Integrationsklassen für die Oberstufe

„In der Vielfalt können alle voneinander lernen“

SchülerInnen und LehrerInnen geben einen Einblick in die Integrationsklassen der Oberstufe im Evangelischen Realgymnasium Donaustadt.

23.12.2018

Von Karin Brandstötter

„Vorher, in der Volksschule, hatte ich keine gute Zeit. Aber hier wird auf alle Rücksicht genommen, da hat das Lernen sogar angefangen Spaß zu machen.“ Maya geht in die 6. Klasse des Evangelischen Realgymnasiums Donaustadt. Sie hat Dyskalkulie und hat auch die Unterstufe in der Integrationsklasse besucht. Im Klassenverband fühlt sie sich sehr wohl.

Im Realgymnasium der Diakonie gibt es für SchülerInnen aus Integrationsklassen aber einen Ort der Hoffnung, denn dort wird in einem gemeinsamen Projekt mit der Evangelischen Mittelschule am Karlsplatz die Möglichkeit geboten, die Oberstufe im Klassenverband weiter zu besuchen. Die Integrationsschüler*innen werden – wo möglich – nach dem Lehrplan des Oberstufenrealgymnasiums unterrichtet.

„In den Integrationsklassen stellt ein angstfreies Konzept den Menschen in den Mittelpunkt. In der Vielfalt können alle voneinander lernen.“, so Laura Riefenthaler, die Sonderpädagogin, die die Integrationsklassen aufgebaut und die integrative Oberstufe initiiert hat.

In der Vielfalt können alle voneinander lernen
Laura Riefenthaler, Sonderpädagogin

Ein besonderer Fokus liegt in diesen Klassen auf der Persönlichkeitsbildung und den Stärken der SchülerInnen. Daher sind Praktika ein wesentlicher Teil des Unterrichts: die SchülerInnen können so ihre eigenen Vorlieben und Stärken besser einschätzen oder manchmal sogar erst kennenlernen.

Maya ist sehr an Kunst und Sprachen interessiert und hat auch schon einige Praktika in der Schule absolviert: da unterstützt sie zum Beispiel IntegrationsschülerInnen in der Unterstufe beim Offenen Lernen, oder begleitet sie beim Schulschikurs.

Zu sich selbst stehen und den eigenen Weg finden

Gemeinsam mit Laura Riefenthaler bestreitet sie auch immer wieder Vorträge zum Thema „Integrationsklasse in der Oberstufe“. Maya spricht nicht so gern vor vielen Menschen, aber gemeinsam mit ihrer Lehrerin konnte sie schon viele Menschen für die Idee dieser Schulform interessieren. „In unserer Klasse verstehen wir uns gut, es wird für alle gesorgt und niemand ist eingeschränkt, weil man mitbestimmen kann, wie der eigene Weg aussieht.“ so Maya.

Nach dem Schulabschluss möchte sie gerne mit Menschen arbeiten – und das am besten mit Kunst verbinden. Was die Zukunft bringt, davon lässt sie sich gern positiv überraschen.

Vorzeigeprojekt: Integrationsklassen für die Oberstufe

Integrationsklassen sind ein bedeutender Schritt in Richtung Inklusion und Integration. Allerdings ist es damit nach dem Ende der Schulpflicht vorbei, denn diese Klassen werden nur bis zur 9. Schulstufe geführt. Das bedeutet für Schüler*innen mit einer Lernschwäche, die eine inklusive Unterstufe besuchen konnten, das Ende der schulischen Bildung mit 15 Jahren. Während sich Mitschüler*innen über ihre weitere Ausbildung Gedanken machen, gehören diese Jugendlichen dann plötzlich nicht mehr dazu.

Ihr Klassenkollege Moritz ist kein Integrationsschüler und besucht die I-Klasse sehr gerne. „Wenn ich Unterstützung brauche, bekomme ich sie auch – das ist schon super. Sonst gibt es kaum Unterschiede zu den „normalen“ Klassen, die ich früher besucht habe. Oder doch – die Leute in meiner Klasse sind sehr hilfsbereit und unterstützend.“

Im ERG Donaustadt und besonders in den Integrationsklassen werden Brücken zwischen SchülerInnen und LehrerInnen gebaut. Zu sich selbst stehen und den eigenen Weg finden, das soll den Jugendlichen mitgegeben werden. So meint Laura Riefenthaler: „Bildung ist für sehr viele Lebensbereiche eine entscheidende Grundlage, auch dafür, selbstbewusst den eigenen Weg zu finden.“

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Über die Serie #OrtDerHoffnung

Angst, Neid, Wut und Misstrauen sind die Schlüsselbegriffe, die die derzeitigen öffentlichen Debatten regieren. Wir brauchen eine gesellschaftliche Kraftanstrengung, die den Zusammenhalt in den Vordergrund stellt und nicht den Neid und das gegenseitige Ausspielen von ohnehin benachteiligten Gruppen in der Gesellschaft.

Die Arbeit der Diakonie besteht darin, Angst zu nehmen und Hoffnung zu geben; der Abwertung von Menschen entgegen zu treten und ihre Würde zu bewahren. Mit der Social-Media-Serie #OrtDerHoffnung macht die Diakonie auf Menschen und Projekte aufmerksam, die Lebensqualität, sozialen Zusammenhalt und Solidarität fördern und weiterentwickeln.