Frauen auf der Flucht

"Ich bin froh über dieses neue Leben"

Aziza Hosseini* ist eine starke Frau – ihre sechs Kinder, mit denen sie aus Afghanistan geflohen ist, zieht sie alleine groß. Sie ist eine optimistische Frau, denn hier in Österreich, so sagt sie, kann sie alles schaffen.

10.09.2020
Mit sechs Kindern ist Aziza Hosseini von Afghanistan nach Österreich geflüchtet. (Symbolfoto)

Aziza Hosseini stammt aus einem kleinen Dorf in der Provinz Kunduz. Sie konnte keine Schule besuchen und hat so nie Lesen und Schreiben gelernt. Mit 17 wurde sie verheiratet und lebte fortan mit der Familie ihres Mannes. Das war und ist üblich, ja – manche Mädchen werden sogar schon mit 8 oder 9 Jahren verheiratet. Der Alltag war hart, immer mehr Taliban kehrten in die Provinz zurück und machten das Leben – vor allem für Frauen und Mädchen – extrem schwer. „Wir konnten nichts tun, alles war uns verboten. Und wer sich nicht an die strengen Verbote hielt, wurde von den Taliban schrecklich bestraft.“

Schließlich hat die ganze Familie beschlossen, aus Afghanistan zu fliehen. Das älteste Kind war 12, das jüngste 2 Jahre und 6 Monate – bei einem gefährlichen Zwischenfall wurde Aziza von ihrem Mann getrennt – ganz auf sich selbst gestellt hat sie die gefährliche Reise mit ihren Kindern gemeistert. Erst als sie in Österreich angekommen sind, hat sie erfahren, dass ihr Mann nach Afghanistan zurückgeschickt worden war.

 

Ich habe nicht gewusst, wie die Zukunft ausschaut.
Aziza Hosseini

Neuanfang in Österreich

„Ich habe nicht gewusst, wie die Zukunft ausschaut. Aber ich war für meine Kinder da und da hat man kaum Zeit zum Nachdenken – das war gut. Ich war so froh hier zu sein, hier gibt es keine Strafe dafür, dass man eine Frau ist. Alle sind frei – Männer – Frauen – Buben – Mädchen!“
Als endlich die Gerichtsverhandlung für Frau Hosseini kam, wurde sie von einer Beraterin der Rechtsberatung des Diakonie Flüchtlingsdienstes begleitet. Sie konnte vorab alle Fragen klären und war so gut vorbereitet und ohne Angst.  

Aziza Hosseini erhielt Asyl in Österreich – sie lernt immer noch Deutsch, das Schreiben und Lesen fällt ihr immer leichter – mit ihren Kindern kann sie gut mitlernen.

Was sind ihre Pläne?

„Ich lerne und alles wird immer besser für uns. Ich möchte Kindergarten-Assistentin werden – ich liebe Kinder!“ sie lacht und erzählt: „Ich möchte auf eigenen Beinen stehen und alles selber schaffen! Den Führerschein werde ich machen, Sport betreiben und ein gutes Leben mit meiner Familie führen. Ich habe Freundinnen gefunden und fühle mich hier daheim. Ich bin froh über dieses neue Leben.“

*Der Name wurde geändert

Frauen.Rechte.Sichern.

Frauen* haben oft spezifische Gründe, aus ihrer Heimat zu fliehen. Vor Gericht werden geschlechter-spezifische Fluchtgründe im Asylverfahren oft nicht anerkannt. Das Frauen*Volksbegehren und der Diakonie Flüchtlingsdienst machen in einer gemeinsamen Initiative auf dieses Problem aufmerksam.