Flucht in die Freiheit

"Ich entscheide über mein Leben"

Wenn kulturelle und religiöse Vorschriften dem Wunsch nach einem freien Leben entgegentreten, dann bleibt nur noch der Weg auszubrechen. Eine besonders mutige Frau aus Afghanistan erzählt von ihrem Schicksal.

22.06.2020
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Nasrin Akbari: "Befreit euch." (Foto: Diakonie).

Nasrin Akbari wohnt in einer Einrichtung für geflüchtete Menschen der Diakonie. Die 24-Jährige, die aus Afghanistan stammt, leidet unter großer Angst. Sie steht gerade vor der Scheidung, und wird deswegen von ihrem Noch-Ehemann bedroht. "Ich habe lange das gemacht, was die Tradition von mir verlangte. Einen Mann, der auch mein Cousin ist und den ich nicht liebte, geheiratet. Mein Kopftuch getragen und mich immer bemüht, mein Leben so wie es ist zu akzeptieren", erzählt sie. "So war es auch zu Beginn in Österreich für mich, wohin ich gemeinsam mit meinem Mann geflüchtet bin", so Akbari.

Hilfe, die stark macht

Dort kamen die beiden mit den Hilfs- und Unterstützungsangeboten der Diakonie in Kontakt. Dabei fanden sie in einem betreuten Wohnprojekt eine Wohnung, doch das Zusammenleben funktionierte nicht. Ihre Lebensvorstellungen gingen immer mehr auseinander. Die junge Frau fand, im Gegensatz zu ihm, schnell den Anschluss bei Aus- und Weiterbildung: "Ich habe bei einem Arbeitsmarktprojekt der Diakonie mitgearbeitet, dort habe ich eine Ausbildung für die Küche gemacht. Mein großer Wunsch ist es, Köchin zu werden. Vorher möchte ich meinen Pflichtschulabschluss an der VHS nachholen", erzählt sie.
Pläne, die immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen den beiden führten. Ihr Mann drohte mit Gewalt. Akbari fand Rat: "In Österreich brauchen es Frauen nicht auszuhalten, wenn die Männer aggressiv werden. Ich bekam Hilfe im Gewaltschutzzentrum und psychologische Therapien, die mich stark gemacht haben", so Akbari. "„Ohne diese Unterstützung wäre ich noch in meiner Ehe geblieben, obwohl das für mich immer wie eine Folter war."

Eine neue Zukunft

Im Leben von Nasrin Akbari hat es in letzter Zeit einige einschneidende Wendungen gegeben. Sie hat in jener Einrichtung, in der sie jetzt wohnt, einen Mann kennengelernt, mit dem sie seit kurzem auch zusammenlebt und der ihr in dieser schwierigen Situation mit der laufenden Scheidung eine wichtige Stütze ist. "Es ist schön, dass mein Freund für mich da ist. Aber da ich noch verheiratet bin, fürchte ich mich sehr vor Rache und Ehrenmord. Auch mein neuer Partner ist in Gefahr. Wir trauen uns draußen gar nicht Hand in Hand zu gehen, weil wir Angst davor haben, dass wir fotografiert werden und die Bilder meinen Noch-Mann und unsere Familien erreichen. Derzeit habe ich nur Kontakt zu meiner Mutter, die zwar das mit der Scheidung aber mit dem neuen Freund gar nicht weiß."

Und trotzdem sehe Akbari ihre Entscheidung für ihre Zukunft richtig und wichtig. Akbari: "Ich habe immer unter großem Druck gelebt bei meinem Mann bleiben zu müssen. Trotzdem möchte ich Frauen, speziell aus unserer Kultur, raten, sich diesem nicht auszusetzen. Befreit euch, wenn ihr in Europa seid. Ich habe erst hier entdeckt, dass Frauen Rechte haben. Die Unterstützung, die ich jetzt besonders von Menschen aus der Diakonie bekomme, geben mir die Hoffnung, dass ich meine Ängste bald hinter mir lassen kann."

Würdevolles Wohnen

Bis geflüchtete Menschen nach Österreich kommen, haben sie oft großes Leid erfahren. In den Unterkünften der Diakonie finden sie nach langer Zeit wieder einen sicheren Ort zum Ankommen und jene Unterstützung, die sie brauchen.