JUNO

"Kleinigkeiten, die eine große Wirkung haben."

Ostern in einer Notschlafstelle für Jugendliche.

11.04.2020
Plaudern, Spazierengehen, Ostereierfärben: Es sind jetzt so oft die Kleinigkeiten, die eine große Wirkung haben.“
"Plaudern, Spazierengehen, Ostereierfärben: Es sind jetzt so oft die Kleinigkeiten, die eine große Wirkung haben."

"Die JUNO ist eine Notschlafstelle für Jugendliche in Kärnten. Wir haben jetzt auf Dauerbetrieb umgestellt, haben also 24 Stunden am Tag offen. Und wir sind immer telefonisch erreichbar. Also auch für alle, die jetzt zu Hause wohnen.

Manche haben eine ganz kleine, renovierungsbedürftige Wohnung, meist ohne Küche und Heizung. Einige wohnen bei ihren Eltern. Und viele wohnen jetzt in Wohngemeinschaften.

Ein Dach über dem Kopf ist wichtig, besonders jetzt. Aber viele der Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind zu Hause mit Gewalt konfrontiert. Jetzt noch mehr als sonst.

Wir versuchen, in Beratungsgesprächen zu deeskalieren, den Druck zu nehmen, Lösungen zu zeigen, abzulenken.

Manche sind auch einsam. Einsam ist vielleicht das falsche Wort: Sie brauchen sozialen Kontakt. Wenn sie den ganzen Tag alleine sind, rücken ihre Probleme in den Vordergrund. Viele der Jugendlichen haben eine psychische Belastung. Isolation ist für fast jeden Menschen hart. Aber ein gesunder Mensch hält das eine Zeit lang aus. Wer nicht gesund ist, kommt hier schneller an eine Grenze.

Andere kommen mit der Isolation ganz gut zurecht und holen sich von uns vor allem Informationen: Wo bekomme ich jetzt Lebensmittel her? Wie erreiche ich diese und jene Beratungsstelle?

Die jungen Menschen, die zu uns kommen, sind Überlebenskünstler. Sie kennen Krisen. Sie sind mit Krisen aufgewachsen. Das gibt ihnen jetzt auch eine gewisse Stärke. Aber an den Umständen ändert es nichts.

Für uns hat sich der Arbeitsalltag stark verändert: Wir arbeiten jetzt auch pädagogisch, stehen gemeinsam auf, kochen Mittagessen, Abendessen, haben Lernstunden, wo wir für Tests in der Schule lernen. Wir setzten uns in Runden zusammen und reden miteinander. Über Probleme, Ängste, Beziehungen, über alles Mögliche.

Die Jugendlichen, die jetzt bei uns wohnen, haben niemanden. Keine Familie, keine anderen Bezugspersonen. Einer ist in Afghanistan geboren und hat in Österreich keinen einzigen Verwandten. Er steht alleine da… Da bin ich dann nicht nur Pädagogin und Sozialarbeiterin. Da bin ich jetzt mehr. Mit wem telefonieren Sie, wenn Sie jetzt reden möchten oder Rat brauchen? Vielleicht rufen Sie Ihre Schwester an oder Ihren Vater. Unsere Jugendlichen können das meist nicht, sie rufen mich an.

Ganz wichtig ist, dass die jungen Menschen hinaus können. Wir haben gemeinsam Zeiten festgelegt, wo wir Spazieren gehen, laufen, mit dem Rad fahren.

Das sind dann die Momente, wo der Druck plötzlich weg ist, wo die Normalität wieder da ist.

Deswegen ist es auch so wichtig, dass wir uns jetzt auf Ostern vorbereiten. Morgen färben wir Eier. Es wird gebastelt. Und natürlich wird es für alle Osternester geben! So, als wäre Corona nicht. Diese Momente der Normalität sind ganz wichtig: Sie lassen alles andere vergessen. Man freut sich, ist entspannter. 

Plaudern, Spazierengehen, Ostereierfärben: Es sind jetzt so oft die Kleinigkeiten, die eine große Wirkung haben."

- Marie Danko, Teamleitung der JUNO der Diakonie in Kärnten.

Die Diakonie hat einen Corona Hilfsfonds eingerichtet und bittet um Spenden:

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Passen wir aufeinander auf und lassen wir niemanden allein!

#TeamHoffnungsträger