Aus der Druckvorstufe in den Sozialbereich

"Ich wollte mit Menschen arbeiten"

Klement Wurmitzer hat eine Ausbildung mit der Diakonie gemacht

20.01.2020
Eine Gruppe von vier Menschen. Klement Wurmitzer (zweiter von links) "Wer Menschen in ihrer Einzigartigkeit und mit all ihren individuellen Bedürfnissen wahrnehmen kann, ist hier schon gut aufgehoben."  (Foto: © Gerhard Maurer)
Klement Wurmitzer (zweiter von links): "Wer Menschen in ihrer Einzigartigkeit und mit all ihren individuellen Bedürfnissen wahrnehmen kann, ist hier schon gut aufgehoben." (Foto: © Gerhard Maurer)

Rege Betriebsamkeit herrscht in den Räumen der Werkstätte papier:creativ der Diakonie de La Tour am Campus:Inklusiv in Waiern. Es werden Papiere zugeschnitten, gefalzt, sortiert und kuvertiert, es wird geplaudert und gelacht. Sechs Menschen mit Behinderungen arbeiten hier. Begleitet werden sie in ihrem Arbeitsalltag von Klement Wurmitzer. Vor einem Jahr, als 43-jähriger, hat er die Schule für Sozialbetreuungsberufe (SOB) Waiern der Diakonie abgeschlossen. Sechs Semester lang besuchte er an eineinhalb Tagen pro Woche die Schule. Während der Ausbildung absolvierte er schon bei der Diakonie ein Langzeitpraktikum.

Zum Abschluss als Fachsozialbetreuer nach zwei Jahren kam bei ihm noch die einjährige Diplomausbildung hinzu. So wurde er Diplomsozialbetreuer im Bereich Behindertenbegleitung. "In diesem Ausbildungsschwerpunkt nimmt die pädagogische Arbeit einen hohen Stellenwert ein" so Wurmitzer, "deshalb hab ich mich dafür entschieden."

Wunschberuf im Sozialbereich
Aber wie kam es überhaupt zum Wechsel in den Sozialbereich? "Ich bin ausgebildeter Typografiker und habe 20 Jahre lang in der Druckvorstufe gearbeitet", so Wurmitzer. "Diesen Beruf musste ich aufgrund von Belastungen durch Chemikalien in der Druckerei aufgeben. "Ich wollte nicht nur 'für Menschen' arbeiten sondern 'mit Menschen' arbeiten – deshalb habe ich mich dann auch für eine Ausbildung in diesem Bereich entschieden", so Wurmitzer.

Wie war es, wieder in die Schule zu gehen?
"Ehrlich gesagt – die Vorstellung, nach über 20 Jahren für meine Leistung wieder nach Noten beurteilt zu werden, war für mich sehr befremdlich. Aber das hat sich schnell zum Positiven geändert. Die SOB hatte einen guten und ermutigenden Zugang zu uns Studierenden – es hat von Anfang an 'gemenschelt'. Erstaunt war ich, wie gut die Klassengemeinschaft trotz des hohen Altersunterschiedes (18 bis 56 Jahre) der Studierenden gelangt. Es war ein herzliches und respektvolles Miteinander."

Was waren Highlights in der Berufsausbildung an der SOB?
"Erlerntes aus dem Unterricht gleich in den vielen Praxisstunden in der Beschäftigungs-Werkstätte umzusetzen. Das Highlight für mich war, als ich merkte, ich kann mein Fachwissen aus meinen früheren Beruf zu 100% miteinfließen lassen. So entstanden schon während der Ausbildung sinnstiftende Produkte gemeinsam mit Menschen mit Behinderungen."

Was zeichnet ihren Sozialberuf heute aus?
"Beschäftigungsmöglichkeiten für jene Menschen, die wir hier begleiten, sollen sinnstiftend sein und Spaß machen. Wir adaptieren z.B. unsere Arbeitsgeräte so, dass sie von unseren Klienten auch bedient werden können. So schaffen wir für Menschen mit Behinderungen einen erfüllenden Arbeitsplatz, in dem sie auch von KundInnen und KollegInnen Anerkennung erfahren. Es ist schön, wenn man sieht, dass unsere Bemühungen erfolgreich sind."

Wem würdest du einen Einstieg in die SOB und in den Sozialbereich empfehlen?
"Wer Menschen in ihrer Einzigartigkeit und mit all ihren individuellen Bedürfnissen wahrnehmen kann, ist hier schon gut aufgehoben."

Text: Hansjörg Szepannek

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