Interview

Mehr Akutfälle durch Corona

Augenschein im forKIDS Therapiezentrum in Kitzbühel

16.02.2021
Foto: Gerhard Maurer
"Wir begleiten auch in anderen Fachbereichen plötzlich wieder Kinder und Jugendliche, die vor einigen Monaten wunderbar ohne weitere Therapiestunden zurechtgekommen sind." Foto: Gerhard Maurer

Die Anfragen im forKIDS Therapiezentrum in Kitzbühel nehmen seit Monaten zu. Leiterin Judith Völlenkle berichtet über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf ihre jungen Klient*innen:

Frau Völlenkle, wie macht sich die Corona-Pandemie im forKIDS Therapiezentrum bemerkbar?

Judith Völlenkle: Bei uns rufen in den letzten Monaten verstärkt immer mehr Eltern an und erkundigen sich, wo sie Unterstützung bekommen können. Besonders in der Psychologischen Behandlung merken wir einen steigenden Bedarf. Wir sind daher dringend auf der Suche nach Verstärkung für unser Team.

Mit welchen Fragen kommen die Menschen zu Ihnen?

Zugenommen haben die Anrufe wegen akuter Krisen und Suizidgedanken bei Jugendlichen. In den Gesprächen zeigt sich ganz klar, wie sich die Corona-Maßnahmen auf die Psyche vieler junger Menschen auswirken. Wir begleiten auch in anderen Fachbereichen plötzlich wieder Kinder und Jugendliche, die vor einigen Monaten wunderbar ohne weitere Therapiestunden zurechtgekommen sind.

Hilfe im Krisenfall:

Für Menschen in Krisensituationen und ihre Angehörige gibt es Anlaufstellen. Unter www.suizid-praevention.gv.at findest du Notrufnummern und Erste Hilfe bei Suizidgedanken.

Telefonische Hilfe gibt es auch bei:

  • Psychiatrische Soforthilfe (0-24 Uhr): 01/313 30
  • Kriseninterventionszentrum (Mo-Fr 10-17 Uhr): 01/406 95 95, kriseninterventionszentrum.at
  • Rat und Hilfe bei Suizidgefahr 0810/97 71 55
  • Sozialpsychiatrischer Notdienst 01/310 87 79
  • Telefonseelsorge (0-24 Uhr, kostenlos): 142
  • Rat auf Draht (0-24 Uhr, für Kinder & Jugendliche): 147
  • Sorgentelefon für Kinder, Jugendliche und Erwachsene (Mo-Sa 14-18 Uhr, kostenlos): 0800/20 14 40
  • Gesprächs- und Verhaltenstipps: bittelebe.at

Haben Sie ein Beispiel?

Hochsensible Kinder können oft mit Lärm nicht so gut umgehen. Wir üben in der Therapie mit ihnen, wie sie einem normalen Unterricht in der Schule folgen können. Durch die abwechselnden Schulschließungen und Schulöffnungen, den sich oft täglich ändernden Rahmenbedingungen sind sie aber in ihrem Rhythmus durcheinander geraten. Dieser ist für sie wichtig, damit sie mit dem lärmbedingten Stress im Klassenzimmer besser zurechtkommen.

Wie schätzen Sie die kommenden Monate für die Kinder und Jugendlichen ein?

Ich gehe davon aus, dass sich die Corona-Pandemie noch weiter auf Körper und Geist der Kinder und Jugendlichen auswirken wird. Für mich noch nicht ganz so gut abschätzbar sind die langfristigen Folgen von möglichem Bewegungsmangel aufgrund des Lockdowns. Wobei ich sagen muss: die Eltern unserer Therapiekinder und unsere TherapeurInnen sind sehr bemüht, das Beste aus der aktuellen Situation zu machen.

Foto: Diakoniewerk
Judith Völlenkle leitet das forKIDS Therapiezentrum in Kitzbühel (Foto: Diakoniewerk)

Zusammenarbeit von Land, Sozialversicherungen und Diakoniewerk

In Kooperation mit dem Land Tirol und den Sozialversicherungsträgern startete das Diakoniewerk im November 2016 in Kitzbühel das Therapieangebot zur "Integrierten Versorgung von Kindern und Jugendlichen". In der Therapie hat das Diakoniewerk jahrelange Erfahrung. Die Angebote der Therapiezentren des Diakoniewerks sind speziell auf die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen mit Entwicklungsverzögerungen, Wahrnehmungs- und Konzentrationsproblemen oder körperlichen Fehlhaltungen abgestimmt. Die Unterstützung in der Kommunikation und in der sozialen Interaktion sind ebenso Schwerpunkte. 

Therapieplätze ausbauen und Lücken schließen!

Kinder brauchen Hilfe, wenn sie mit ihrem Alltag und mit sich selbst nicht mehr zu Recht kommen.

Es gibt zu wenig kostenfreie Therapieplätze oder elendslange Wartezeiten.

Die Diakonie fordert: Lücke schließen. Therapieplätze für Kinder ausbauen.

www.diakonie.at/corona-kinder-unter-druck

#Kindergesundheit