Während die einen auf Weihnachten warten und Geschenke kaufen, haben andere mit Kälte und Armut zu kämpfen

Kälte, Armut und Einsamkeit im Winter

Für viele Menschen ist die Zeit um Weihnachten besonders belastend. Denn nicht jeder kann sich Geschenke, Geborgenheit und Vorfreude leisten. Und auf die weihnachtliche Großzügigkeit folgt allzu schnell die alltägliche Gleichgültigkeit.

18.12.2019
"Ein kleiner Schubser genügt. Dann fällt man." Foto: Nadja Meister
"Ein kleiner Schubser genügt. Dann fällt man." Foto: Nadja Meister

Teure Autos, Golf-Ausflüge, gut funktionierende Gastronomie-Betriebe. In seinem alten Leben geht es dem Unternehmer Manfred F. gut – allerdings nur finanziell. Er muss sich eingestehen, dass es so nicht weitergehen kann. Manfred flüchtet. Vor seinem alten Leben, vor einem sicheren Burnout und vor sich selbst: ins Kloster. Heute, rund sieben Jahre später, studiert der 51-Jährige Soziale Arbeit an der FH. Er arbeitet für die Arbeitsgemeinschaft ARGE für Obdachlose. Und er blickt auf mehrere schlechte Wohnverhältnisse, Zeiten mit sehr wenig Geld und Nächte in der Notschlafstelle zurück.

"Ich konnte es mir leisten, präpotent zu sein."

"In meinem vorherigen Leben war ich ein erfolgreiches, überhebliches Arschloch", sagt Manfred. Selbst heute müsse er sich noch bei manchen Freunden und Bekannten von damals entschuldigen. Er sei auch sehr überheblich gewesen. "Ich konnte es mir leisten, präpotent zu sein."

Die Jahre im Kloster haben auch seinen Blick aufs Geld verändert. Früher kaufte er sich einfach, was er haben wollte. Kaffeetrinken, ein Bisschen bummeln – schnell waren 100 Euro weg. Jetzt sagt er: "100 Euro können richtig viel Geld sein."

Das Of(f)'n-Stüberl: Gutes Frühstück und gute Gespräche

Nach dem Kloster steht für Manfred fest: Er will nicht zurück in sein altes Leben. Keine 80-Stunden-Woche mehr. Kein Golfplatz. Kein überhebliches Arschloch mehr sein. Das bedeutet auch: Kein fixer Job. Keine Wohnung. Kein Geld. Manfred sucht Hilfe und Unterkunft, unter anderem im Of(f)'n-Stüberl der Diakonie in Linz. "Das Of(f)'n-Stüberl ist vor allem ein offener Raum", sagt er. "Man bekommt ein gutes Frühstück und kann mit anderen gut ins Gespräch kommen."

"Dann fällt man."

Heute ist Manfred auch Betroffenen-Vertreter. Er weiß aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, von Armut und Obdachlosigkeit betroffen zu sein. Die meisten Menschen entscheiden sich nicht für ein Leben mit wenig Geld und ohne feste Unterkunft – sie werden von einem Tag auf den anderen in ein solches geworfen.

"Jetzt gerade", sagt Manfred und nimmt einen Schluck von seinem Kaffee, "stehen ganz viele Menschen in Österreich hier…"

Er schlägt mit der Hand auf die Tischkante.

"Ein kleiner Schubser genügt."

Vielleicht ist es eine plötzliche Krankheit. Vielleicht die Scheidung. Oder ein Todesfall. Vielleicht auch "nur" eine unerwartete Rechnung.

"Dann fällt man."

"Viele hoffen auf ein kleines Wunder"

Gerade die Weihnachtszeit ist für viele Menschen hart. Man wird an das erinnert, was man nicht mehr hat. "Du denkst an dein altes Leben. An die Familie", sagt Manfred. "Und dann wird dir bewusst, dass du unter Fremden bist." Und noch etwas mache den Advent zu einer herausfordernden Zeit für Menschen, die in Armut leben. Der Heilige Abend sei voller magischer Momente. In der Erinnerung, in Erzählungen – und in der Erwartung. "Viele hoffen auf ein kleines Wunder", sagt Manfred. Umso schlimmer ist es, wenn es nach dem 24. Dezember nicht besser wird.

"Zur Weihnachtszeit herrscht eine andere Stimmung", sagt Manfred. "Und dann ist wieder alles wie vorher."

 

Beratung und Hilfe in Linz

Das Of(f)’n-Stüberl der Stadt-Diakonie Linz unterstützt Menschen, wenn es gar nicht mehr weitergeht. Mit Wärme, Essen und Beratung. Dafür ist sie aber auf Spenden angewiesen.

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