbehandelt bis zu paranoiden Psychosen und somatischen Beschwerden auswachsen können. Deshalb ist eine frühzeitige psychotherapeutische Begleitung das Mittel der Wahl, um aus traumatisierten Flüchtlingen integrationswillige und -fähige Menschen zu machen. Das Einsparen von Kosten im Hier und Jetzt erzeugt exponential hohe Kosten in der Zukunft!

 

Jefira mit seiner dolmetschgestützten psychotherapeutischen Behandlung kann etwas in NÖ leisten, was sonst fast niemand kann. Hierzu braucht es speziell geschulte, erfahrene ExpertInnen um kostenintensive spätere Traumafolgestörungen zu verhindern. Wer schnell hilft, hilft doppelt. Rasche Hilfe verkürzt die Behandlung enorm. Jefira kann diesbezüglich auf jahrelange Erfahrung und Expertise zurückgreifen. Wenn dieser Einrichtung die finanzielle Unterstützung entzogen wird, wird ein wesentlicher Baustein für gelingende Integration mutwillig zerstört. Wir ersuchen Sie daher, die geplanten Kürzung bzw Streichung der Fördermittel zu überdenken und wieder rückgängig zu machen. Dem Land NÖ und seiner Bevölkerung wird es letztendlich zu Gute kommen!

 

Maria Werni, MSc
NÖLP-Vorsitzende

Hintergrund:

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