Sozialpädagogin aus Leidenschaft

"Ich mache viel nach und mit Gefühl"

Wenn Lernbetreuerin Hannah Höfler mit einem Kind lernt, steht nicht die Schule im Mittelpunkt, sondern das Kind

22.01.2020
Hannah Höfler beim Häckeln, rechts im Bild. Schülerin von hintenund unscharf beim Lernen, links im Bild.
Eine Spezialität von Hannah ist das Häkeln von kleinen Figuren oder Tieren, während die Kinder ihre Aufgaben lösen - das schafft eine entspannte Atmosphäre.

Autorin: Michaela Greil

Hannah Höfler (25) ist Volksschul-Lehrerin und Sozialpädagogin. Im Sonderkrankenhaus für Kinder und Jugendliche der Diakonie in Oberösterreich ist sie für die Lernbetreuung zuständig. Diese läuft zu 90% in Form einer Einzelbetreuung mit 50 Minuten pro Kind ab. Das Alter der begleiteten Kinder liegt bei 5 bis 12, maximal 13 Jahren. "Die Kinder genießen die Zeit in der Einzelbetreuung", sagt Höfler. Sie ist auch Schulverantwortliche für die Neuzugänge. Dabei achtet sie besonders darauf, wie es dem jeweiligen Kind schulisch geht. Gemeinsam mit einer Mitarbeiterin der Bildungsdirektion OÖ sucht sie eine geeignete Schule für das Kind. Das kann innerhalb weniger Tage gelingen oder aber auch Monate in Anspruch nehmen.

Musik, Obst und gehäkelte Giraffen

"Ich mache viel nach und mit Gefühl", sagt die Lernbetreuerin. Das zeigt sich auch darin, wie sie den Stress aus dem Lernen nimmt. Je nachdem, was zum jeweiligen Kind passt, gestaltet sie das Umfeld etwas anders. "Die Fürsorge, das In-Beziehung-treten ist sehr wichtig" - zum Beispiel durch angenehme Musik im Hintergrund, oder durch Obst, das für das Kind geschnitten wird. Eine Spezialität von Hannah ist das Häkeln von kleinen Figuren oder Tieren (z.B. Giraffen), unter anderem als Geschenk für Kinder, während diese ihre Aufgaben lösen. Das spornt zum konzentrierten Lernen an. "Meine Arbeit ist eine Herausforderung, aber das freie Arbeiten gefällt mir", sagt die Pädagogin. Zwei Praktika in anderen Bereichen des SKH sind dieser Arbeit vorangegangen. Seit November 2018 ist Hannah nun fix in der Lernbetreuung angestellt.

"Das Kind soll die Chance bekommen, sich selbst zu präsentieren"

"Die ersten Schritte sind Beziehungsarbeit", sagt Hannah Höfler. Erst danach kann gemeinsam Schulisches bearbeitet werden. "Wichtig ist mir, jedes einzelne Kind kennen zu lernen – mit seinen Stärken und Schwächen. Es soll die Chance bekommen, sich selbst zu präsentieren." Das Kind im individuellen Verhalten zu sehen und darauf einzugehen ist wesentlich für alles Weitere. Zum Beispiel das Kind beobachten und auf die Körpersprache achten. Wie schreibt das Kind? Was braucht das Kind?

"Die Kinder in der Lernförderung haben in gewissen Bereichen Förderbedarf." Das kann in den Schulfächern eine Betreuung oder Anleitung bei der Hausübung sein, oder eine Unterstützung bei Legasthenie und Dyskalkulie. "Das merkt man zum Beispiel durch Beobachtung oder einem regelmäßigen Austausch mit der Schule. LehrerInnen bekommen viel mit, was Kinder brauchen. Jene Kinder, die schnell grantig bzw. aufbrausend oder im Gegenteil ganz ruhig werden, zeigen auf ganz unterschiedliche Weise, dass sie Unterstützung brauchen"

"Systemsprenger"

"Großteils habe ich mit Kindern zu tun, die Regelsysteme sprengen oder gesprengt haben. Oft haben sie negative Erfahrungen in der Schule gemacht. Positive Erfahrungen sind im Einzelkontakt leichter möglich."
Gemeinsam mit Lehrenden können Strategien erarbeitet werden, die dem Kind helfen, seine Wut zu bändigen und ausdrücken zu lernen, wie es ihm geht oder was es braucht. Das kann zum Beispiel eine Smiley-Liste oder eine Stopp-Karte sein. "Wesentlich ist die Herangehensweise. In der Schule wird häufig eher auf Fehler geachtet. Mir ist es wichtig, den Fokus auf die positiven Entwicklungen und Stärken zu legen." Diese solle man dem Kind auch zeigen bzw. rückmelden.

Tipps für leichteres Lernen:

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