Digitale Lernunterstützung

Mit LIFEtool und Apps durch die Corona-Zeit

Laura und ihre BegleiterInnen auf dem weiteren Weg in ein selbstbewusstes Leben

18.08.2020
"Ich war erst skeptisch, ob es funktionieren würde", erinnert sich Lauras Mutter Birgit.
"Ich war erst skeptisch, ob es funktionieren würde", erinnert sich Lauras Mutter Birgit.

Text: Hansjörg Szepannek

Doppelt schwierig war das Homeschooling für Kinder, die zusätzliche schulische Begleitung brauchten. Das gewohnte Lernen in vertrauter Umgebung fiel weg und damit verbunden auch die zusätzlichen pädagogischen Förderungen. LIFEtool konnte Laura unterstützen.

Laura war in der vierten Volksschulklasse, als sich ihr Schulalltag plötzlich grundlegend änderte. Corona sorgte über Nacht für Homeschooling: Nur mehr Arbeitsblätter, keine direkte Kommunikation mit Lehrerinnen und Lehrern, keine Einzelförderung mehr. Auch für Laura war das eine große Herausforderung. Laura ist mit ihren 11 Jahren nicht nur ein selbstbewusstes, aktives und herzliches Kind, sondern auch ein "Herzkind", wie ihre Mutter sagt. Und deshalb, so schätzt Laura, war sie "mindestens schon 1.000 Mal im Krankenhaus".

Die passende Technologie - und die richtige Begleitung

Die vier Klassen Volksschule hat sie trotzdem sehr gut geschafft. Sie wurde in einigen Fächern nach eigenen Lehrplänen unterrichtet. Als in der Schule eine Hörbeeinträchtigung offensichtlich wurde, gab es nicht nur gut angepasste Hörgeräte sondern auch Begleitung durch eine speziell ausgebildete Pädagogin. Sie unterstützt Kinder, die Einschränkungen in der Lautsprache haben. Hörtraining, Lautbildung, Sprachkompetenz - all dies waren notwendige Zusatzförderungen, die während der Phase des Homeschoolings aber wegfielen.

Was dann gut half, waren nicht nur die Eltern, die beim Lernen und bei den Arbeitsblättern aus der Schule unterstützten, sondern auch Cornelia Pruntsch von der LIFEtool Beratungsstelle in Treffen. Man kannte sich bereits, denn schon für Hörtraining und Sprachkompetenz gab es Unterstützung mit speziellen Trainingsprogrammen am iPad.

"Ich war erst skeptisch, ob es funktionieren würde"

"Für Laura haben wir spezielle Apps herausgesucht. Einerseits Programme für generelle Hör- und Sprachförderung und andererseits Apps, die es Laura ermöglichen, den schulischen Stoff allein zu bearbeiten. Mathematikprogramme sowie Lese- und Rechtschreibprogramme ermöglichten es Laura, gezielt zu Hause zu lernen", so Cornelia Pruntsch. "Gerade im Bereich Hören und Sprache gibt es viele interaktive Programme zum Mithören und Nachsprechen, die motivierend und interaktiv sind, und von den Kindern wie auch von Laura gerne geübt werden.

"Ich war erst skeptisch, ob es funktionieren würde", so Lauras Mutter Birgit. "Aber Laura hat sich intensiv mit den Lernprogrammen auseinandergesetzt. Teilweise hat sie sich viel schwierigere Übungen ausgewählt als gefordert waren. Sie war hoch konzentriert, die Programme waren sehr motivierend und fesselnd und sie hat spielerisch gelernt." Mittlerweile gibt es auch viele Schulbücher in Form von Lernprogrammen am iPad. LIFEtool konnte Laura mit Hilfe eines Leih-iPads dies alles zur Verfügung stellen. So war es für Laura möglich, die Arbeitsblätter am Tablet statt am Papier zu machen. Das war für sie viel leichter. Und so verbrachte Laura die Homeschooling-Zeit nicht nur im Wald, bei ihren Holzpferden und den zahmen Hühnern, sondern auch voller Freude lernend am Tablet.

Begleiter auf dem Weg in ein selbstbewusstes Leben

In Lauras Volksschule werden iPads schon seit ein paar Monaten eingesetzt. Auch das war in der Zeit des von daheim und selbstorganisierten Lernens ein Vorteil. Und es gibt mittlerweile sehr gute Programme für das Dyskalkulie- und Legasthenie-Training. Das Team von LIFEtool erprobt immer wieder neue Programme und kann so mit viel Wissen Kindern, Eltern, Angehörigen und diversen Multiplikatoren beratend zur Seite stehen. Über den Soforthilfefonds Verbund Empowerment Fund der Diakonie ist es auch möglich, bei der Anschaffung von diversen Hilfsmitteln und Programmen finanziell unterstützt zu werden.

Schön war es auf jeden Fall, als die Zeit des Homeschoolings auch für Laura vorbei war. Endlich wieder Schule, Freundinnen, Lehrerinnen und Musik - Lauras Lieblingsgegenstand. Und Einzelförderung. Und mit dem Zeugnis endlich der lang ersehnte Radführerschein. Endlich alleine fahren dürfen - vielleicht sogar in die neue Schule. Das Fahrrad mit dem Schultaschenkorb und ROGER, ein Spezial-Mikrophon für die neuen Lehrer, das direkt mit Lauras Hörgeräten verbunden ist, stehen auf jeden Fall schon bereit. Beides sind wichtige Begleiter auf dem weiteren Weg in ein selbstbewusstes Leben.

#RechtAufKommunikation

In Österreich sind etwa 63.000 Menschen in ihrer Kommunikation eingeschränkt. Doch für Unterstützte Kommunikation gibt es keinen österreichweiten, einheitlichen Rechtsanspruch. Menschen mit Sprachbehinderungen dürfen nicht weiter sprachlos gemacht werden. Die Diakonie fordert einen Rechtsanspruch auf technische Hilfsmittel für Menschen mit Sprachbehinderung. Jeder Mensch hat ein #RechtAufKommunikation!

Gute Schule ist bunt, vielfältig und inklusiv. Sie wird gemeinsam gestaltet. Sie fördert dort, wo Unterstützung gebraucht wird. Sie lässt Stärken wachsen.

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