Von Gott und der Welt

Ich liebe meine Kirche

„I love my church!“ hat Hanna unter ein Foto vom letzten Familiengottesdienst geschrieben und auf Social Media gepostet. Ihre Freundin Carla schrieb drunter: „Wie kann man eine Institution lieben?“

09.03.2019
Bibelausgaben, die auf einer Kirchenbank liegen (Foto: Pixabay)

Hanna musste sich verteidigen. Sie wollte doch nur eine Erinnerung teilen und kein Bekenntnis ablegen. Aber sie liebt ihre Kirche wirklich – die Frauen aus dem Seniorenkreis mit ihren abenteuerlichen Lebensgeschichten, das Chorälesingen am Sonntag, das die Pfarrerin so begeistert predigt, auch wenn Hanna manches anders sieht.

Die Evangelische Kirche hat es hingegen gerade schwer mit der Liebe.

Heute tagt die Synode in Wien und soll klären, ob der staatlichen Ehe für alle auch eine kirchliche Trauung für alle folgen soll. Die Mehrheit ist dafür, doch eine erkleckliche Zahl von Gemeinden möchte daran festhalten, dass eine Trauung nur für Mann und Frau bestimmt ist und gleichgeschlechtliche Ehen in einem Gottesdienst gesegnet werden können. Von außen gesehen mag der Unterschied klein erscheinen. Doch er beschwert das Gewissen beider Seiten. Die Synode wird zu einem Ergebnis finden, das beiden Seiten viel abverlangt.

Deshalb liebe ich meine Kirche, weil es dort möglich ist, die Gegensätze auszuhalten, miteinander auszureden, gemeinsam um eine Lösung zu ringen und über seinen Schatten zu springen. Diese Liebe gilt bedingungslos. Denn Gott liebt uns auch in schweren Zeiten.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".