#RechtAufZukunft

Nach der Flucht aus Syrien: Familie vor ungewisser Zukunft

"Hier fühle ich mich zu Hause", sagt der zwölfjährige Samer. Doch für Familie Alkhatib ist der Start in eine gute Zukunft in Österreich schwer

21.06.2021
Symbolbild-Gerhard-Maurer
Geflüchteten Menschen in Österreich wird vieles im Alltag erschwert. Dabei wäre einiges leichter, wenn der Zugang zum Spracherwerb, zu einem Arbeitsplatz, zu einer Ausbildung oder zu sozialen Kontakten besser geregelt wäre. (Symbolfoto: © Gerhard Maurer)

Hadi, Samer und Nour* geben nicht auf, davon zu träumen, worüber sich die meisten von uns keine Gedanken machen müssen. - Die drei Brüder wünschen sich nichts mehr, als nach ihren belastenden, traumatischen Erlebnissen endlich zur Ruhe zu kommen, eine Ausbildung abzuschließen und eine positive Perspektive zu entwickeln. Mittlerweile sind sechs Jahre vergangen, seitdem sie gemeinsam mit ihrem Vater, Malek, vor Krieg und Terror in Syrien nach Österreich flüchteten. Samer, der jüngste der Brüder, war damals gerade einmal sechs Jahre alt. Doch trotz dieser langen Zeitspanne scheint ihre Zukunft noch immer ungewiss. "Wir sind schon so lange hier, richtig ankommen durften wir aber bis jetzt nicht", erzählt der 17-jährige Hadi entmutigt. Er wohnt seit kurzem mit der Familie in einem extra adaptierten Notquartier der Diakonie.

Drohende Obdachlosigkeit – Diakonie unterstützt

"Wenn wir diese Möglichkeit und die Unterstützung von den Diakonie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dort nicht hätten, dann wären wir heute obdachlos auf der Straße", pflichtet ihm sein Vater bei. Die Familie verlor aufgrund mangelnder Berücksichtigung ihres Schutzstatus in der neuen Sozialhilfe und der Kärntner Grundversorgung ihren Wohnplatz und erhält derzeit nur mehr Familienbeihilfe. Es ist die letzte Station einer zermürbenden Odyssee mit vielen unterschiedlichen Aufenthaltsorten in Österreich und Kärnten. Oft fehlte es bei ihren Unterbringungen an wichtiger Infrastruktur, was vieles erschwerte: "Über drei Jahre lebten wir in einer Unterkunft auf fast 1.000 Meter Seehöhe. Da war es sehr einsam, ohne eine Möglichkeit, andere Jugendlichen zu treffen und richtig Deutsch zu lernen oder sich in irgendeiner Form weiterbilden zu können", sagt Hadi über die Hürden, Fuß zu fassen.

Größte Herausforderung: Arbeit und Wohnung

Das Diakonie Notquartier bei Villach sei auch nur eine Übergangslösung, so der Vater, der unter immer größer werdendem Druck steht: "Um den Bleiberecht-Status nicht zu verlieren, müssen wir eine Wohnung finden und dafür brauche ich einen Arbeitsvertrag", erzählt er. Und auch, dass es für seine Söhne fast unmöglich sei, eine Lehrstelle zu bekommen.

Hadi: "Immer wird gesagt, dass die Wirtschaft in vielen Bereichen nach Arbeitskräften sucht, ich würde sehr gerne eine Lehre zum Elektrotechniker machen, aber es gibt keine Firma, die mich unter den jetzigen Voraussetzungen aufnimmt".

Etwas geregelter ist der Alltag von Samer, der in Villach die Neue Mittelschule besucht. Der Zwölfjährige spricht sehr gut Deutsch hat Freunde gefunden, kann mittlerweile Skifahren, spielt gerne Fußball und ausgezeichnet Schach. Die aktuellen Umstände sind auch für ihn belastend. Samer macht sich Sorgen, was passiert, wenn er nicht in Österreich bleiben darf: "Was ist, wenn wir nach Syrien zurückmüssen? Ich spreche Deutsch und kann nicht gut Arabisch. Ich habe Angst davor. Syrien ist für mich fremd, ich bin hier aufgewachsen, hier fühle ich mich zu Hause."

* Alle Namen wurden zum Schutz der vorkommenden Personen geändert.

Recht auf Zukunft!

Die Diakonie setzt sich sowohl im Inland als auch im Ausland für Menschen auf der Flucht ein: https://diakonie.at/recht-auf-zukunft

#RechtAufZukunft